Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Vom Stripclub in den Pop-Olymp

Vor 50 Jahren: Die Beatles starten in Hamburg ihre unglaubliche Karriere

Die Beatles 1964 im Fernsehstudio (AP)
Die Beatles 1964 im Fernsehstudio (AP)

Es ist ein halbes Jahrhundert her, dass die Beatles am 17.8.1960 ihr erstes Konzert im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli gaben, damals noch in der Fünfer-Besetzung John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Pete Best.

Sie spielten im "Indra", einem Stripclub, vor Prostituierten und deren Kundschaft, nicht vor ausgemachten Musikfans. Mehr als 280 Auftritte in der Hansestadt, auch im legendären "Star-Club", sollten in den folgenden zweieinhalb Jahren dazukommen.

Wer hätte geahnt, dass an diesem Abend der unvergleichliche Siegeszug der größten Popband der Geschichte beginnt. Die Karriere der späteren Fab Four ist Legende.

Die Gegend um die "Große Freiheit" war damals ein ruppiges und zwielichtiges Viertel. Nacht für Nacht bis zu acht Stunden mussten die Beatles dort schuften. Gegen die Müdigkeit half das ein oder andere Aufputschmittel. In den Clubs floss der Alkohol. Alle möglichen und unmöglichen Tanznummern, die angesagt waren, befanden sich im Repertoire. So hat die Band Hamburg erobert und die ganze Welt.

"Die schrammeln mir zuviel"

Der ehemalige Geschäftsfüher des Star-Clubs in Hamburg, Horst Fascher, hat den denkwürdigen ersten Auftritt der Beatles im "Indra" miterlebt. An dem Abend war es für ihn eher "Geschrammel", erzählt Fascher im Deutschlandfunk, zu wenig Rock'n'Roll. Als die Beatles zwei Jahre später wieder nach Hamburg kamen und bei ihm im Star-Club spielten, sah die Sache schon anders anders aus: Damals begann allmählich die "Beatlesmania".

Glanzvoller Sieg über die Friseure

Die Wirkung der Beatles geht weit über die Musik hinaus. So harmlos waren die Jungs eben nicht, sondern vielmehr eine endlose Provokation des damals geltenden Zeitgeists. Soziologe Dieter Bott, Beatles-Fan der ersten Stunde, freut sich im Interview mit Deutschlandradio Kultur noch heute, "dass wir die Friseure besiegt haben." Er trug - inspiriert von Bert Brecht - einen Pilzkopf ohne den "elenden Scheitel" der Spießer, bevor er die Band überhaupt kannte. Besonders John Lennon markierte für ihn "Kein Krieg mehr" und "Selbstbestimmung" für Haare und Kleidung. Während zum Beispiel Elvis, der zum Militär ging, "mit seiner Tolle" die angepasste Linie gewesen sei.

Erfolgreichste Band der Popgeschichte

Die Fab Four haben in der Musikwelt neue Maßstäbe gesetzt. Jede der 28 Singles und 13 Langspielplatten erreicht eine Millionenauflage. Bis 1973 verkaufte die Band mehr als 90 Millionen Schallplatten, bis heute sind es mehr als eine Milliarde. In der ersten Woche im April 1964 belegten sie die ersten fünf Plätze der US-Charts. Lennon und McCartney sind die erfolgreichsten Komponisten der Popgeschichte und ihr "Yesterday" ist mit geschätzten 3000 Coverversionen der weltweit meist kopierte Song.

Viele wilde Geschichten werden über die Zeit in den Clubs auf St. Pauli erzählt: Von einem brennenden Kondom und dass die Jungs in ausgedienten Militärbetten schlafen mussten. Auch wenn sie in Liverpool das Licht der Welt erblickt haben: In Hamburg haben die Beatles sich musikalisch gefunden. Nur gut vier Jahre nach der Nacht im "Indra" gaben sie in San Francisco am 29. August 1966, ihr letztes Livekonzert.

Am 10. April 1970 gab Paul McCartney bekannt, dass er die Beatles verlassen würde - und läutete damit die Trennung der Band ein.

