Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wahlkampf à la Sarkozy

Frankreichs Präsident will weniger Einwanderer

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf (picture alliance / dpa / David Thierry)

Im Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich sieht es immer schlechter aus für Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Mit populistischen Tönen versucht er, das Ruder noch rumzureißen. In einer Fernsehdebatte sagte der Franzose mit Migrationshintergrund nun, es gebe "zu viele Ausländer" im Land.

Im Falle seiner Wiederwahl will Sarkozy die Aufnahme von Einwanderern in Frankreich begrenzen. Die Zahl der Immigranten solle von derzeit jährlich 180.000 auf rund 100.000 nahezu halbiert werden, sagte Sarkozy dem Sender France 2. "Unser Einwanderungssystem funktioniert immer schlechter, denn wir haben zu viele Ausländer auf unserem Territorium." Die Aussage verdutzt Beobachter und Gegner, ist Sarkozy doch Sohn eines Ungarn und mit der gebürtigen Italienerin Carla Bruni verheiratet.

Es sei nicht länger möglich, für alle Immigranten Unterkünfte, Arbeit und Schulen bereitzustellen, polterte Sarkozy vor laufender Kamera. Bestimmte Sozialleistungen sollten Einwanderer künftig nur dann erhalten, wenn sie mindestens zehn Jahre in Frankreich gelebt und fünf Jahre dort gearbeitet hätten. "Ich will, dass Frankreich ein offenes Land bleibt, weil das die Tradition Frankreichs ist (...), aber ich will keine Einwanderung, die auf dem alleinigen Verlangen nach sozialem Mindesteinkommen basieren sollte."

Sarkozy in der Bredouille

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nicolas Sarkozy verteigen ihren Eurokurs live im deutsch-französischen DoppelinterviewSarkozy an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel (picture alliance / dpa /)Die Popularität des Regierungschefs ging bis zu der Fernsehdebatte immer weiter zurück. Selbst die Forderung nach einer Transaktionssteuer hat ihm nicht geholfen. Wirtschaftsexperten haben seine Forderung zerpflückt, nachdem er mitansehen musste, wie Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der Nation herabstuften. Die Sendung Europa heute im Deutschlandfunk berichtet über eine Ratingagentur der anderen Art in Frankreich:
Young & Poor bewertet die französischen Präsidentschaftskandidaten (mp3-Audio).

Sarkozys Konkurrent, François Hollande, hat einer CSA-Umfrage zufolge seinen Vorsprung leicht ausgebaut. Im ersten Wahlgang am 22. April könne Hollande mit 30 Prozent der Stimmen im Vergleich zur letzten Erhebung zwei Punkte hinzugewinnen. Der konservative Präsident käme auf 28 Prozent, ein Punkt mehr als bisher. In der Stichwahl am 6. Mai würden auf Hollande 54 Prozent entfallen, auf Sarkozy 46 Prozent. Nur jeder dritte Franzose gehe von einer Wiederwahl Sarkozys aus.

Sarkozy blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Die Agenda des Regierungschefs für die nächste Legislaturperiode ist bestückt mit ähnlich markanten Themen, die beim Volk gut ankommen. Unmittelbar nach seiner Wahl wolle er zunächst Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffen, betonte Sarkozy im Interview. Wenige Tage später stünde ein Besuch in Israel an, um 2012 zum Jahr des Friedens in der Region zu machen. Der Konflikt dort dauere schon viel zu lange. Um das Haushaltsdefizit weiter zu reduzieren, solle außerdem eine Abgabe für die größten Konzerne des Landes eingeführt werden.

Eine "unbedachte" Äußerung

Die Medien äußern sich skeptisch zur Sarkozys Wiederwahl. "Sein Redetalent brauchte er nicht mehr unter Beweis zu stellen", schreibt die elsässische Zeitung "L' Alsace". Durch eine unbedachte Äußerung könne Sarkozy womöglich die entscheidenden Stimmen fehlen. "'Die einzige Wahrheit ist nicht, was man sagt, sondern was man tut.' Dieser Satz war natürlich an seine Herausforderer gerichtet. Sarkozys Problem ist aber, dass er selbst es ist, der seit fünf Jahren am Ruder steht."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:35 Uhr Umwelt und Verbraucher

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:35 Uhr Jazz

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Ebola"Wir haben nichts zu befürchten"

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Montgomery, glaubt nicht an einen Ausbruch von Ebola in Europa. Zwar gebe es keine hundertprozentige Sicherheit vor einer Infektion, sagte er im DLF. Deutschland sei jedoch im Gesundheitssystem sehr gut aufgestellt und "maximal vorbereitet".

Ebola-Epidemie"Ich bin kein großes Risiko"

Ein Transparent in Sierra Leone warnt die Menschen vor dem Ebola-Virus.

Manfred Rink lebt und arbeitet in Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones - und einem der "Hotspots von Ebola", wie er selbst sagt. Im DLF beschreibt der Entwicklungshelfer seinen Alltag zwischen Sorge und dem Versuch, zu helfen. Und seine Gedanken vor dem bevorstehenden Urlaub in Deutschland.

KonflikteGenug mit der Friedensliebe!

Türkische Soldaten in Kobane

Nie wieder Krieg: Deutschland ist post-heroisch, hält sich so weit wie möglich aus Konflikten heraus und lässt lieber andere die Kastanien aus dem Feuer holen, meint der Unternehmensethiker Erik von Grawert-May. Dabei gibt es gute Gründe für etwas mehr Heroismus.

Konjunkturaussichten"Die Investitionen sind zu niedrig"

Ein Straßenbauer in orange-farbener Arbeitskleidung bringt eine neue Asphaltdecke auf einer Straße in Freiburg auf.

Der Ökonom Aloys Prinz nimmt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegen Kritik in Schutz. Die Finanzen Europas müssten in Ordnung gebracht werden, sagte Prinz im DLF - sieht aber auch für Deutschland Handlungsbedarf.

Sinkendes Wachstum"Die schwarze Null ist reine Ideologie"

Porsche Mitarbeiter montieren am 04.09.2014 mehrere Panamera in der Produktion der Porsche AG in Leipzig (Sachsen).

Was tun gegen eine Wirtschaftsflaute in Deutschland? Weiter eisern sparen, wie es Finanzminister Schäuble will? Oder die Ökonomie mit öffentlichen Investitionen stimulieren? Letzteres empfiehlt der ehemalige Banker Rainer Voss.

Billiges BaugeldKühl rechnen trotz Niedrigzinsen

Ein Haus steht auf Geldscheinen. Symbolbild für Haus und seine Kosten 

Die Leitzinsen im Euroraum sind so niedrig wie nie zuvor. Auch Bauen oder Wohneigentum ist günstig. Der Erwerb einer Immobilie steht hoch im Kurs. Allerdings sollte man sich nicht durch die günstigen Zinsen blenden lassen. 

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Amnesty:  Keine Hinweise auf Massengräber in der Ostukraine | mehr

Kulturnachrichten

Günter Jauch veröffentlicht  letzten Brief von Udo Reiter | mehr

Wissensnachrichten

Familie  Klassisches Modell mit Ehe und Kindern nimmt ab - mehr Alleinerziehende | mehr