Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Verstorbenes Vergewaltigungsopfer in Indien eingeäschert

23-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen - Neue Demonstrationen erwartet

Junge Menschen zünden Kerzen für die verstorbene Frau an (picture alliance / dpa / Sajneev Gupta)
Junge Menschen zünden Kerzen für die verstorbene Frau an (picture alliance / dpa / Sajneev Gupta)

Zwei Wochen nach der Vergewaltigung durch mehrere Männer ist die Studentin ihren Verletzungen in Singapur erlegen. Ihre Leiche wurde nach Neu Delhi gebracht und sofort eingeäschert. Bereits wenige Stunden nach der Nachricht vom Tod der 23-Jährigen gingen in Indien Tausende Menschen auf die Straße.

Die Leiche der von mehreren Männern vergewaltigten Inderin ist am Morgen nach Neu Delhi zurückgebracht und eingeäschert worden. Der Sarg sei in einer von der Regierung gemieteten Chartermaschine aus Singapur überführt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Dort war die 23-Jährige in einer Spezialklinik behandelt worden, aber schließlich ihren schweren inneren Verletzungen erlegen. Ihr 13 Tage währender Überlebenskampf hatte in Indien Wut und Schamgefühle ausgelöst. Am Samstag trauerten tausende Menschen öffentlich und demonstrierten für mehr Frauenrechte. Auch am Sonntag wurden wieder Proteste erwartet.

Der indische Botschafter in Singapur erklärte vor der Presse: "Die Familie möchte in dieser schweren Stunde alleine sein, in der es nicht gelungen ist, ihre Tochter zu retten". Dann fügte er an, dass die junge Frau so schwer verletzt gewesen sei, dass auch ein achtköpfiges Spezialistenteam sie nicht retten konnte. Die 23-jährige Studentin starb nach Angaben ihrer behandelnden Ärzte an Organversagen. Sie war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach Singapur ausgeflogen worden.

Die sechs Männer sollen die junge Frau war vor fast zwei Wochen in Neu Delhi in einem Bus vergewaltigt, mit einer Eisenstange malträtiert und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen haben.

Singh zeigt sich erschüttert

Manmohan Singh, Premierminister von Indien (AP Archiv)Manmohan Singh, Premierminister von Indien (AP Archiv)Der indische Premierminister Manmohan Singh hat bestürzt auf ihren Tod reagiert. Er sei zutiefst betrübt darüber, dass die 23-Jährige ihren schweren Verletzungen erlegen sei. Es sei bereits deutlich geworden, welche Emotionen diese Tat im ganzen Land nach sich gezogen habe. Der Premierminister rief seine Landsleute auf, ihre Emotionen in konstruktives Handeln umzuwandeln. Indien müsse zu einem besseren und sichereren Land für Frauen werden. "Sie mag ihren Kampf ums Überleben verloren haben, aber es liegt an uns, sicherzustellen, dass ihr Tod nicht umsonst war", twitterte er.

Empörung und Entsetzen landesweit

Das Sexualverbrechen hatte landesweite und zum Teil gewaltsame Proteste ausgelöst. Die überwiegend jungen Demonstranten werfen dem Staat vor, korrupt und tatenlos zu sein und beim Schutz von Indiens Frauen zu versagen. Die Rufe nach der Todesstrafe für Vergewaltiger wurden im Zuge dieses Verbrechens lauter.

Auch gestern versammelten sich mehrere Tausend Menschen mit Plakaten und Mikrofonen in der Hauptstadt Neu Delhi. "Wir wollen Gerechtigkeit", riefen sie. Andere hatten sich schwarze Tücher über den Mund gebunden. "Wir haben genug geschrien", sagte eine junge Frau mit Tuch. "Jetzt wollen wir Taten sehen."

Wie in Neu Delhi gab es auch in Bangalore, Kalkutta und Mumbai Kundgebungen. Menschen zündeten Kerzen für das Opfer an. Auf einem Plakat war zu lesen: "Die Flamme, die sie entzündete, soll nie mehr verlöschen."

Bereits vor einer Woche hatten sich überall im Land Proteste formiert, die in der Hauptstadt auch in Gewalt umschlugen. Bei den Demonstrationen vor Weihnachten waren mehr als 100 Menschen verletzt worden, ein Polizist starb. Heute blieben die Proteste friedlich. Die Polizei war vorsorglich verstärkt eingesetzt worden.

Festgenommene des Mordes angeklagt

In der indischen Hauptstadt wird laut Polizeistatistik alle 18 Stunden eine Vergewaltigung gemeldet, berichtet Bernd Musch-Borowska im Deutschlandradio Kultur. Die Zahl der Vergewaltigungen in Indien sei in den vergangenen Jahren um fast 20 Prozent gestiegen.

