Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Warten auf Suhrkamp-Urteil

Verfahren in Frankfurt vertagt - Folgetermin im Herbst

Mit Becketts "Warten auf Godot" startete der Suhrkamp-Verlag seine berühmte Taschenbuchreihe. Derzeit wartet der Verlag auf sein Schicksal.
Mit Becketts "Warten auf Godot" startete der Suhrkamp-Verlag seine berühmte Taschenbuchreihe. Derzeit wartet der Verlag auf sein Schicksal. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Kommt es? Wenn ja, wann? Das Warten auf ein Ende des Machtkampfs im Suhrkamp-Verlag geht weiter. Seit Jahren gibt es Streit zwischen der Verlagschefin Unseld-Berkéwicz und dem Minderheitsgesellschafter Barlach. Das Landgericht in Frankfurt am Main hat das Verfahren vertagt - es will Zeit für eine außergerichtliche Einigung geben.

Unter dem Motto "Eigentum verpflichtet!" hatten noch im Januar mehr als 160 Wissenschaftsautoren des Suhrkamp-Verlags eine gütliche Einigung gefordert. "Wir sind fassungslos angesichts der rechtlichen Vorgänge, die gegenwärtig den Fortbestand einer herausragenden Institution des literarischen Lebens, aber auch eines der weltweit renommiertesten Wissenschaftsverlage bedrohen." Doch vergebens: Die beiden Kontrahenten wollen sich weiterhin gegenseitig entmachten. Sie haben auf den Ausschluss des jeweils anderen als Gesellschafter geklagt. Die Verleger-Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent der Verlagsanteile, der Medienunternehmer Hans Barlach 39 Prozent.

Die für Handelssachen zuständige Kammer hat am Vormittag aber ihre Entscheidung vertagt. Das Landgericht Frankfurt verwies auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen. Als Termin für eine mögliche weitere Verhandlung nannte das Gericht den 25. September.

Drohende Auflösung

Drei Jahre nach dem Umzug von Frankfurt nach Berlin droht dem renommierten Suhrkamp Verlag die Auflösung in seiner jetzigen Form.Die Regenbogen-Reihe von Suhrkamp (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)"Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen", hatte Richter Norbert Höhne zu Beginn des Prozesses am Frankfurter Landgericht im Dezember gesagt. "Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit droht zu verschwinden." Barlach hat für den Fall einer Niederlage vor Gericht angekündigt, die Auflösung der Kommanditgesellschaft zu beantragen. Damit könnte das gesamte Vermögen des Verlags auch von Dritten übernommen werden.

Das Landgericht Berlin hatte im Dezember bereits Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin abberufen. Sie habe rechtswidrig für den Verlag Event-Räume in ihrer eigenen Berliner Villa angemietet und Barlach nicht informiert. Dagegen legte die Suhrkamp-Chefin jedoch Berufung ein.

Ein legendäres Verlagshaus

Verleger Siegfried Unseld im Jahr 1968 bei einer Veranstaltung gegen die Notstandsgesetzgebung in Frankfurt am MainVerleger Siegfried Unseld im Jahr 1968 (picture-alliance / dpa)Der 1950 von Peter Suhrkamp gegründete Verlag hat mit seinen regenbogenfarbenen Bänden Literatur und Geisteswissenschaften in der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt. "Kein anderes deutsches Verlagshaus wurde so vielen großen Autoren zur geistigen Heimat", meint Deutschlandradio-Korrespondent Jürgen König. Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Hermann Hesse und Martin Walser verlegten dort ihre Werke. Heute gehören Namen wie Durs Grünbein, Sybille Lewitscharoff und Uwe Tellkamp zum Programm.

Nach dem Tod des Verlagspatriarchen Siegfried Unseld im Jahr 2002 übernahm ein Jahr später dessen Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz die Macht. Aus Protest trat damals der Stiftungsrat um Hans Magnus Enzensberger und Jürgen Habermas zurück, wichtige Autoren wie Martin Walser und Adolf Muschg kehrten Suhrkamp den Rücken. Unseld-Berkéwicz hat selbst als Schriftstellerin 13 Bücher geschrieben, darunter das vielbeachtete Debüt "Josef stirbt". 2010 zog der Verlag auf ihr Betreiben von Frankfurt am Main nach Berlin um. Barlach kaufte sich 2006 in den Verlag ein. Er hatte zuvor die Hamburger Morgenpost und die Fernsehzeitschrift "TV Today" saniert und gewinnbringend verkauft. Barlach ist ein Enkel des expressionistischen Malers Ernst Barlach.

