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Verlockendes Kundenkartenspiel

Datenschutz wird meist vernachlässigt

Kundenkarten versprechen viel, bergen aber auch Gefahren. (AP)
Kundenkarten versprechen viel, bergen aber auch Gefahren. (AP)

Ein regelrechtes Kartenspiel führen viele Deutsche mittlerweile in ihrer Brieftasche mit sich. Neben Krankenversicherungs- und ec-Karte finden sich meist Kredit- und Kundenkarten diverser Unternehmen.

Rabatte, Sachgutschriften und Ähnliches locken - doch der Wert der Vergünstigung wird meist überschätzt, der Datenschutzaspekt unterdessen kaum beachtet.

Wie es um Kunden- oder Rabattkarten bestellt ist, das untersuchte die Stiftung Warentest. Die ideale Kundenkarte ist schnell entworfen: kostenlos, einfache und transparente Bonusbedingungen, der Datenschutz wird eingehalten und der Rabatt kann schnell mit dem Einkauf verrechnet werden. Soweit die Sicht des Kunden. Die Unternehmen erfüllen diese Erwartungen an Kundenkarten nur selten, wie die Stiftung Warentest herausfand.

Payback gilt als Marktführer unter den Kundenkarten. Nach Unternehmensangaben sind bereits 20 Millionen deutsche Haushalte im Besitz einer Payback-Karte.

Warum eigentlich Kundenkarten? Sie sind ein Marketing-Instrument, sollen Kunden binden und den Händlern oder Handelsketten mehr über ihre Kunden verraten. Einen guten Überblick zu den sogenannten Kundenbindungssystemen gibt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und Informationsfreiheit.

Gegenüber dem Deutschlandradio Kultur merkte der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar zum Zweck von Kundenkarten an:
"So eine Kundenkarte ist zum Beispiel etwas, was noch irgendwie real ist, aber gleichwohl ist der Hauptzweck einer solchen Kundenkarte nicht die Karte, sondern die Daten, die über diese Karte durch Koppelung mit Kassensystemen und sonstigen IT-Verfahren gewonnen werden können."

Eine Frau bezahlt in einem Geschäft in Gelsenkirchen mit ihrer Kreditkarte. (AP)Zahlen mit Kunden- und Kredtikarten: Nicht nur Geld wechselt den Besitzer, es werden auch viele Daten weitergegeben. (AP)In einer Lesart-Podiumsdiskussion unterstrich der Schriftsteller Ilija Trojanow den Wert von privaten Daten und warnte vor zu naivem Umgang mit den Kundenkarten:
" ... es ist ja wirklich ein Massenphänomen. Dass wir uns irgendwelche Payback-Karten, Kundenkarten ausstellen lassen. Dafür verschenken wir unsere Daten. Die meisten Bürger wissen nicht oder verstehen nicht, dass diese Daten richtig Geld wert sind. Die werden gehandelt im Internet. Das sind teilweise stolze Summen. Und dafür kriegen sie nach zehn Einkäufen eine Teflonpfanne oder so. Also, das ist ein wirklich absurder Tausch. Da sind wir ja wirklich fast alle nicht sensibel genug. Das hat natürlich einen Grund."

Chancen und Gefahren von Rabattkarten fasst der Deutschlandfunk-Verbrauchertipp zusammen.

Wie viel kosten Prämien den Verbraucher am Ende? Lohnt sich das Sammeln überhaupt? Über eine stichprobenartige Kundenkarten-Untersuchung der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen berichtet deren Sprecher Georg Tryba.

Vorsicht ist auch bei Zahlungen im Internet geboten. Wer dort einkauft, hinterlässt Datenspuren. Deshalb sollte man bewusst und sparsam mit den eigenen Daten umgehen.

Denn auch Scouringdaten der Wirtschaftsauskunfteien wie Schufa oder Creditreform können von den Netz-Spuren erheblich beflusst werden. Obacht ist geboten, auch wenn die Grundlagen zur Berechnungen zur Kreditwürdigkeit bleiben oft verborgen.

Über alle Aspekte zum Thema Datenschutz kann man sich auch seit gut einem Jahr in einem Online-Forum des Datenschutzbeauftragten austauschen. Aktuell diskutieren dort 1412 Benutzer mehr als 1000 Themen.

Weiterführende Links:
Webseite des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und Informationsfreiheit
Virtuelles Datenschutzbüro

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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