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Wehrbeauftragter: Bundeswehr überlastet und tief verunsichert

Königshaus beklagt schlechte Stimmung in der Truppe

Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Hellmut Königshaus (dpa / Maurizio Gambarini)
Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Hellmut Königshaus (dpa / Maurizio Gambarini)

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus kommt in seinem Jahresbericht zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Bundeswehrreform hat die Soldaten verunsichert, die zahlreichen Auslandseinsätze sind kaum noch verkraftbar.

"Die Dienst- und Einsatzbelastung hat vielfach die Grenze der Belastbarkeit erreicht, teilweise bereits überschritten", erklärte Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Bundestages, bei der Vorstellung seines Jahresberichtes in Berlin. "Eine Verbesserung der Stimmung in der Truppe zeichnet sich nicht ab."

Neben der Einsatzbelastung nannte Königshaus Standortschließungen und die Ungewissheit der Soldaten über die eigene berufliche Zukunft als Gründe für die Unzufriedenheit. Der FDP-Politiker weist darauf hin, dass unter anderem die "Pendelei" zwischen Wohn- und Stationierungsort Familien belaste. Zu Verunsicherung führe auch die ungewisse Laufbahnentwicklung der Soldaten. Hinzu kämen mehrmonatige Auslandseinsätze. "Dies führt zu weit überdurchschnittlichen Trennungs- und Scheidungsraten. Die Bundeswehr widmet diesem Aspekt noch immer nicht die notwendige Aufmerksamkeit", kritisierte der Wehrbeauftragte.

Leichter Anstieg rechtsextremer Vorfälle in der Truppe

Auch der Bundeswehrverband beklagt eine dramatische Verunsicherung in der Truppe. "Wenn auch nach drei Jahren Reform weder der nächste Dienstposten feststeht noch adäquate Karrierechancen für diejenigen in Aussicht sind, die die Reform stemmen müssen, braucht man sich über die miese Stimmung nicht zu wundern, erklärte Verbandschef Ulrich Kirsch. Falls es nicht zu Nachbesserungen an der Reform komme, drohe der Bundeswehr ein echtes Nachwuchsproblem. "Dann laufen wir Gefahr, den Kampf um die besten Talente zu verlieren."

Königshaus weist zudem auf einen leichten Anstieg rechtsextremer Vorfälle in der Truppe hin. Es wurden im vergangenen Jahr 67 Vorfälle nach 63 im Jahr zuvor gemeldet. Alle Vorgänge würden untersucht und geahndet. dabei gehe es vor allem um sogenannte "Propagandadelikte", also das Hören rechtsextremer oder fremdenfeindlicher Musik oder das Zeigen des Hitlergrußes.

Positiv bewertete der Wehrbeauftragte Verbesserungen bei der Ausrüstung der Truppe im Einsatz. Dies habe dazu beigetragen, dass in Afghanistan seit Mitte 2011 kein deutscher Soldat mehr getötet wurde. Auch die Versorgung Verwundeter lobte Königshaus. Allerdings bemängelte er, dass die Behandlung traumatisierter Soldaten weiterhin zu wünschen übrig lasse. Noch immer fehle es an Psychologen und Psychotherapeuten, während die Zahl traumatisierter Soldaten im vergangenen Jahr auf einen Höchststand von 1143 gestiegen sei.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

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