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Vom Kfz-Mechaniker zum literarischen Geheimtipp

Georg-Büchner-Preis 2009 geht an Walter Kappacher

Walter Kappacher (Lukas Beck)
Walter Kappacher (Lukas Beck)

Der österreichische Schriftsteller Walter Kappacher bekommt den diesjährigen Georg-Büchner-Preis. Kappacher habe in "einzelgängerischer Konsequenz über Jahrzehnte hinweg ein höchst beachtliches, lange viel zu wenig beachtetes Œuvre geschaffen", hieß es in der Begründung. Erst seit dem Roman <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="133696" text="&quot;Selina oder Das andere Leben&quot;" alternative_text="&quot;Selina oder Das andere Leben&quot;" /> (2005) werde er wirklich wahrgenommen.

"Seine leise, musikalische Prosa voll melancholischer Unerbittlichkeit - stets traurig, nie trostlos - klärt uns über uns selbst auf", urteilt die Jury weiter, "dieser poetische Realist unserer Tage, der bei vollkommener Gegenwärtigkeit an die große Erzähltradition anknüpft, erzeugt einen 'Sog der Stille'."

Unter den unbekannteren der beste deutschsprachige Autor, so charakterisiert Deutschlandfunk-Literaturredakteur Hubert Winkels Walter Kappacher im "Büchermarkt" im Deutschlandfunk, den er kurz nach dessen 70. Geburtstag in Wien traf. (MP3-Audio)

"Ich bin sicher nicht trauriger als der Durchschnitt der Menschen"

Die Begründung der Jury kann der 70-jährige Autor nur teilweise nachvollziehen. Er selber sei nicht trauriger als der Durchschnitt der Menschen, sagte Kappacher im Deutschlandradio Kultur. "Melancholie, die allerdings kommt immer häufiger, je älter ich werde, das stimmt. Aber woher es kommt, weiß ich eigentlich nicht, weil ich als Autor eigentlich nie nach Erfolg geschielt habe. Es kann nicht sein, dass ich darunter gelitten hätte, dass ich zu wenig bemerkt worden wäre."

Sein Schreiben entstehe immer zur Hälfte im Gehen, erläuterte Kappacher weiter. " Wenn ich tagelang nicht gegangen bin, würde ich schwerlich am Schreibtisch anfangen können, Sätze zu schreiben". Ansonsten arbeite er "ja sehr aus dem Unbewussten. Ich weiß jetzt am nächsten Tag nicht, wie das vom Vortag entstanden ist".

Kfz-Mechaniker und Reise-Kaufmann

Kappacher wurde am 24. Oktober 1938 in Salzburg geboren. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, begann 1960 ein Schauspielstudium, wechselte aber ein Jahr später erneut die Branche und ließ sich zum Reisebüro-Kaufmann ausbilden. Ab 1967 veröffentlichte er Kurzgeschichten, 1975 erschien sein erster Roman "Morgen", in dem er den tristen Alltag eines Büroangestellten schildert.

Auch in seinen weiteren Romanen und Erzählungen widmet er sich dem Durchschnittsbürger und seinem Alltag und seinen Sehnsüchten, den Zwängen zu entfliehen. Kappacher schreibt auch Fernseh- und Hörspiele. Er lebt in Obertrum bei Salzburg. Zuletzt erschienen von ihm die Romane "Selina oder Das andere Leben" (2005), "Der lange Brief" (2007, Wiederauflage von 1982), "Der Fliegenpalast" (2009) sowie der Essay "Hellseher sind oft Schwarzseher" (2007).

"Ein großes Hintergrundleuchten"

Der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert, sagte im Radiofeuilleton, mit der Preisvergabe wollte die Akademie "nachhelfen", dass Kappacher noch ein wenig bekannter werde. Er nannte Kappacher einen "leisen, stillen" Autor, "der uns gleichwohl in seinen Bann zieht, es ist geradezu eine Sogwirkung der Stille. (…) Er ist ein Autor, der sich mit niemandem vergleichen lässt im Moment".

Kappacher stelle sich zum sonstigen Literaturbetrieb quer, er fordere seine Leser:

Der österreichische Schriftsteller Walter Kappacher (Deuticke im Paul Zsolnay Verlag)Der österreichische Schriftsteller Walter Kappacher (Deuticke im Paul Zsolnay Verlag) "Man muss sich auf ihn einlassen, man muss ein ganz langsames Lesetempo entwickeln, es ist scheinbar von beiläufigen Dingen die Rede, es kommen nie große Gefühle, große Turbulenzen irgendwelcher Art bei ihm zur Sprache, aber es gibt das, was Peter Handke einmal in der Laudatio zum Herrmann-Lenz-Preis gesagt hat, es gibt ein großes Hintergrundleuchten, irgendetwas anderes ist da, wovon nicht explizit die Rede ist, es sind Oberflächenerscheinungen, die er mit ganz großer Eindringlichkeit, Genauigkeit beschreibt, aber es kommen nie die großen Worte bei ihm vor. Die Texte machen etwas mit dem Leser: Er lässt sich hineinziehen, ohne vom Autor irgendwie überrumpelt zu werden." (MP3-Audio)

Der Georg-Büchner-Preis gilt als wichtigster Literaturpreis in Deutschland und ist mit 40.000 Euro dotiert. Er wird auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 31. Oktober in Darmstadt verliehen. Im letzten Jahr erhielt ihn der Österreicher Josef Winkler.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

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