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"Viel erreicht, viel zu tun": 150 Jahre SPD

Großer Festakt der Sozialdemokraten in Leipzig

Die SPD feiert sich selbst (picture alliance / dpa)
Die SPD feiert sich selbst (picture alliance / dpa)

Ihren 150. Geburtstag feiert die SPD heute mit rund 1600 Gäste aus 80 Ländern in Leipzig. Beim Festakt unterstrich Bundespräsident Joachim Gauck deren Verdienste um Arbeitsschutzgesetze oder Frauenwahlrecht und sprach von einem "Feiertag des europäischen Ringens um Freiheit und Demokratie".

Bei seiner Rede zum Festakt im Leipziger Gewandhaus rief Bundespräsident Joachim Gauck die Parteien in Deutschland auf, die Protestbewegungen von Bürgern als wichtige Bereicherung anzusehen. Derartige Formen der Beteiligung sollten als so etwas wie ein Frühwarnsystem begriffen werden. Es gelte, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Zugleich würdigte das deutsche Staatsoberhaupt die Verdienste der Sozialdemokraten. Er verwies auf die Bedeutung der SPD für die gesellschaftspolitische Entwicklung Deutschlands. Die Partei habe sich für Arbeitsschutzgesetze oder das Frauenwahlrecht eingesetzt.

Als Gastredner reiste auch der französische Staatspräsident François Hollande nach Leipzig. Bei dem Festakt im Gewandhaus erklärte der Sozialist, die Geschichte der SPD sei untrennbar verbunden mit den großen Debatten, die auf dem Kontinent geführt würden. Als ein Beispiel nannte Hollande die Bemühungen der Sozialdemokraten um die Demokratie in Europa.

François Hollande habe einen sehr starken europäischen Akzent gesetzt. "Europa braucht uns," lautete seine Botschaft. Angesicht der Krise seien die Werte der Sozialdemokratie - Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität - in ganz Europa notwendig, berichtet Frank Capellan.

Die SPD gedenkt heute der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle am 23. Mai 1863 in Leipzig. Neben dem Festakt, zu dem zehn weitere Staats- und Regierungschefs aus Europa angereist sind, findet auf dem Marktplatz ein großes Bürgerfest statt.

Bundeskanzlerin Merkel (CDU): "Respekt und Anerkennung"

Als Erste hatte am Morgen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratuliert. Die SPD sei eine "streitbare und unbeugsame Stimme der Demokratie in Deutschland", schrieb Merkel in einem Beitrag für die "Leipziger Volkszeitung". "Für diesen gar nicht hoch genug einzuschätzenden Dienst an unserem Land gebühren der SPD mein Respekt und meine Anerkennung." Deswegen gratuliere sie den Sozialdemokraten im Namen der CDU Deutschlands wie auch persönlich.

Ex-SPD-Chef Müntefering: Neue Herausforderungen in globaler Welt

Franz Müntefering, SPD, Bundesminister für Arbeit und Soziales (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Franz Müntefering, SPD: "Die Werte bleiben" (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Viel erreicht, viel zu tun", so beschreibt Franz Müntefering die Situation der 150-jährigen Partei. Ihren "konservativen Werten" Freiheit, Frieden, soziale Gerechtigkeit und Solidarität bleibe die SPD weiterhin treu, sagte der ehemalige Partei- und Fraktionsvorsitzende und Vizekanzler im Deutschlandfunk. Doch stelle die globale Welt neue Herausforderungen. Müntefering nannte als Beispiele "sittenwidrig niedrige und sittenwidrig hohe Löhne". Die umstrittene Agenda 2010 bezeichnete er als richtig. Sie habe Deutschland bis heute geholfen.