Der Politikwissenschaftler Dietmar Rothermund erklärte, dass Indien sehr modern geworden sei und in dieser Entwicklung auch gewissen Gefahren lauerten. Alte Hemmschwellen würden überschritten. Im Deutschlandfunk sagte er, durch den raschen wirtschaftlichen Aufstieg habe auch eine Isolierung der Menschen stattgefunden. Es komme zu Taten, die zuvor undenkbar gewesen seien.

Fünf Männer und ein Jugendlicher sind nach der Tat festgenommen worden und sitzen seitdem in Haft. Sie werden des Mordes angeklagt, erklärte Polizeisprecher Rajan Bhagat in Neu Delhi.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Kommentar: "Der Staat allein kann die Rolle der Frau nicht verändern" - Sandra Petersmann beklagt, dass zwischen Regierenden und Regierten Indiens nicht viel gemeinsam läuft
Bericht von Sandra Petersmann im DLF: Regierungsviertel in Neu Delhi gesperrt
Indische Gesellschaft legt Sexualdelikte "dem Opfer zur Last"
Gegen Unterdrückung und Gewalt - Indische Mädchen setzen sich mit Theaterstücken zur Wehr

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Dossier

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:07 Uhr Aus der jüdischen Welt mit "Shabbat"

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Blue EconomyWirtschaftsmodell inspiriert von der Natur

Ein Feld mit Mais, im Hintergrund ein Fluss und eine Viehherde in Simbabwe. (picture-alliance / ZP / Frank Baumgart)

Keine Abfälle und keine Armut, weil Ressourcen so genutzt werden, dass damit die Grundbedürfnisse aller gestillt werden. Das klingt zwar wie Utopie, aber mit dem Wirtschaftsmodell der "Blue Economy" könne es Wirklichkeit werden - davon ist zumindest Begründer Gunter Pauli überzeugt. Ein Pilotprojekt gibt es zum Beispiel in Simbabwe.

Frage des TagesIst guter Journalismus heute unter Druck?

Zeitungsausschnitt - das Wort Lügen ist in der Schlagzeile zu lesen (Imago / Martin Bäuml Fotodesign)

Lügenpresse, Einseitigkeit, Abhängigkeit - viel Kritik ernten die Medien dieser Tage, nicht zuletzt über die Kommunikationskanäle im Internet. Das ist auch Thema auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche. Medienjournalist Daniel Bouhs spricht über die Zukunft des Journalismus und Mediendemokratie.

Blogger in BangladeschLebensgefährlicher Atheismus

Blumen liegen als Zeichen der Trauer auf einer Straße in der Nähe des Hauses des ermordeten Bloggers Avijit Roy in Dhaka. (pa/dpa/EPA/Abdullah)

Apostasie, der Abfall vom Glauben, führt in einigen islamischen Ländern zum Tod. Der 31-jährige Blogger Asif Mohiuddin wäre beinahe einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In Bangladesh ist eine freie Meinungsäußerung in Religionsfragen kaum möglich. Nun hat er in Hamburg Schutz gefunden.

Karikaturen im Netz"Charlie Hebdo" geißelt jetzt auch online

Titelseite des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" am 25. Februar 2015 (dpa / picture alliance / Ian Langsdon)

Vier Museen und Galerien für komische Kunst präsentieren eine Ausstellung mit drastischen Karikaturen aus der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" - im Internet. Die digitale Schau zeigt das im Januar so schwer getroffene Blatt in der französischen Tradition des Antiklerikalismus.

InlandsgeheimdienstBundestag beschließt Verfassungsschutzreform

Schild des Bundesamts für Verfassungsschutz mit dem Bundesadler an einer Eingangstür des Gebäudes, durch die eine Frau geht. (picture alliance / dpa - Oliver Berg)

Knapp vier Jahre nach Aufdeckung der Mordserie des rechtsextremen NSU wird der Verfassungsschutz grundlegend reformiert. Die Behörden sollen künftig intensiver Informationen austauschen. Zudem soll das Bundesamt für Verfassungsschutz mehr Befugnisse bekommen und in den Ländern operativ eingreifen können.

Holocaust-Gedenkstätten in der Ukraine Das Kaddisch kommt erst 74 Jahre später

Eröffnung Holocaust-Gedenkstätte Kysylyn Westukraine (Deutschlandradio / Sabine Adler)

Die europäischen Juden starben nicht nur in den Vernichtungslagern. In Polen und Weißrussland wurden mehr als eine Million Menschen durch Massenerschießungen umgebracht. In der Ukraine beginnt das Gedenken an diese Toten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Griechenland  Oberstes Verwaltungsgericht billigt Referendum | mehr

Kulturnachrichten

"taz"-Chefredakteurin geht zur Deutschen Welle  | mehr

Wissensnachrichten

Produktüberarbeitung  Luftpolsterfolie, die sich nicht mehr knibbeln lässt | mehr