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Viele Hinweise, keine klaren Spuren

Boston: US-Präsident Obama spricht erstmals von Terroranschlag

US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede nach den Explosionen in Boston (picture alliance / dpa / Olivier Douliery)
US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede nach den Explosionen in Boston (picture alliance / dpa / Olivier Douliery)

Unmittelbar nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon war US-Präsident Obama noch vorsichtig, nun aber sprach er Klartext: "Jedes Mal, wenn Bomben benutzt werden, um unschuldige Zivilisten zu treffen, ist das ein Akt des Terrors." Die Hintergründe des Attentats, bei dem drei Menschen starben und 176 verletzt wurden, sind noch völlig unklar.

Der Präsident erklärte, die Ermittlungen stünden erst am Anfang. Und sie würden einige Zeit in Anspruch nehmen. "Aber wir werden das herausfinden. Wir werden herausfinden, wer unseren Bürgern Schaden zugefügt hat. Und wir werden sie zur Rechenschaft ziehen", sagte Obama in Washington. Am Donnerstag will er nach Boston reisen, um an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Attentats teilzunehmen.

Weltweit wurde mit Bestürzung auf den Anschlag von Boston reagiert. Bei der Explosion zweier Sprengsätze waren am Montagnachmittag drei Menschen getötet worden, mehr als 150 weitere wurden verletzt. Täter und Tatmotiv sind völlig unklar. Die Ermittler gehen nach eigenen Worten "einem Berg von Hinweisen" nach. Darunter sind nach Angaben des FBI auch Reste einer Nylontasche. Diese könnte dazu gedient haben, die Sprengsätze zu verdecken. Für sachdienliche Hinweise hat die Bostoner Feuerwehr eine Belohnung von 50.000 Dollar ausgesetzt. Klar ist bisher nur, dass der oder die Täter einen möglichst großen Schaden anrichten wollten. Darauf deute die Bauart der Bomben hin, berichtet unser USA-Korrespondent Marcus Pindur.

Explosionen beim Boston Marathon: Der Hintergrund ist unklar (picture alliance / dpa / Michael Cummo)Explosionen beim Boston Marathon: Der Hintergrund ist unklar. (picture alliance / dpa / Michael Cummo)Es handelte sich um den ersten tödlichen Bombenanschlag in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Ums Leben kam auch ein achtjähriger Junge, dessen Mutter und sechsjährige Schwester wurden schwer verletzt. Die Familie hatte am Zieleinlauf des Marathons auf den Vater gewartet. Insgesamt 17 Verletzte waren auch am Dienstag noch in kritischem Zustand. Ärzte am Massachusetts General Hospital fanden in den Beinen vieler Opfer "scharfe Objekte" wie etwa Nägel oder andere Metallstücke. CNN und andere Fernsehsender berichteten, dass die Bomben in zwei Dampfkochtöpfen gesteckt hätten.

Präsident Obama ordnete an, die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land bis Samstagabend auf Halbmast zu setzen. Noch geklärt werden müsse, ob der Angriff am Patriot's Day, einem Feiertag im Bundesstaat Massachusetts, auf das Konto ausländischer oder einheimischer Terroristen gehe. Ein Sprecher der Bundespolizei FBI berichtete auf einer Pressekonferenz von "sehr aktiven" Ermittlungen und betonte zugleich, dass es keine weiteren Bedrohungen gebe. Details wollte er nicht nennen.

Einheimische oder ausländische Täter?

In US-Fernsehsendern wurde inzwischen mehrfach die Vermutung geäußert, es habe sich wohl nicht um eine internationale Terrorattacke gehandelt. Der Angriff sei zwar augescheinlich gut geplant gewesen, die Sprengsätze seien aber nicht sehr ausgefeilt gewesen. Andernfalls hätte die Zahl der Opfer wohl weit höher liegen können, meinten Experten. Auch der deutsche Politikwissenschaftler und Experte für transatlantische Beziehungen, Christian Hacke, vermutet inneramerikanische Täter.