Der CDU-Politiker Heiner Geißler hingegen kritisiert die Agenda 2010. Dadurch seien die Arbeitnehmer wieder zum Objekt degradiert worden. Mit diesem Irrtum müsse die SPD aufräumen. Er wünsche sich, dass die Partei zu ihrem Weg, dem Einsatz für mehr Freiheit und Gerechtigkeit, zurückkehre, sagte Geißler im Deutschlandfunk.

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt rät der Führung der SPD, sich anlässlich des 150. Geburtstags auf alte sozialdemokratische Grundwerte zu besinnen. Dazu gehöre, die Kleinen und Schwachen zu unterstützen und etwa für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Der Regierungswechsel 1998 habe ihm gezeigt, "dass Politik irgendwie Gestaltung ist und nicht nur Verwaltung", sagt der Blogger und Netzaktivist Sascha Lobo. Seitdem hegt er große Sympathien für die SPD, zumal der technische und gesellschaftliche Fortschritt bei ihr "am stärksten verankert ist". Fortschritt ist "im Erbgut der SPD verankert", so das Urteil des Netzaktivisten Sascha Lobo.

Die neue "Progressive Alliance"

SPD-Chef Gabriel beim Gründungskonvent der "Progressive Alliance" (dpa / Kay Nietfeld)SPD-Chef Gabriel beim Gründungskonvent der "Progressive Alliance" (dpa / Kay Nietfeld)Am Vorabend des großen Jubiläums hatten sich führende Sozialdemokraten aus ganz Europa in Leipzig getroffen, um ein neues internationales Bündnis zu gründen, die "Progressive Alliance". "Wir wollen einen neuen Anfang wagen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Unter dem Leitmotto "Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität" bestätigten die Gründungsparteien per Unterschrift ihre Mitgliedschaft. Eine Hauptaufgabe des neuen Bündnisses sei der Kampf gegen Armut und gegen eine zu starke Dominanz von Märkten auf das Leben der Bürger, sagte Gabriel.

Der SPD-Vorsitzende hatte die Neugründung maßgeblich vorangetrieben mit der Begründung, der Zusammenschluss der Internationalen noch unter Karl Marx habe als Freiheitsbewegung begonnen, sei aber von diesem Weg abgekommen. Gabriel betonte, er sei einigermaßen entsetzt gewesen, als er erfahren habe, wer da noch so Mitglied sei, etwa die Nationaldemokratische Partei Ägyptens von Machthaber Husni Mubarak. Man habe lange die Hoffnung gehabt, dass bestimmte Organisationen über die SI-Mitgliedschaft demokratisiert werden könnten.

Papandreou: Spaltung der Linken

Griechenlands Ministerpräsident George Papandreou spricht auf einer Konferenz der regierenden Sozialisten in Athen (AP / Kostas Tsironis)Griechenlands früherer Ministerpräsident Georgios Papandreou (AP / Kostas Tsironis)Der Präsident der Sozialistischen Internationalen, Griechenlands früherer Ministerpräsident Georgios Papandreou, warf SPD-Chef Gabriel in einem offenen Brief an die rund 160 Mitgliedsparteien verleumderische Attacken und eine Spaltung der Linken vor. "Es ist bedauerlich, dass die Führung unserer deutschen Mitglieder versucht, die globale progressive Bewegung zu spalten, statt den Schulterschluss zu suchen", schrieb Papandreou. "Was jetzt sehr nötig ist, ist ein neuer Internationalismus und eine neue Kultur der Solidarität."


Weitere Informationen auf dradio.de:

Deutschlandfunk-Interview mit SPD-Chef Gabriel "Steinbrück hat nie gefordert, das Kanzlergehalt zu erhöhen"
Interview mit Rudolf Dreßler im Deutschlandradio Kultur "Der SPD-Slogan ist nicht nachvollziehbar"
- Spurensuche im ehemals "roten Sachsen" - Die SPD-Basis in Bischofswerda feiert das Parteijubiläum
Die SPD als roter Faden der Demokratie - Bücher zur Geschichte der Sozialdemokratie



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

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