Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Warten auf die Elbe-Flut

Im Osten und Bayern drohen Dammbrüche

In einigen Regionen, wie hier in Passau, zieht sich das Wasser zurück - in anderen wartet man noch auf die Flut. (picture alliance / dpa / Armin Weigel)
In einigen Regionen, wie hier in Passau, zieht sich das Wasser zurück - in anderen wartet man noch auf die Flut. (picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Niederbayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt sind am stärksten vom Hochwasser betroffen. Viele Orte stehen unter Wasser. An der Schwarzen Elster gab es einen weiteren Dammbruch. In Brandenburg und in Niedersachsen versucht man sich unterdessen so gut wie möglich auf die Elbe-Flut vorzubereiten.

In den Hochwassergebieten im Osten und Süden Deutschlands ist die Lage weiterhin kritisch. Anspannung herrscht insbesondere in Halle an der Saale, wo nach Angaben der Landesregierung von Sachsen-Anhalt weiterhin ein Damm mitten im Stadtgebiet nachzugeben droht. Sollte die Barriere brechen, würde der Stadtteil Halle-Neustadt überschwemmt werden. Schon am Mittwoch hatten die Behörden deshalb 30.000 Bewohnern der Siedlung dringend empfohlen, sich freiwillig aus den bedrohten Gebieten zu entfernen. Für 1000 Menschen in einer akut gefährdeten Zone wurde die Evakuierung angeordnet. Der Pegel der Saale geht inzwischen allerdings zurück.

An der Schwarzen Elster gab es bereits einen weiteren Dammbruch; dort strömt Wasser in Richtung der Stadt Jessen.

Merkel besucht Hochwassergebiet

Kanzlerin Angela Merkel sprach vor Orte mit den Helfern (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)Kanzlerin Angela Merkel sprach vor Ort mit den Helfern (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)Ebenfalls kritisch blieb die Situation in Bitterfeld, wo ein See in einen anderen durchzubrechen drohte. Das würde eine Flut in Teilen der Stadt auslösen. Die Bundeswehr sprengte am Mittwochabend einen zusätzlichen Abfluss für die Wassermassen frei. Das brachte nach Angaben des Kreises Anhalt-Bitterfeld aber noch nicht die erhoffte Entlastung. Auch an vielen anderen Stellen in Sachen-Anhalt sind nach Informationen unseres Korrespondenten Jochen Müller die Probleme groß. Bei einem Besuch im Hochwassergebiet bei Bitterfeld sicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den betroffenen Regionen erneut die Hilfe der Bundesregierung zu. "Es wird alles Menschenmögliche getan", sagte sie bei ihrer zweiten Reise in die östlichen Hochwassergebiete. Auch Bundespräsident Joachim Gauck will sich ein aktuelles Bild der Lage machen und an diesem Sonntag die Hochwassergebiete in Sachsen-Anhalt besuchen.

In Dresden bereitet sich die Feuerwehr auf den Höhepunkt der Flut vor. (picture alliance / dpa / MIchael Kappeler)Feuerwehrmann in Dresden (picture alliance / dpa / MIchael Kappeler)Im stark hochwassergefährdeten Dresden erreichte die anschwellende Elbe am Donnerstag ihren Scheitelpunkt. Dieser lag nach Angaben der Hochwasserzentrale bei 8,75 Metern und damit unter dem Rekordwert beim sogenannten Jahrhunderthochwasser von 2002, als die Elbe auf rund 9,40 Meter angestiegen war. Wegen der steigenden Wassermassen mussten in einem Stadtteil mehrere Straßenzüge evakuiert werden. In Leipzig und Magdeburg wurden Dämme verstärkt, denn die Lage ist auch dort angespannt - wie auch in anderen Orten, etwa Kötzschenbroda.

