Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Vom Fluglärmkirchentag zur Großdemo

Proteste gegen neue Landebahn des Frankfurter Flughafens

Von Ludger Fittkau

Blick auf den Flughafen Frankfurt (AP)
Blick auf den Flughafen Frankfurt (AP)

Am Freitag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel als Erste auf der neuen Nordlandebahn des Rhein-Main-Flughafens aufsetzen und sie damit einweihen. Diese vierte Piste des Frankfurter Flughafens ist jedoch umstritten, weil sich nicht nur die Zahl der Flugbewegungen in der Region um 50 Prozent erhöhen wird, sondern auch der Fluglärm.

"So ist es immer, ja und zwar wirklich zwei, dreimal pro Minute. Nicht etwa pro Stunde oder so. Das geht im Sommer 'Brumm, Brumm'. Manchmal steht man da und kann zeitweise die Hoheitszeichen von den Dingern ansehen, von hier guckt man hoch: Lufthansa, PanAm, das kann man richtig lesen."

Christa Moseler gestern Nachmittag im Pfarrgarten der Evangelischen Kirchengemeinde Mainz-Marienborn. Die Gemeinde hatte zum ersten Fluglärmkirchentag im Rhein-Main-Gebiet eingeladen. Gundel Stoll, Mitglied des Kirchenvorstandes saß an der Kasse der Kuchentheke:

"Ich denke, Kirche sollte sich einmischen. Und ich bin froh, dass ich in so einer Gemeinde bin, die sich sehr stark einmischt, schon über Jahre. Wir waren aktiv in der Friedensbewegung. Und ich finde es ganz großartig und angemessen, das wir das jetzt auch tun mit aller Macht, gegen diesen finanzgetriebenen Kapitalismus gleichzeitig noch, der ja den Lärm mit verursacht."

Der Fluglärm-Kirchentag in Mainz war der Auftakt einer ganzen Reihe von Protestaktionen, die sich gegen die Einweihung der neuen Landebahn am Rhein-Main-Flughafen an kommenden Freitag durch Angela Merkel richten. Erstmals haben sich Bürgerinitiativen aus Rheinland-Pfalz und Hessen zum sogenannten Netzwerk Rhein-Main zusammengeschlossen. Höhepunkt der Protestaktionen im Raum Mainz wird am nächsten Samstag eine Demonstration sein, die von Mainz über die Rheinbrücke nach Wiesbaden geht. Wie in der Mainzer Fassnacht wird es große Motivwagen geben, erklärt Marita Schmitz-Heil von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Mainz-Laubenheim:

"Einer dieser Motivwagen wird sein, ein Krankenbett, was mitgeschoben wird und darin liegen dann einige Kinder und die Leute, die drum rum gehen, werden als Krankenschwerstern und Pfleger verkleidet sein. Und da geht es eben um den Patienten Rhein-Main-Gebiet und um die Kinder, die betroffen sein werden."

Auch die rheinland-pfälzische Landesregierung und alle Parteien im Mainzer Stadtrat unterstützen die Protestaktionen. Die Stadt Mainz ist überdies dazu übergegangen, den Bürgern in Neubaugebieten vorzuschreiben, nicht mehr unter dem Dach zu schlafen, um sich vor Fluglärm zu schützen. Die grüne Katrin Eder, Umweltdezernentin von Mainz bei einer Podiumsdiskussion auf dem Fluglärmkirchentag:

"Also wir greifen da jetzt als Stadt schon zu Maßnahmen, die andere Kommunen noch nicht ergreifen, aber wir haben gesagt, wir wollen die Menschen auch aufklären und auch beraten und sagen: Macht das nicht, ihr macht Euch selber krank."

