Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Viel versprochen, nichts gelernt

Ein Jahr nach der Lehman-Brothers-Pleite

Firmenschild der Lehman Brothers Bank Filiale  in Tokio (AP)
Firmenschild der Lehman Brothers Bank Filiale in Tokio (AP)

Am 15. September 2008 - vor genau einem Jahr - beantragte die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz und stürzte damit die ohnehin bereits gebeutelte globale Wirtschaftswelt endgültig in die größte Krise ihrer Geschichte. Seitdem geht es um schärfere Regeln für die Finanzwelt - mit bescheidenem Erfolg.

Das vom Konkurs der Lehman Brothers mitausgelöste Beben auf den Finanzmärkten wirkt bis heute nach. Nach neuesten Studien wurden mehr als zehn Billionen Dollar vernichtet. Statistisch gesehen kostet die Krise damit jeden Erdenbürger 1500 Dollar.

"Es muss ganz, ganz schnell zu Regulierungen kommen, sonst droht doch wieder der Rückfall in die alte Entwicklung und vor allem eine neue Finanzmarktkrise", sagt Professor Rudolf Hickel, Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen. Er plädiert vor allem für einen Produkt-TÜV.

Ein Jahr nach der Insolvenz sieht Matthias Eberle , Korrespondent des "Handelsblattes" in New York, erheblichen Widerstand gegen US-Präsident Barack Obamas Absichten, schärfere Regeln auf den Finanzmärkten zu etablieren.

Die Weltwirtschaftskrise hat nach Ansicht des Finanzwissenschaftlers Sven Remer nicht zu einem Umdenken in der Gesellschaft geführt. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie sieht das ähnlich.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält die bisherigen Entschädigungen im Zuge der Finanzkrise nicht für ausreichend. Die Banken müssten von sich aus Gelder zurückerstatten, wenn sie ihre Kunden falsch beraten hätten, sagte die CSU-Politikerin.

Chronologie einer Finanzkrise

Lehman Brothers war nur die Spitze eines Eisbergs, der bis dato Milliarden durch überfaule Kredite und letztlich wertlose Zertifikate vernichtet hatte. In den USA, traditionell auf Kredit gebaut, konnten die Bürger zunächst ihre Immobilienkredite nicht wieder zurückzahlen - die wiederum vorherige Kredite abgelöst hatten.

Zentrale der US-Hypothekenbank Fannie Mae in Washington, D.C. (AP)Zentrale der US-Hypothekenbank Fannie Mae in Washington, D.C. (AP)Im September 2008 übernahm die US-Regierung die Finanzkontrolle bei den Groß-Hypothekenfirmen Fannie Mae und Freddie Mac. Die Institute waren wegen ausbleibender Kreditrückzahlungen zahlungsunfähig.

Am 15. September dann meldete Lehman Brothers Insolvenz an. Hier waren es sogenannte Zertifikate, die Tausenden von Privatanlegern das investierte Geld vernichtete. Die Schuldverschreibungen konnten von den Emittenten nicht mehr zurückgezahlt werden.

Nur einen Tag später muss auch der Versicherungsgigant AIG Milliardenverluste anmelden. Wiederum einen Tag später rettet die US-Notenbank FED AIG mit einem Kredit von 85 Milliarden Dollar.

Das "systemische Risiko"

Das heute geflügelte Wort "systemische Risiken" machte weltweit die Runde - und hieß letztlich, dass einige Banken und Unternehmen rettenswerter waren als andere, um weiteres Ungemach von der globalen Finanzwelt abzuhalten.
Damit war Lehman Brothers auch zum Symbol einer Finanzwelt geworden, die global derart verflochten ist, dass schon der Konkurs eines einzelnen Unternehmens oder Bank weltweite Auswirkungen haben könnte.

Mehrere US-Anläufe zu milliardenschweren Rettungspaketen scheiterten zunächst sowohl unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush als auch dem Amtsinhaber Barack Obama. Mehrere renommierte Geldinstitute gehen in der Folge pleite und werden von anderen übernommen. Die Börsen erleben eine beispiellose Talfahrt.

Lehman zieht deutsche Finanzwelt in Abwärtsstrudel

Betroffen von der Lehman-Pleite war auch die deutsche KfW - die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Vorstand musste einräumen, dass noch nach Bekanntwerden der Pleite eine Überweisung von 300 Millionen Dollar an Lehman getätigt worden war - was mit einer "technischen Panne" erklärt wurde.

Deutschland erlebte seitdem die dramatischste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik. Die Krise - und damit auch die finanzielle Sicherheit der Privatanleger - ist zentrales Thema im Bundestagswahlkampf.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 06:20 Uhr Wort zum Tage

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Strategien gegen SchleuserDen Schleppern das Handwerk legen

Ein gekentertes Flüchtlingsboot in der Ägäis. (AFP / Ozan Kose)

Die meisten Flüchtlinge, die nach Europa kommen, haben dabei vermutlich Hilfe von Schleusern. Weil immer mehr Menschen vor Krieg und Terror fliehen, wird es für sie teurer oder gefährlicher, diese Dienste in Anspruch zu nehmen. Die Schlepper profitieren - solange sie schnell genug auf sich ändernden Routen und andere Hürden reagieren.

Glücksgefühle im SportVon Askese und Ekstase

Frauen und Männer praktizieren ein Pilates-Fitness-Training. (picture alliance / dpa / Keystone Arno Balzarini)

Verleihen Goldmedaillen Glücksgefühle? Oder sind es eher die zähen Trainingsstunden, die einen Sportler begeistern? Eins scheint klar: Ohne asketische Momente und Trainingsqualen gibt es selten ein richtiges Gefühlshoch.

HollywoodPraktikum bei Independence Day 2

Für viele ist es ein Traum, für Tim David Müller-Zitzke ist es Wirklichkeit geworden: Er war Praktikant in der Produktion von Independence Day 2 und hat mit Roland Emmerich direkt zusammengearbeitet.

ProkrastinationDas mache ich morgen!

Wenn wir keine Lust auf bestimmte Arbeiten haben oder nicht wissen, wie wir sie anpacken sollen, schieben wir auf. Prokrastination ist aber kein Schicksal und lässt sich ändern. Der erste Schritt gegen Prokrastination ist, zu erkennen, warum wir bestimmte Dinge aufschieben.

Grünen-Chef Cem Özdemir"Der Arm Erdogans darf nicht nach Berlin reichen"

Cem Özdemir, Ko-Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen. (imago/Jürgen Heinrich)

Der Ko-Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, hat sich kritisch zur Rolle von Moschee-Verbänden wie Ditib in Deutschland geäußert. Das seien politische Organisationen, der Arm Erdogans dürfe jedoch nicht bis nach Berlin reichen, sagte Özdemir im Interview der Woche im Deutschlandfunk.

Intellektuelle zur politischen Krise in Frankreich"Bürgerkriegsähnliche Situation"

"Zu viele Künstler, nicht genug Anarchisten" - heißt es auf diesem Graffiti in Avignon. (Jürgen König)

Der Anschlag von Nizza, dazu wochenlange Streiks, Krawalle, Demonstration wegen der Wirtschafts- und Sozialreformen der Regierung in Paris: Die politische Situation in Frankreich sorgt auf dem Theaterfestival von Avignon für Krisenstimmung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag  Ein Toter und zwölf Verletzte in Ansbach | mehr

Kulturnachrichten

Bayreuth startet ohne Staatsempfang und roten Teppich  | mehr

Wissensnachrichten

Sport  Wer wird Quidditch-Weltmeister? | mehr