Warten auf die Flut

In den weiter nördlich gelegenen Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein rüsteten sich die Elbe-Anrainer für das auf sie zurollende Hochwasser. Dort wird am Wochenende der Höhepunkt der Flutwelle erwartet. In Niedersachsen verstärken Tausende Helfer bereits seit Tagen die Deiche. In Schleswig-Holstein, wo der kleine Ort Lauenburg bedroht ist, befürchtet das Umweltministerium "noch nie da gewesene Wasserstände". In Lauenburg und Umgebung sind 4000 Helfer im Einsatz, mehrere Hochleistungspumpen wurden entsandt.

Im Süden Deutschlands gehen die Pegel langsam zurück. In der so stark wie nie zuvor in ihrer Geschichte überschwemmten Dreiflüssestadt Passau fielen sie um drei Meter. In Niederbayern sind mehrere Ortschaften allerdings weiterhin von der Donau überschwemmt - unter anderem Deggendorf.

Schäuble stellt weitere Hilfen in Aussicht

Das Hochwasser beschäftigte am Donnerstag auch den Bundestag in Berlin. Bei einer Debatte zur Lage der Kommunen wurde nach einer Übereinkunft aller Fraktionen auch über die Folgen und Konsequenzen der Überschwemmungen gesprochen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stellte dabei den Opfern der Hochwasser-Katastrophe zusätzliche Hilfsgelder in Aussicht. Über die zugesagten 100 Millionen Euro Soforthilfe des Bundes werde alles getan, um solidarisch bei langfristigen Schäden zu helfen, sagte der CDU-Politiker. Es werde rasch, wirkungsvoll und unbürokratisch gehandelt.

Auch im Bundestag wurden die Soforthilfen für die betroffenen Bürger angesprochen. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte: "Wir lassen die betroffenen Menschen nicht allein."

Die SPD forderte für die Opfer der Überschwemmungen ein Milliarden-Hilfspaket. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sagte im Bundestag, er halte einen Fonds wie bei der Jahrhundertflut 2002 für erforderlich.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte bereits angekündigt, mögliche Versäumnisse beim Hochwasserschutz zu prüfen. Er sagte, sobald sich die Lage entspanne, werde es eine umfassende Fehler- und Schwachstellenanalyse geben. Zuvor hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bereits Mängel eingeräumt.

Häufige Hochwasser durch Klimawandel?

Die Häufung von Hochwasser in ost- und süddeutschen Flüssen lässt sich nach Einschätzung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) mit dem Klimawandel erklären. Das PIK hat eine Analyse von Wetter- und Landschaftsdaten angefertigt. Danach soll die Erderwärmung mehr zur Zunahme von starken Hochwassern beitragen als etwa die Landnutzung an den Ufern oder die Begradigung oder Vertiefung der Flüsse. Das sagte der Hochwasserexperte des Instituts, Fred Hattermann, der "Frankfurter Rundschau". Selbst wenn die Bodennutzung und die Flussläufe sich seit den 50er-Jahren gar nicht verändert hätten, wäre es zu den großen Überschwemmungen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt gekommen.

Unter Hashtag #hochwasser finden Twitter-Leser aktuelle Informationen, Fotos und Videos aus den betroffenen Regionen:




Mehr zum Thema auf dradio.de

Ausharren in Altkötzschenbroda
"Sandsäcke schleppen statt Bücher lesen" - Hochschulen bitten ihre Studierenden um Hilfe im Kampf gegen das Hochwasser
"Das war eher eine Selbstverständlichkeit" - Publizist Michael Spreng sieht in Hochwasser eine Win-win-Situation für Bundeskanzlerin Merkel
"Das System hat nicht versagt" - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kündigt weitere Investionen im Hochwasserschutz an
Der Hochwasserschutz "geht in die falsche Richtung" - Umweltschützer Sebastian Schönauer fordert ökologische Maßnahmen
Schifffahrtsstopp und Ernteausfall - Das Hochwasser und die wirtschaftlichen Schäden
Katastrophenhelfer: Es handelt sich um ein Jahrhunderthochwasser - Vizepräsident des Technischen Hilfswerks zieht positive Bilanz bei den Hilfsmaßnahmen
Sonntagsreden nach Hochwasserfluten - Hochwasserschutz in Deutschland
Deutschland vor der Wahl: Schröder-Tour 2002 - Wahlkampf zwischen Hochwasser und Irak