Mehr:
Suhrkamp-Autoren fordern gütliche Lösung - Philosoph Matthias Vogel über den Appell "Eigentum verpflichtet!"
Kulturmediator für Suhrkamp - Michael Naumann will Streit um den Verlag schlichten
"Wir sind ebenso überrascht wie schockiert" - Suhrkamp-Pressesprecherin Postpischil zur Lage des Hauses
"Radikaler Angriff auf den Verlag" - Ehemaliger Kulturstaatsminister Michael Naumann verteidigt Suhrkamp-Verlegerin
"Erhalten werden muss dieser Verlag" - Suhrkamp-Autor Durs Grünbein zum Rechtsstreit "seines" Hauses
Suhrkamp Verlag kritisiert seinen Gesellschafter Barlach als "unliterarisch" - Verlagsanwalt Raue sieht Abberufung der Geschäftsführung als nicht rechtskräftig an

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Deutsche RüstungsexporteWas Abgeordnete wissen dürfen

Ein Soldat begutachtet einen deutschen Leopard-Panzer.

Der Bundessicherheitsrat berät darüber, welche Kriegsgerätexporte erlaubt werden sollten. Das Parlament wird darüber nur dürftig informiert, beklagen hauptsächlich die Grünen. Das Verfassungsgericht könnte für mehr Transparenz sorgen. 

Billy IdolKeinen Versuchungen getrotzt

Der britische Rockmusiker Billy Idol singt in Hamburg bei einem Konzert.

Er gehörte zur Keimzelle der Londoner Punkszene, stand mit Generation X ganz oben in den Charts und startete später eine Solokarriere in New York. Dass Billy Idol als Megastar fast zerbrochen wäre, lässt sich nachlesen in seiner offen-humorvollen Autobiografie.

Fliegen-Genetik Der Apfel fällt doch weit vom Stamm

Fliegeneier in einer Dose

Forscher aus Sydney haben bei einer Fliegenart eine ungewöhnliche Eigenschaft in der Fortpflanzung entdeckt: Offenbar kann ein früherer Sexualpartner die Entwicklung der Eier eines Weibchens beeinflussen - auch wenn seine Samen die Eier gar nicht befruchtet haben. 

FlüchtlingeUlrich Wickert: Entsetzliche Bürokratie

Fernsehjournalist Ulrich Wickert

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, die Kommunen behaupten, sie seien mit der Aufnahme der Menschen überfordert. Für den Journalisten und Buchautor Ulrich Wickert ist das nur eine Ausrede. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, die deutsche Gesellschaft sei in der Vergangenheit immer egoistischer geworden. 

Islamischer StaatAuktionshäuser verdienen am Terror

Spuren einer frühchristlichen Kirche in Syrien

Wer ein antikes Kulturgut beispielsweise aus Syrien ersteigert, finanziert so möglicherweise unwissentlich die Terrormiliz Islamischer Staat mit. Die Erlöse aus dem Handel mit Kulturgütern gelten als eine der Haupteinnahmequellen des IS - und die deutschen Auktionshäuser verdienen mit.

WissenschaftFröhliche Frühlingskinder

Sag mir, wann du geboren bist und ich sage dir, wer du bist. Das klingt nach Astro-TV, es geht aber um eine Studie ungarischer Wissenschaftler. Die haben herausgefunden: Die Jahreszeit beim Geburtsmonat beeinflusst unser Wesen. Frühlingskinder sind am besten gelaunt, Winterkinder sind eher depressiv, dafür weniger reizbar.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Thüringen:  Lieberknecht drängt SPD, gegen Rot-rot-grün zu stimmen | mehr

Kulturnachrichten

Fotos von Che Guevara machten ihn berühmt:  René Burri ist tot | mehr

Wissensnachrichten

Schleswig-Holstein  Influenza tötet massenhaft Seehunde | mehr