Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Waffenruhe in Syrien scheint zu halten

Frist heute früh abgelaufen - bislang keine Berichte über Kampfhandlungen

Die syrische Hauptstadt Damaskus aus der Vogelperspektive (Muzaffar Salman/AP/dapd)
Die syrische Hauptstadt Damaskus aus der Vogelperspektive (Muzaffar Salman/AP/dapd)

Heute um 5.00 Uhr (MESZ) ist die Frist zur Einhaltung der Waffenruhe in Syrien abgelaufen. Die Einstellung der Kampfhandlungen wäre Teil des Friedensplan von Kofi Annan - doch an der Glaubwürdigkeit des syrischen Präsidenten Assad bestehen international starke Zweifel.

"Bisher haben wir keine Berichte über irgendwelche Vorfälle aus Syrien erhalten", sagte der Leiter der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, kurz nach Ablauf der Frist der Nachrichtenagentur dpa. Aber man könne noch nicht abschätzen, wie sich die Lage weiter entwickle.

Für den von der Regierung in Damaskus behaupteten Abzug schwerer Waffen aus den Städten und einigen Regionen gibt es bislang allerdings keine Belege. Darauf wies im Deutschlandfunk der CDU-Politiker und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament, Elmar Brok, hin. Wenn die Lösung des Konflikts darin bestünde, Assad den Gang ins Exil anzubieten, dann sollte man das unter großen Schmerzen in Kauf nehmen.

Nach Angaben der Aufständischen griffen syrische Truppen am Mittwoch ungeachtet der Zustimmung der Regierung in Damaskus zu Annans Friedensplan weiterhin gegen Rebellen und Oppositionsgruppen an. Dabei soll die Armee auch schwere Waffen eingesetzt haben. Diese Behauptungen lassen sich allerdings nicht unabhängig belegen. Nach Annans Einschätzung zog sich die syrische Armee zwar aus einigen Städten zurück, setzte aber an anderen Orten ihre Einsätze fort.

Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad hatte am Mittwoch angekündigt, alle Kampfhandlungen fristgerecht einstellen zu wollen. Allerdings hatte sich das Regime das Recht vorbehalten, auf mögliche Angriffe der Aufständischen "angemessen zu reagieren". Auch die oppositionelle Freie Syrische Armee wollte sich an die Waffenruhe halten. Seine vor allem aus Deserteuren bestehende Truppe fühle sich der Initiative Annans verpflichtet, sagte Oberst Riad al-Asaad dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Obama und Merkel sehen Zustimmung skeptisch

US-Präsident Obama und Bundeskanzlerin Merkel sprachen sich für ein entschiedeneres Vorgehen des UN-Sicherheitsrates aus. Das Weiße Haus in Washington teilte mit, die beiden Politiker hätten sich in einem Telefongespräch besorgt darüber gezeigt, dass sich Assad bisher nicht an den Plan Annans zur Beilegung der Gewalt halte. Das Regime in Damaskus gehe weiterhin mit inakzeptabler Brutalität gegen das eigene Volk vor. Der französische Außenminister Alain Juppé plädierte für eine Beobachtermission der Vereinten Nationen, die den zugesagten Waffenstillstand überwachen sollte. Auf dem G-8-Außenministertreffen in Washington kündigte der britische Ressortchef William Hague eine stärkere Unterstützung der syrischen Opposition an, sollte die Führung in Damaskus die Waffenruhe nicht einhalten.

Angesichts des Friedensplans schwanken die Menschen in Syrien zwischen Verzweiflung und "großer Hoffnung", sagt Elias Perabo von der Initiative "Adopt a Revolution" im Deutschlandradio Kultur. Auch nach einem Ultimatum der Arabischen Liga habe das Regime zunächst Zugeständnisse gemacht, das Blutvergießen aber dennoch nicht gestoppt.

Der Plan Kofi Annans

Der Sonderbeauftragte der UNO und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan, trifft in Damaskus ein (picture alliance / dpa / str)Der Sonderbeauftragte der UNO und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan (picture alliance / dpa / str)Syriens Präsident Baschar al-Assad versucht seit 13 Monaten, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Er hatte schließlich einem Friedensplan des internationalen Sondergesandten Kofi Annan zugestimmt, der unter anderem auch humanitäre Hilfen für die Bevölkerung vorsieht und ein Klima für einen politischen Dialog schaffen soll. Kofi Annan werde allerdings nicht ausreichend von denjenigen unterstützt, die ihn eingesetzt hatten, betonte der Nahost-Korrespondent Ulrich Leidholdt im Deutschlandradio Kultur.