Weitere Informationen zum Thema:

Länderübergreifendes Hochwasserportal" - Eine gemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer
Hochwassernachrichtendienst

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Vinyl-Box: "The Beatles: The Christmas Records"Weihnachtsgrüße der Beatles

Die Beatles 1967 (imago/ZUMA/Keystone)

Von 1963 bis 1969 verschickten die Beatles an die Mitglieder ihres Fanclubs Weihnachtsbotschaften, die die Bandgeschichte erzählen: vier junge Musiker starten voller Elan, haben überraschend Erfolg und werden sich schließlich fremd.

Radikalisierung in DeutschlandWenn aus Nazis Islamisten werden

Der Angeklagte Sascha L. kommt am 20.09.2017 in Handschellen zum Prozessauftakt in die Staatsschutzkammer des Landgerichts Braunschweig (Niedersachsen). Dem Hauptangeklagten wird die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat sowie der unerlaubte Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vorgeworfen. Die drei weiteren Angeklagten sind wegen Beihilfe angeklagt. (Angeklagte auf Anweisung des Gerichts unkenntlich gemacht)  (dpa / Swen Pförtner)

Im Hass vereint: Die Radikalisierung von Islamisten und Rechtsextremen scheint ähnlichen Mustern zu folgen. Ein Fall in Braunschweig lässt aufhorchen: Dort ist ein mutmaßlicher Islamist angeklagt, der vor drei Jahren noch zur rechtsextremen Szene gehört haben soll.

Anita Rée-Ausstellung in Hamburg Die Menschen-, die Frauen-Malerin

"Selbstbildnis" der Malerin Anita Rée  (picture alliance/dpa/Foto: Georg Wendt)

Die Künstlerin Anita Rée stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, zeitlebens wehrte sie sich aber dagegen, dass ihre Arbeiten als jüdische Kunst gelte. Ihre sensiblen Portraits sind noch bis Februar in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Germanistin Sandra Richter"Deutschsprachige Literatur wird global wahrgenommen"

Eine junge Frau betrachtet im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar eine Porträtbüste von Johann Wolfgang Goethe. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Rockstars und Jeansdesigner nutzen Rilke-Verse als Kontext. Und es gibt viele weitere Bespiele für den weltweiten Einfluss deutscher Literatur. Die Germanistin Sandra Richter hat ein Buch über deren Weltgeschichte veröffentlicht – "eine Geschichte des kulturellen Austauschs".

Antisemitismus in Deutschland"Wir brauchen eine gesellschaftspolitische Offensive"

Volker Beck (Grüne) spricht am 03.06.2016 im Deutschen Bundestag in Berlin. (dpa)

Auf Demonstrationen in Berlin wurden kürzlich israelische Flaggen verbrannt. Volker Beck von den Grünen fordert deswegen mehr Aufklärung über Antisemitismus. Allein mit ordnungspolitischen Maßnahmen ließe sich das Problem nicht lösen, sagte er im Dlf.

80 Jahre Bunker in WünsdorfNazis, Russen und Touristen

Ein Bunker im Wald nahe dem brandenburgischen Ort Wünsdorf. (Philipp Buder/Thomas Klug)

1937 wurde im brandenburgischen Wünsdorf mit dem Bau streng geheimer Bunker begonnen – das Oberkommando der Wehrmacht sollte von dort den Zweiten Weltkrieg dirigieren. Die Bunkeranlagen sind mittlerweile ein Mahnmal und locken viele Touristen an.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Österreich  Kurz betont pro-europäischen Kurs | mehr

Kulturnachrichten

Böhmer soll Unesco-Kommissionspräsidentin werden | mehr

 

| mehr