Links zum Thema bei dradio.de:

The Beatles in Hamburg
50 Jahre Beatles <br> Gäste: Der Musiker Achim Reichel und der Musikjournalist Uwe Wohlmacher
Die Geschichte der Beatles-Songs <br> Turner, Steve: "A hard day's write", Edel Rockbuch, Hamburg, 380 Seiten
Intimer Blick auf die Fab Four <br> Astrid Kirchherr und Max Scheler: "The Beatles - Wie alles begann". Collection Rolf Heyne. 176 Seiten
Yesterday <br> Geoff Emerick / Howard Massey: "Du machst die Beatles: Wie ich den Sound der Band neu erfand", Blanvalet München 2007, 570 Seiten
Von der Schönheit der Klänge <br> Roberto Cotroneo über die Leidenschaft für Musik: "Frag mich, wer die Beatles sind"
Der böse Bub der Beatles <br> Philip Norman: "John Lennon. Die Biographie". Droemer Knaur Verlag, München 2008, 1024 Seiten
Zeitreise an die Anfänge der Beatles <br> Erlebniswelt "Beatlemania" in Hamburg widmet sich der Pop-Band auf fünf Etagen
Hamburg und die wilden 60er <br> Ausstellung "The Hamburg Sound - Beatles, Beat und große Freiheit"
Vom Pilzkopf zum Happeningkünstler <br> Philip Norman: John Lennon, Droemer

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:35 Uhr Wirtschaft am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Länderreport

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Röttgen zu Trump "Der Westen kommt in seinem Denken nicht vor"

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages (CDU).  (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen erkennt in den Interview-Äußerungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump vor allem eines: Protektionismus. Darin liege eine Gefahr, sagte Röttgen im DLF. Denn ein Resultat sei außenpolitischer Rückzug. Die gegen deutsche Unternehemen ausgesprochenen Drohungen seien durchaus ernstzunehmen.

Philosoph Carlo StrengerFreiheit ist ein Abenteuer, das auch weh tut

Blick auf die Freiheitsstatue vor dunklen Wolken. (picture alliance / dpa / Klaus Nowottnick)

Der Psychologe und Philosoph Carlo Strenger wirft immer wieder einen kritischen Blick auf die westliche Welt. Seine Überzeugung: Wir sind zu satt und zu bequem. Seine Antwort: das Leben in seiner "tragischen Struktur" begreifen - und bewusst gestalten.

Wohntrend "Hygge"Die neue Gemütlichkeit

In Köln startet die Internationale Möbelmesse imm. Der Blick in die Kristallkugel der Wohntrends zeigt: Angesagt ist gerade vor allem ein ganz bestimmtes Wohnkonzept aus Dänemark: Hygge (sprich: Hühge).      

DGB im Wahljahr"Der soziale Zusammenhalt steht auf dem Spiel"

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (Imago)

DGB-Chef Reiner Hoffmann hat eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer und höhere Steuern auf große Einkommen gefordert. "Arm bleibt arm, reich wird reicher" - gegen diesen Trend müsse etwas getan werden, sagte Hoffmann im Deutschlandfunk.

Kongress europäischer RechtspopulistenIm Abwehrkampf gegen die freie Presse

Beatrix von Storch beugt zu Marcus Pretzell herüber. (dpa / EPA / Patrick Seeger)

Von einer Konferenz der europäischen Rechtspopulisten sollen nur ausgesuchte Journalisten berichten, kritischen Geistern wird der Zutritt verweigert. Das habe mit Demokratie und freier Presse nicht mehr viel zu tun, kritisiert der SWR-Journalist Georg Link.

25 Jahre Friedensschluss in El SalvadorEin Vertrag ohne Versöhnung

Flagge von El Salvador, 30.01.2007 - EPA/RPBERTO ESCOBAR (picture alliance / dpa / EPA/RPBERTO ESCOBAR)

Über zehn Jahre lang kämpfte in El Savador die linksgerichtete Guerilla-Bewegung FMLN gegen das Militär-Regime. 1992 beendete ein Friedensvertrag die Kämpfe, die Ursachen der Gewalt aber beseitigte er nicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Trump-Interview  Bundesregierung reagiert zurückhaltend | mehr

Kulturnachrichten

Andrej Holm zurückgetreten  | mehr

Wissensnachrichten

Fruchtfliegen  Alkohol ist kein Problem - nur warum? | mehr