50 Prozent mehr Flugbewegungen wird es auch über Mainz in den nächsten Jahren durch die neue Landebahn geben. Dass der Lufthansa-Chef Christoph Franz jetzt vorschlägt, die Einweihung der neuen Piste am Freitag zu verschieben, um das vom Hessischen Verwaltungsgerichtshofes gleichzeitig beschlossene totale Nachtflugverbot zwischen 23 Uhr und 5 morgens zu umgehen, sorgt bei den Besuchern des Fluglärmkirchentages für Kopfschütteln:

"Das ist irgendwie schizophren, wenn man jahrelang die Flugbahn fordert und dann ist die irgendwann da und wegen eines Gerichtsurteils soll das dann alles verschoben werden, das ist dann alles unglaubwürdig und schizophren."



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:50 Uhr Kulturpresseschau

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Kakadu für Frühaufsteher

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

"Pelléas und Mélisande" in BochumGrandioser Auftakt der Ruhrtriennale

Barbara Hannigan als Mélisande und Leigh Melrose als Golaud (Ben van Duin/ Ruhrtriennale 2017)

Krzysztof Warlikowsky ist mit Claude Debussys Oper "Pelléas und Mélisande" eine großartige Eröffnung der Ruhrtriennale gelungen. Er zeigt die Tragödie mit radikaler Konsequenz und spannend wie einen Psychothriller.

BundestagswahlDie fiesen Tricks der Hacker

Eine Hand bedient eine Computermaus. (AFP / Robyn Beck)

Könnte es Hackern gelingen, die Bundestagswahl am 24. September zu stören oder zu manipulieren? Das haben Security-Spezialisten untersucht und gleich sieben Unsicherheitsfaktoren gefunden: Die Nutzung öffentlicher Leitungen und menschliche Nachlässigkeit sind nur zwei davon.

Vormarsch der künstlichen ExistenzMenschen könnten die neuen Affen sein

Menschenhand in Roboterhand am 24.04.2017 auf der Industriemesse in Hannover. (imago stock&people)

Viele Experten sind sich einig: Bald sind Roboter und Computer so weit entwickelt, dass sie die menschliche Intelligenz übertrumpfen könnten. Wir Menschen wären dann im Vergleich zu der intelligenten Technologie quasi auf dem Stand von Schimpansen.

Deutscher Film "Berliner Schule" – bewundert und verachtet

Der Kinofilm "Yella"  (picture alliance/dpa/Piffl Medien)

Zum Kinostart von Valeska Griesebachs "Western" wagen wir mit Kritikerin Katja Nicodemus und Produzent Florian Körner eine Bestandsaufnahme des Labels "Berliner Schule". Was bedeuteten Filme von Christian Petzold oder Christoph Hochhäusler für das deutsche Kino und warum wurde der Begriff so angefeindet?

US-Chefberater nicht mehr im Amt"Bannon war die radikale Spitze des Eisbergs"

Das Bild zeigt Steve Bannon, den Chefstrategen von US-Präsident Trump. (AFP / Jim Watson)

Vermutlich sei der ultranationalistische Chefstratege im Weißen Haus gefeuert worden, sagte Aspen-Institutsdirektor Rüdiger Lentz im Dlf. Es gebe zwar weiter Machtkämpfe, doch er habe den Eindruck, dass Pragmatiker wie Stabschef Kelly ihre Politik mehr zur Geltung bringen könnten.

Blender, Angeber, Machtmenschen "Narzissten verführen uns, aber sie sind auch verführbar"

(foto: AP Photo / Pablo Martinez Monsivais, Cover: Europa-Verlag)

Narzissten in Führungspositionen sind potenziell gefährlich, meint die Psychologin Bärbel Wardetzki. Weil sie reizbar, kränkbar und unberechenbar sind - wie Donald Trump. Für Kanzlerin Angela Merkel hat Wardetzki ein paar Tipps, wie man mit Trump umgehen sollte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erdogan  Persönliche Attacke gegen Bundesaußenminister Gabriel | mehr

Kulturnachrichten

Bundesregierung will Auslieferung Akhanlis an Türkei verhindern  | mehr

 

| mehr