Kofi Annan hatte ihn als gemeinsamer Gesandter von UNO und Arabischer Liga ausgehandelt und ihn vor rund fünf Wochen in Damaskus vorgelegt. Der Sechs-Punkte-Plan sieht folgende Schritte vor:

* Das syrische Regime beendet die Kämpfe und verzichtet auf den Einsatz schwerer Waffen in bevölkerten Gebieten

* Die Regierung arbeitet mit Annan zusammen, um unter Aufsicht der Vereinten Nationen jegliche Gewalt im Land zu beenden und auf die legitimen Anliegen des syrischen Volks einzugehen

* In einer täglich zweistündigen "humanitäre Pause" sollen Hilfsmittel in die betroffenen Gebiete gebracht und Verletzte evakuiert werden

* Die syrische Regierung soll schneller und mehr willkürlich festgenommene Personen freilassen und Informationen über die Orte veröffentlichen, an denen sie festgehalten werden

* Journalisten sollen sich im ganzen Land frei bewegen können

* die syrische Regierung respektiert "die Vereinigungsfreiheit und das Recht, friedlich zu demonstrieren"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:30 Uhr Tag für Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Räumung des Idomeni-CampsEin Zeichen der Ohnmacht

Zwei griechische Polizisten stehen bei der Räumung des des Flüchtlingslagers in Idomeni am 24.05.2016 vor Zelten, vor denen ein Flüchtlingsjunge kauert. (picture alliance / dpa / Yannis Kolesidis)

Zelte, die im Schlamm untergehen: Diese Bilder sind nach der Räumung der Flüchtlingszeltstadt im griechischen Idomeni passé. Doch das ist ein Rückschritt, meint Panajotis Gavrilis − und der große Skandal liege ohnehin woanders.

Ein Konto für jedermannAlle Banken sind jetzt in der Pflicht

Ein Bankkunde hebt in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. (dpa-Bildfunk / Angelika Warmuth)

Jeder in Deutschland lebende Mensch kann künftig bei einer Publikumsbank ein Konto eröffnen. Das entsprechende Gesetz tritt im Juni in Kraft. Damit sind nahezu alle Banken in der Pflicht, solche Basiskonten auch für Erwerbs- oder Wohnungslose anzubieten. Und solange das Konto im Plus bleibt, kann der Inhaber frei darüber verfügen.

Widerstand gegen WindkraftDie Energiewende als Soziallabor

Eine alte Windmühle steht zwischen Wohnhäusern in Kiel, im Hintergrund ein modernes Windrad.  (picture alliance / Hinrich Bäsemann)

In den vergangenen 25 Jahren sind in Deutschland 25.000 Windräder entstanden. Obwohl die Mehrheit der Deutschen die Erneuerbaren befürwortet, wächst der Widerstand gegen die Windkraft. Was bedeutet das für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes?

ÖsterreichVan der Bellen will weder Oberlehrer noch Zuchtmeister sein

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (r.) und der künftige Bundespräsident Alexander Van der Bellen (l) sitzen das erste Mal zusammen. (picture-alliance / dpa/epa/Christian Bruna)

Der neue österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen möchte seine Persönlichkeit und Erfahrung in das neue Amt einbringen. In der Wiener Hofburg, seinem künftigen Amtssitz, traf er heute schon mal auf Amtsinhaber Heinz Fischer.

Aggressionen gegen Flüchtlingshelfer"Damit die richtig schön Angst kriegen"

Ehrenamtliche, die Geflüchteten helfen, werden immer häufiger bedroht.  (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Drohbriefe, eingeschlagene Fensterscheiben, Beleidigungen und Verleumdungen in sozialen Netzwerken, sogar Brandanschläge auf Autos - das alles müssen Ehrenamtliche ertragen, die Flüchtlingen helfen.

Gesichtserkennungs-App "FindFace"Das Ende der Anonymität

Ein Mann hält sich die Augen zu (imago/blickwinkel)

Meine Freunde, mein Beruf, meine Hobbys: Eine Software erkennt Gesichter auf Fotos und liefert in kürzester Zeit Informationen aus sozialen Netzwerken. In Russland ist das schon Realität. Auch die Polizei und Geheimdienste sind an der Gesichtserkennung in Echtzeit interessiert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kabinett  Integrationsgesetz soll heute beschlossen werden | mehr

Kulturnachrichten

Künstler aus Sachsen bekommen Marion-Ermer-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Roboter-Wachmann  Robocop läuft in US-Einkaufszentrum Streife | mehr