Terrorangst nach Anschlägen während Boston-Marathon (picture alliance / dpa / CJ Gunther)Angst vor Terror nach den Anschlägen während des Boston-Marathons (picture alliance / dpa / CJ Gunther)Die Sprengsätze waren um 14.50 Uhr Ortszeit binnen 12 Sekunden in der Nähe der Ziellinie detoniert, die bereits Stunden vorher von den ersten Läufern überquert worden war. "Ich hörte zwei sehr laute Explosionen", berichtete ein Augenzeuge. "Boston Globe"-Fotograf John Tlumacki sagte dem Sender CNN: "Ich sah abgerissene Beine, abgerissene Füße, Menschen auf Menschen getürmt." Die deutsche Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt war zum Zeitpunkt der Explosion bereits 200 Meter entfernt vom Tatort im Hotel unter der Dusche. Noch am Abend schilderte die deutsche Sportlerin im Deutschlandfunk die Geschehnisse: "Unfassbar. Ich bin total geschockt."

Läufe in London und Hamburg sollen stattfinden

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen und forderte eine aktive Koordination des weltweiten Anti-Terror-Kampfs. Auch aus Berlin kamen bestürzte Reaktionen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte die Hoffnung, dass die Schuldigen bald zur Rechenschaft gezogen würden. An der Wall Street gab es kurz vor Öffnung der Märkte am Dienstagmorgen eine Schweigeminute.

Die Organisatoren von Großveranstaltungen wie den Marathons in London und Berlin, der Leichtathletik-WM in Moskau oder den Olympischen Spielen 2016 in Rio kündigten eine Überprüfung ihrer Sicherheitskonzepte an. Sowohl in London als auch in Hamburg sind für kommenden Sonntag Marathonläufe angesetzt, die wie geplant stattfinden sollen.

Erhielt vergiftete Post: US-Senator Roger Wicker (picture alliance / dpa /Landov MCT 4354161)Erhielt vergiftete Post: US-Senator Roger Wicker (picture alliance / dpa /Landov MCT 4354161)

Tödliches Gift an US-Senator verschickt

Unterdessen wurde bekannt, dass ein Unbekannter einen Brief mit dem tödlichen Gift Rizin an den republikanischen US-Senator Roger Wicker geschickt hat. Der Brief sei am Dienstag bei Routinekontrollen entdeckt worden, erklärte ein Mitarbeiter von Harry Reid, dem Vorsitzenden der Demokraten im Senat, in Washington. Ob es einen Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von Boston gibt, ist noch unklar.

Die Senatorin Claire McCaskill sagte, es gebe inzwischen einen Verdächtigen. Es handle sich um eine Person, die immer wieder an Abgeordnete schreibe. Ob es bereits eine Festnahme gab, sagte sie nicht. Das FBI nahm die Ermittlungen auf. Die Postsendung erreichte Wicker nicht persönlich. Sie gelangte auch nicht ins Kapitol, da sich die Poststelle in einem Vorort von Washington befindet.

Ex-US-Botschafter Kornblum rechnet mit besonnenen Redaktionen

John Christian Kornblum, Deutschland-Chef der Investment Bank Lazard und Ex-Botschafter der USA (Deutschlandradio - Bettina Straub)John Christian Kornblum, und Ex-Botschafter der USA in Deutschland (Deutschlandradio - Bettina Straub)Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte der ehemalige US-Botschafter in Deutschland John Kornblum, er rechne mit "gedämpfter Stimmung" in der US-Gesellschaft, "ohne große Emotionen". Kornblum sprach von Dankbarkeit, dass "wir seit zehn Jahren keinen Anschlag hatten. Maßnahmen, die in Flugzeugen etwas ärgerlich sind, haben uns Sicherheit gebracht".

An Spekulationen, wer hinter den Anschlägen von Boston und dem Brief mit Gift stecken mögen, wolle er sich nicht beteiligen. Ein Zusammenhang zwischen beidem sei aber möglich: "Der Brief müsste eigentlich vor dem Ereignis geschickt worden sein, damit er gestern ankommt". Er rechne damit, dass bei der polizeilichen Aufklärung "viel herauskomme".

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Amerikaner wieder in Terrorangst - Drei Tote bei Anschlägen während Boston-Marathon



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Amerikaner wieder in Terrorangst

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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