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Warnschuss für Frankreich

Ratingagentur Moody's entzieht Euro-Rettungsschirmen die Bestnote

Moody's entzieht den Euro-Rettungsschirmen die Spitzennote. (picture alliance / dpa - Matthieu De Martignac)
Moody's entzieht den Euro-Rettungsschirmen die Spitzennote. (picture alliance / dpa - Matthieu De Martignac)

Die US-Ratingagentur Moody's hat dem Euro-Rettungsschirm ESM die Bestnote für seine Kreditwürdigkeit entzogen. Sie wertete ihn um eine Stufe ab. Als Begründung nannte sie vor allem die Wirtschaftsprobleme Frankreichs, das einer der wichtigsten Geldgeber für die Euro-Rettung ist.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht: Anfang vergangener Woche hatte Moody's bereits Frankreich die Bestnote für seine Kreditwürdigkeit entzogen. Sie senkte die Note um eine Stufe von Aaa auf Aa1 und begründete das unter anderem mit der mangelnden französischen Wettbewerbsfähigkeit. Es gebe ein Risiko für Frankreichs Wirtschaftswachstum und "zahlreiche Strukturdefizite" wie einen "rigiden Arbeitsmarkt", erklärte Moody's.

Die schlechtere Note für Frankreich berücksichtigte Moody's jetzt auch für dessen Rolle bei der Euro-Rettung. "Frankreich ist der zweitgrößte Unterstützer der beiden Finanzinstrumente", schrieb sie in einer Mitteilung und bezog sich neben dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM auch auf den vorübergehenden EFSF, den sie ebenfalls um eine Stufe abwertete – von Aaa auf Aa1. Denn: Die Kreditwürdigkeit der beiden Rettungsschirme hänge nun einmal von der Kreditwürdigkeit seiner wichtigsten Unterstützer ab. Moody's findet, es sei nicht mehr vollends sicher, dass Frankreich seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem ESM einhalten wird. Der Anteil Frankreichs daran beträgt 20,4 Prozent. Wichtigstes Land ist Deutschland mit 27,1 Prozent, es führt weiter die Bestnote Aaa.

Auch Ausblick von Moody's ist negativ

Die neue Einstufung bezieht sich allerdings nur auf den langfristigen Ausblick, das Kurzzeit-Rating behält den Spitzenplatz. Bei der Ratingagentur Fitch hat der ESM sowohl in der kurz- als auch in der langfristigen Bewertung Top-Bonität. Moody's sieht das anders: Die Agentur bewertete auch den Ausblick für den Rettungsschirm negativ – das bedeutet, dass sie die Note mittelfristig weiter absenken könnte. Von der Bewertung durch die Ratingagenturen hängt oft ab, zu welchen Zinssätzen und Bedingungen sich Staaten oder Institutionen an den internationalen Finanzmärkten Geld leihen können.

Kritik an Moody's Entscheidung

Künftiger ESM-Chef Klaus Regling (picture alliance / dpa / Julien Warnand)Der Chef des Euro-Rettungsschirm ESM, Klaus Regling. (picture alliance / dpa / Julien Warnand)Der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung von Moody's, wie Martin Ganslmeier im Deutschlandradio Kultur berichtet. Regling sagte in Brüssel: "Wir sind mit der Herangehensweise der Ratingagentur nicht einverstanden." Unter anderem habe Moody's die besondere Stabilität des ESM, die von den einzelnen Staaten eingegangenen politischen Verpflichtungen und die Kapitalstruktur nicht ausreichend berücksichtigt. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker verwies darauf, dass Moody's Konkurrent Fitch dem Rettungsschirm weiter das Spitzenrating Aaa gebe.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, der sich unionsintern immer wieder gegen den Rettungsschirm ausgesprochen hatte, wollte die Entscheidung im Deutschlandfunk "weder dramatisieren noch bagatellisieren". Er sieht darin in erster Linie einen "Hinweis an Frankreich, in den Reformanstrengungen nicht nachzulassen und alles zu tun, um das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen". Bosbach sagte, die Herabstufung sei aufgrund der Entwicklung in Frankreich "zu erwarten oder zu befürchten" gewesen.

Auch der Finanzexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Heribert Dieter, nannte die Herabstufung einen Warnschuss, nicht nur für die Euro-Zone, sondern besonders für Frankreich: "Es ist nicht mehr, es ist nicht weniger", sagte er im Deutschlandfunk. Der ESM sei immer noch auf hohem Niveau, aber Frankreich sollte zur Kenntnis nehmen, dass die Finanzmärkte nervös werden und Reformen von der Regierung von Präsident François Hollande erwarten. Die hat bisher wenig bewegt, berichtet Evi Seibert aus Paris.

Der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM ist der Nachfolger des zeitlich begrenzten Rettungsschirms EFSF. Er soll Euro-Ländern mit Finanzierungsschwierigkeiten Notkredite geben und kann dafür bis zu 500 Milliarden Euro ausgeben. Die Kapitalbasis beträgt sogar 700 Milliarden Euro.

Mehr auf dradio.de:

Reaktionen auf die Herabstufung der Euro-Rettungsschirme durch Moody's - Bericht von Martin Ganslmeier im Deutschlandradio Kultur
Die Macht der Ratingagenturen - DLF-Hauptstadt-Korrespondent Gerhard Schröder schätzt die Entscheidung von Moody's ein
"Europa steht unter Beobachtung" - Ökonom Heribert Dieter sieht ESM-Herabstufung als "Warnschuss" an
Frankreichs Präsident Hollande hat in seiner bisherigen Amtszeit wenig bewegt - Bericht von Frankreich-Korrespondentin Evi Seibert aus Paris
Frankreichs Bonität herabgestuft - Ratingagentur Moody's senkt Kreditwürdigkeit

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

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