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Vorschlag des Kruzifix-Verbots stößt auf Ablehnung

Erste türkischstämmige Ministerin Deutschlands wird morgen vereidigt

Aygül Özkan  schwört  im Landtag in Hannover ihren Amtseid. (AP)
Aygül Özkan schwört im Landtag in Hannover ihren Amtseid. (AP)

Aygül Özkan (CDU) wird am Dienstag Sozialministerin von Niedersachsen. Auf ihren Vorschlag, Kruzifixe in Klassenzimmern nun doch endgültig zu verbieten, erntet die erste türkischstämmige Ministerin Deutschlands Kritik - selbst aus den eigenen Reihen.

Staatliche Schulen seien ein neutraler Ort. Deswegen sollten Kruzifixe nicht an Schulwände gehängt werden, lautet die Begründung der 38-Jährigen.

Maria Böhmer, CDU-Politikerin und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, sagte im Deutschlandfunk, dass sie "die Entscheidung von Ministerpräsident Wulff, Aygül Özkan zu berufen, als geradezu richtungsweisend ansehe, denn natürlich sollen Migranten alle Möglichkeiten in unserem Land haben."

Weiterhin kritisierte sie jedoch:

"In der Frage Kruzifixe an Schulen sage ich ganz klar, wir stehen in einer jahrhundertealten Tradition, christlichen Tradition hier in Deutschland und Kreuze in den Schulen sind Ausdruck unserer Tradition und unseres Werteverständnisses."

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister in Berlin und stellvertretender SPD-Vorsitzender, sagte im Deutschlandfunk über Özkan:

"Da wird jemand genommen, der nicht zur CDU passt und die Programmatik völlig anders ist."

Zudem äußerte Wowereit über die designierte niedersächsische Sozialministerin:

"Wenn sie annähernd ihre Positionen versucht, als Sozialministerin umzusetzen, dann ist sie im Dauerclinch mit ihrer CDU und damit wird deutlich, dass bei Fragen wie kommunales Wahlrecht beispielsweise für Menschen aus Nicht-EU-Ländern die CDU eine ganz klare ablehnende Haltung hat - bei der doppelten Staatsangehörigkeit hat die CDU eine ganz klare ablehnende Haltung."

Laschet mahnt zu Gelassenheit

"Wir sollten jetzt einmal die Tassen im Schrank lassen", sagt Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet angesichts Kritik an der designierten niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan. Er teile Frau Özkans Meinung zu Kruzifixen zwar nicht, aber das sei kein Grund, derart über sie herzufallen, betonte Laschet im Deutschlandradio Kultur.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, ist, wie auch Maria Böhmer, gegen ein Verbot von Kruzifixen in Klassenzimmern. Im Deutschlandfunk sagte Glück, das von Özkan geforderte Kruzifixverbot rufe bei der einheimischen Bevölkerung Ablehnung hervor.

Özkans Eltern waren in den 60er-Jahren aus Ankara nach Hamburg gekommen. Aygül Özkan arbeitete nach ihrem Abitur vorerst bei der Deutschen Bundespost, studierte anschließend Rechtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Europa- und Wirtschaftsrecht.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

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