Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Vorerst keine Finanzhilfen für Griechenland

EU-Staats- und Regierungschefs beraten in Brüssel

Bundeskanzlerin Merkel mit den Regierungschefs aus Griechenland und Frankreich, Papandreou und Sarkozy. (AP)
Bundeskanzlerin Merkel mit den Regierungschefs aus Griechenland und Frankreich, Papandreou und Sarkozy. (AP)

Entgegen aller Spekulationen stellt die Europäische Union dem hoch verschuldeten Griechenland vorerst keine Finanzhilfen zur Verfügung. Griechenland habe "keinerlei finanzielle Unterstützung" beantragt, sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy auf einem Gipfel in Brüssel. Sollte jedoch der Staatsbankrot drohen, wollen die Europäer das Land unterstützen.

"Griechenland wird nicht alleingelassen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Aber es gibt Regeln, und diese Regeln müssen auch eingehalten werden, und auf dieser Grundlage werden wir eine Erklärung verabschieden."

Nach Angaben von Herman Van Rompuy wurde Athen auf dem Gipfel aufgefordert, sein Staatsdefizit durch weitere Einsparungen in diesem Jahr um vier Prozentpunkte zu senken. Zuletzt hatte der Mittelmeer-Staat ein Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent.

Griechenlands Minsiterpräsident Georgios Papandreou führte bereits am Vormittag bilaterale Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Beide hätten mit Papandreou und dem ständigen Ratspräsidenten Van Rompuy über Details einer Finanzhilfe zur Abwendung eines Staatsbankrotts beraten, hieß es in Brüssel.

Börsen reagieren enttäuscht

Auf das Ausbleiben finanzieller Hilfen durch die EU haben die Devisen- und Aktienmärkte enttäuscht reagiert. Der Deutsche Aktienindex Dax gab am Nachmittag um 0,2 Prozent nach, der Euro rutschte auf 1,37 Dollar. Er gerät damit in die Nähe seines Acht-Monats-Tiefs vom Wochenanfang.

Investoren befürchten, dass die Haushaltsprobleme Griechenlands und anderer Euro-Staaten wie Spanien und Portugal die beginnende wirtschaftliche Erholung negativ beeinflussen könnten.

Wirtschaftsexperte plädiert für EU-Schuldenbremse

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat sich vor dem Hintergrund eines drohenden Staatsbankrotts in Griechenland für eine verfassungsmäßige Schuldenbremse auch in anderen europäischen Ländern ausgesprochen. "Eine Verfassungsregel kann man nicht wirklich einfach mal eben umgehen. Das ist auch im jeweiligen Land eine klare Orientierung", erklärte er im Deutschlandradio Kultur.

Zu den Notfallplänen äußerte er sich hingegen skeptisch: "Wenn Sie Notfallpläne haben, löst das ja auch Anreizwirkungen aus, nach dem Motto, also, wenn es denn mal ganz daneben geht, gibt es ja noch einen Notfallplan."

SPE-Fraktionschef: Griechenland braucht Zeit

Widerspruch kommt vom Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Schulz. Statt höheren Druck auf Griechenland auszuüben, müsse der Regierung in Athen mehr Zeit gegeben werden, den geltenden Stabilitätspakt der EU-Kommission umzusetzen.

"Griechenland wird nicht saniert werden, wenn die soziale Balance im Lande so infrage gestellt wird, wie das im Augenblick, durch die - nach meinem Dafürhalten - Hysterie, die da angezettelt wird, zu kommen droht", sagte Schulz im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

Nach dem Brexit-Entscheid"Ein sehr bitteres English Breakfast"

Stadtbild von London (AFP / Rob Stothard)

"Ein schlechter Tag für Europa", "historisch", "ein politisches Erdbeben" - die Entscheidung der Briten, der EU den Rücken zuzukehren, bewegt die Menschen in Europa. Erste Reaktionen.

SelbststeuerungDie Auto-Autos kommen

Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch - mit Selbststeuerung.  (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Fahrzeuge handeln immer selbstständiger - mit Folgen für Fahrer, Umwelt und Gesellschaft. Der Straßenverkehr steht vor einem Umbruch. Nun wird versucht, die kleinen und großen Unwägbarkeiten dieses Wandels vorauszuahnen.

AlltagskunstSelfies ins Museum

Mädchen sitzt in ihrem Zimmer auf dem Boden und macht Selfies (imago / Felix Jason)

Selfies sind banal? Selfies sind Kunst! Ein renommiertes New Yorker Fotografiemuseum hat das endlich erkannt. Im International Center of Photography versöhnen sich die großen Fotografen mit den Social-Media-Fotos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Treffen der EWG-Gründerstaaten  Steinmeier: Lassen uns dieses Europa nicht nehmen | mehr

Kulturnachrichten

Grimme Online Award für Deutschlandradio Kultur  | mehr

Wissensnachrichten

Forschung  Antikörper gegen Zika und Dengue gefunden | mehr