Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wachstum im Euroraum erst 2014 erwartet

Wirtschaftsweise mahnen Bundesregierung zum Sparen

Trotz Finanzhilfen kaum Wachstum im Euroraum (dpa / Jens Büttner)
Trotz Finanzhilfen kaum Wachstum im Euroraum (dpa / Jens Büttner)

Trotz der Sparbemühungen in der Eurozone ist die Wirtschaftskrise noch lange nicht vorbei. Die EU-Kommission korrigiert ihre Konjunkturerwartungen deutlich nach unten. Die Arbeitslosenquote werde im kommenden Jahr einen Höchststand erreichen. Etwas besser sind die Prognosen für Deutschland. Die Wirtschaftsweisen fordern härteres Sparen.

Die Wirtschaft in der Eurozone wird sich laut Prognosen in den kommenden beiden Jahren sehr gegensätzlich entwickeln. Während ein Wachstum in Deutschland erwartet wird, trüben sich die Aussichten bei anderen Staaten weiter ein. Euroländer wie Frankreich, Spanien, Griechenland oder Zypern bekommen ihre Defizite nicht in den Griff. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, die Lage an den Finanzmärkten habe sich zwar entspannt. Aber es gebe keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit.

Die Europäische Kommission korrigierte in ihrer Herbstprognose den Wirtschaftsausblick für die 17 Euroländer deutlich nach unten. Demnach schrumpft die Konjunktur in diesem Jahr um minus 0,4 statt minus 0,3 Prozent. Im kommenden Jahr stagniert die Wirtschaft bei plus 0,1 Prozent; im Frühjahr war noch ein Prozent Wachstum prognostiziert worden. Für das Jahr 2014 aber sagt die EU-Behörde dann 1,4 Prozent Wachstum voraus. Die Arbeitslosigkeit werde im kommenden Jahr mit knapp zwölf Prozent ihren Höchststand erreichen, bevor sie dann leicht absinkt. Beim Schuldenabbau zeigt allein der Vergleich von Deutschland und Frankreich deutliche Differenzen: Berlin erreicht laut Prognose im kommenden Jahr 0,2 Prozent Defizit, Paris kommt auf 3,5 Prozent.

Deutschland ist in diesem Reigen weiterhin eine Wachstumslokomotive - diese verliert aber an Fahrt. Für das kommende Jahr erwartet die EU-Kommission in ihrem Herbstgutachten nur ein mageres Plus von 0,8 Prozent. Das ist fast ein Prozentpunkt weniger als in der Frühjahrsprognose. Ein Rückgang zu solidem Wachstum von zwei Prozent wird nun erst für 2014 prognostiziert. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, betonte am Mittwoch, die neuesten Konjunkturdaten deuteten darauf hin, "dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben".

Deutsche Wirtschaftsdaten

Deutsche Wirtschaft (dpa / Christian Charisius)Deutsche Wirtschaft wächst, aber langsamer (dpa / Christian Charisius)Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen in ihrem Jahresgutachten für das kommende Jahr mit der gleichen Wirtschaftsentwicklung wie die EU-Kommission. Damit sind sie pessimistischer als die Bundesregierung: Sie geht von 1,0 Prozent aus.

Auf den Arbeitsmarkt wird das schwache Wachstum nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen allerdings kaum negativen Einfluss nehmen. Sie erwarten in diesem Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent. Das wäre der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung. Im nächsten Jahr soll die Quote nur unwesentlich auf 6,9 Prozent steigen. Das wäre halb so viel, wie für die Eurozone erwartet wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, das Gutachten stelle zu recht fest, dass in Europa einiges vorangekommen sei, zugleich aber noch erheblicher Handlungsbedarf bestehe. Europa brauche "keine zentrale wirtschaftspolitische Steuerung". Die Kanzlerin sprach sich für "intergouvernementale Absprache" und eine Politik in eigener Hoheit der Staaten aus. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage stimme die Regierung mit den Gutachtern überein.

Wirtschaftsweise mahnen zum Sparen

Wirtschaftsweise übergeben Gutachten an Bundesregierung (dpa / Michael Kappeler)Wirtschaftsweise übergeben Gutachten an Bundesregierung (dpa / Michael Kappeler)Die Bundesregierung wird im Jahresgutachten zu stärkeren Sparanstrengungen aufgefordert. Da der Bund nicht dauerhaft auf Sonderfaktoren und eine günstige konjunkturelle Entwicklung bauen könne, sei deutlich mehr Ehrgeiz bei der Konsolidierung des Haushalts notwendig, heißt es im Bericht des Sachverständigenrates. Nach Ansicht der fünf Ökonomen gehen die von der schwarz-gelben Koalition beschlossenen Maßnahmen, wie etwa das Betreuungsgeld oder die Abschaffung der Praxisgebühr, in die falsche Richtung. In der Rentenpolitik warnen sie davor, die Rente mit 67 zurückzunehmen oder Leistungsausweitungen zu beschließen, wie sie eine Zuschussrente beinhalten würden.

Im Jahresgutachten mit dem Titel "Stabile Architektur für Europa - Handlungsbedarf im Inland" warnen die Wirtschaftsweisen auch vor dauerhaften Rettungshilfen der Europäischen Zentralbank in der Schuldenkrise. Die Aktivitäten der EZB dürften allenfalls eine Notlösung sein und auf keinen Fall zu einem dauerhaften Stabilisierungsmechanismus werden. Die Notenbank hatte im September neue, an Bedingungen geknüpfte, aber im Volumen unbegrenzte Anleihekäufe beschlossen. Kritiker werfen der EZB vor, dass sie dadurch den Druck von den Krisenländern nimmt, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen und Schulden abzubauen.

Zu den Wirtschaftsweisen zählen derzeit:
<i>Wolfgang Franz<br />Peter Bofinger<br />Christoph M. Schmidt<br />Lars Feld<br />Claudia M. Buch</i>

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Sahra Wagenknecht"Europa ist wesentlich unsozialer und brutaler geworden"

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht. (Imago / Metodi Popow)

Nach dem britischen Votum für einen Brexit hat die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht, ein sozialeres Europa angemahnt. Gerade Regionen mit einer hohen Arbeitslosigkeit hätten für den Austritt aus der EU gestimmt, sagte sie im DLF. Der Sozialstaat dürfe nicht weiter zerstört, sondern müsse wiederhergestellt werden.

Reaktionen in den USADie Beziehung zu den Briten kühlt ab

US-Präsident Obama wirbt in einer außenpolitischen Rede in Hannover für einstarkes und geeintes Europa. (AFP PHOTO/ Jim Watson)

Washington reagiert besorgt auf das Brexit-Votum. Nicht nur zu Großbritannien wird die Beziehung der USA komplizierter, sondern auch zur EU. Innenpolitisch könnte allerdings einer profitieren.

Referendum als perfekter Serien-TwistGame of Brexit

Leave! Bei Game of Thrones wäre die Brexit-Abstimmung der perfekte Cliffhanger gewesen. Und wie in der Serie verlieren die Guten viel zu oft. Unser Autor Stephan Beuting ist trotzdem gaaanz leicht optimistisch.

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Schulz fordert Austrittsantrag Großbritanniens für Dienstag | mehr

Kulturnachrichten

Homosexuelle wollen vor türkischer Botschaft protestieren  | mehr

Wissensnachrichten

Evolution  Haare, Federn und Schuppen haben ziemlich viel gemeinsam | mehr