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"Was wir befürchten mussten, ist leider eingetreten"

Ein drittes Baby starb in der Uniklinik Mainz - Frühchen war stark geschwächt

Kinderklinik Mainz (AP)
Kinderklinik Mainz (AP)

Am Montagabend starb in der Uniklinik Mainz das dritte Baby. Die Klinik konzentriert sich jetzt auf die Suche nach dem Träger des Bakteriums, das möglicherweise zum Tod der Babys beitrug. Alle Mitarbeiter der Klinikapotheke würden auf das gefundene Bakterium untersucht.

Es handelt sich um ein natürliches Darmbakterium, das an anderen Stellen im Körper krankmachen kann. Unter anderem wird vermutet, dass bei der Zubereitung der individuellen Infusionslösungen für die Babys eine Infizierung mit dem Bakterium stattfand. Trägt einer der Klinikapothekenmitarbeiter das gleiche Bakterium in sich, das auch in den Babys gefunden wurde, wäre eine Verbindung hergestellt - damit aber nicht die Todesursache bewiesen.

Auch die gesamte Apothekenausstattung zur Zubereitung der Flüssignahrung wird auf mögliche Verkeimung untersucht. Die Klinik hat alle externen Zulieferungen auf einen anderen Hersteller umgestellt.

Die Obduktion zweier Babys gestern ergab keinen klaren Beweis dafür, dass das Darmbakterium Todesursache war. Alle elf betroffenen Kinder waren bereits schwer krank.

Bei dem verstorbenen Kind handelt es sich laut Webseite der Unklinik"um ein sehr kleines Frühgeborenes der 24. Schwangerschaftswoche, welches durch seine körperliche Unreife extrem gefährdet war und intensivmedizinisch betreut werden musste. "Dieses Kind war unter den fünf Kindern, die sich zunächst in einem kritischen Zustand befanden. Bei ihm mussten wir allerdings aufgrund der extremen Frühgeburtlichkeit mit dem Allerschlimmsten rechnen, wozu es nun zu unserem größten Bedauern gekommen ist", sagte der Medizinische Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin, Prof. Dr. Norbert Pfeiffer. "Dieser weitere Todesfall löst bei allen Beteiligten große Trauer und Betroffenheit aus. In Gedanken sind wir bei den Eltern und Angehörigen des Kindes.""

Die Staatsanwaltschaft Mainz hat Ermittlungen wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet.

Die Todesfälle in Mainz belegen, dass bakterielle Infektionen im Krankenhaus selbst eine ernste Gefahr darstellen können, die nie ganz auszuschließen ist.

Multiresistente Staphylococcus-aureus-Stämme stellen eine Bedrohung dar. (Uni-Düsseldorf)Multiresistente Staphylococcus-aureus-Stämme stellen eine Bedrohung dar. (Uni-Düsseldorf)

Multiresistente Bakterien "explodieren in Deutschland"

Deutsche Kliniken haben tagtäglich mit "sehr problematischen Keimen" zu tun, schildert Walter Popp, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Dafür verantwortlich sei auch eine schlechte Ausbildung der Ärzte.

Nach variierenden Schätzungen von Medizinern sterben in Deutschland jährlich bis zu 20.000 Menschen an bakteriellen Infektionen, die sie sich erst im Krankenhaus eingefangen haben. Gefürchtet ist vor allem der MRSA-Keim - der im Fall der verstorbenen Babys jedoch keine Rolle gespielt hat. Dabei ließe sich seine Verbreitung im Krankenhaus verblüffend einfach verhindern.

Nach einer Statistikauswertung der Techniker Krankenkasse jedoch ist die Zahl der Erkrankungen durch diesen besonders gefährlichen MRSA-Keim, der gegen Antibiotika resistent geworden ist, in einigen Bundesländern innerhalb von drei Jahren um mehr als 200 Prozent angestiegen, in anderen Bundesländern immerhin um fast 100 Prozent.

Angesichts der Todesfälle in Mainz fordert die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene nun eine bundesweite Hygieneverordnung.

"Da bin ich durchaus skeptisch", meint dagegen Grünen-Politiker Terpe zu einem bundesweiten Hygienegesetz.

Bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz wolle man mit den Länderkollegen mögliche Schritte erörtern, teilte ein Sprecher von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in Berlin mit. Nach geltender Rechtslage sind die Bundesländer für die Krankenhaushygiene zuständig. Zuvor hatten sich Koalitionspolitiker für bundesweite Vorschriften ausgesprochen.



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Aktuell vom 23. August 2010: Obduktion gestorbener Babys ergibt keinen Zusammenhang mit Infusion

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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