Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Weißrussland verbietet DLF-Korrespondentin die Einreise

Ein Gespräch mit Gesine Dornblüth

Russland-Korrespondentin Gesine Dornblüth (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)
Russland-Korrespondentin Gesine Dornblüth (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)

Im autoritär regierten Weißrussland finden im September Parlamentswahlen statt. Unsere Korrespondentin Gesine Dornblüth wollte sich vor Ort ein Bild machen - doch die Behörden verweigern ihr die Akkreditierung.

Seit Januar ist Gesine Dornblüth für das Deutschlandradio in Moskau. Das Verfahren gegen Pussy Riot, die Waldbrände in Sibirien - aber auch der Blick in die Nachbarstaaten gehören zum Alltagsgeschäft der Korrespondentin.

Im September stehen Wahlen in Weißrussland an. Um davon berichten zu können, hatte Gesine Dornblüth ihre Akkreditierung als ausländische Journalistin beantragt. Das Außenministerium in Minsk lehnte den Antrag jedoch ohne Angabe von Gründen ab.

Der Botschafter Weißrusslands in Berlin empfahl dem Deutschlandfunk auf Nachfrage, den Antrag frühestens nach Ablauf eines Jahres zu wiederholen. Selbstverständlich könne das Deutschlandradio auch versuchen, einen anderen Korrespondenten zu akkreditieren. Bisher hatten in Moskau akkreditierte deutsche Journalisten meist problemlos eine Akkreditierung im Nachbarland erhalten.

Warum darf Gesine Dornblüth nun nicht aus Weißrussland berichten?

Im Gespräch mit dradio.de beantwortet die Korrespondentin die wichtigsten Fragen zu dem Vorfall.

Frau Dornblüth, was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die Ablehnung der Akkreditierung?

Gesine Dornblüth: Die Behörden Weißrusslands haben auch auf Nachfrage keine Gründe angegeben. Daher kann ich darüber nur spekulieren. Ich war im vergangenen Jahr in Weißrussland und habe über die angespannte soziale Lage und die daraus resultierende Unzufriedenheit im Land berichtet, unter anderem für die Sendung "Weltzeit" im Deutschlandradio Kultur. Ich habe dort auch Regierungskritikern in der Provinz eine Stimme gegeben. Gut möglich, dass dies die Behörden geärgert hat. Ich halte es aber auch für möglich, dass sich Weißrussland jetzt für die Sanktionen der EU gegen Minsk rächt und es zufällig das Deutschlandradio getroffen hat.

Welches Licht wirft das auf das Regime des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko?

Dornblüth: Das Einreiseverbot passt in das Bild eines autoritären Staatsführers, der brutal gegen jede Form der Kritik vorgeht, ganz egal, ob sie von Oppositionspolitikern, Menschenrechtlern oder Journalisten kommt. Lukaschenkos Äußerung "Lieber Diktator sein als schwul" spricht Bände.

Sehen Sie andere Möglichkeiten, über die Wahlen zu berichten?

Dornblüth: Selbstverständlich kann ich Informationen aus den weißrussischen Medien beziehen. Ich kann mich mit Weißrussen außerhalb des Landes treffen oder meine Gesprächspartner per Telefon interviewen. Das kann die Recherche im Land aber nicht voll ersetzen, es ist immer die schlechtere Lösung. Denn um sich ein authentisches Bild von der Situation im Land zu machen, muss ich mit den Menschen direkt sprechen – übrigens mit Regierungskritikern wie Regierungsvertretern gleichermaßen. Dass die Behörden mir dies verwehren, ist kontraproduktiv. Denn mit dem Einreiseverbot verhindern sie eine ausgewogene Berichterstattung.

Wie ist die Situation ihrer weißrussischen Kollegen?

Dornblüth: Unabhängiger Journalismus in Weißrussland hat es äußerst schwer. Mindestens ein Kollege sitzt derzeit wegen angeblicher Verleumdung Lukaschenkos im Gefängnis. Kritische Journalisten werden eingeschüchtert und daran gehindert, ins Ausland zu reisen. Dazu kommt wirtschaftlicher Druck. Im vergangenen Jahr wurden zwei unabhängige Zeitungen aufgrund banaler Formfehler mit hohen Geldstrafen belegt. Manchmal werden ganze Ausgaben beschlagnahmt. Die Kollegen, die dort dennoch kritisch berichten, verdienen Respekt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Religionen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz"Der bildungspolitische Flickenteppich gehört abgeschafft"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz präsentiert am 16.07.2017 in Berlin seinen Zukunftsplan "Das moderne Deutschland - Zukunft, Gerechtigkeit, Europa" (dpa / picture alliance / Maurizio Gambarini)

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fordert eine umfassende Bildungsreform: "Ich will den Föderalismus nicht abschaffen, aber ihn ermutigen, dass wir zu gemeinsamen national verbindlichen Zielen kommen", erklärte Schulz im Deutschlandfunk.

Große Reden, große Redner?Kritische Kunst aus Propagandaplatten

Die Klangkünstler Dani Gal und Achim Lenger (privat)

In manchen Reden verdichten sich Schlüsselmomente der Zeitgeschichte. Aber welche Bedeutung hat die Redekunst in einer Zeit, in der Politik von immer schneller zirkulierenden Bildern vermittelt wird? Und welche Wirkung kann das gesprochene Wort noch positiv wie negativ entfalten, wenn die Bilder fehlen?

Kunsthalle Baden-BadenLiang Shuo ist nur mit einer Idee angereist

In der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden (Baden-Württemberg) wird am 19.07.2017 die Plastik ·DISTANT tantamount MOUNTAIN· des chinesischen Künstlers Liang Shuo aus dem Jahr 2017 gezeigt.  (dpa-Bildfunk / Uli Deck)

Mit ausgedienten Brettern und Planken hat der chinesische Künstler Liang Shuo die Kunsthalle der Kurstadt Baden-Baden in eine begehbare Berglandschaft verwandelt. Dazu hat sich der 41-Jährige vor Ort inspirieren lassen.

Neue deutsche TürkeipolitikMit Erdogan darf es keine Beitrittsgespräche geben

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD). (Kay Nietfeld/dpa)

Die Luft ist dick zwischen Deutschland und der Türkei, meint Michael Thumann im Dlf. Außenminister Sigmar Gabriel habe diese Woche die finanziellen Daumenschrauben ausgepackt. Auch die EU stehe vor einer klaren Entscheidung.

Kräfteverhältnisse vor der WahlAlles Merkel – oder was?

Angela Merkel steht in einem hellblauen Blazer am Rednerpult des Bundestags. (dpa/Bernd von Jutrczenka)

Kritik, Attacken und Gemeinheiten - all das scheint Angela Merkel nichts auszumachen. Vor der Wahl im September zieht bislang keine Angriffstaktik der anderen Parteien. Der Politikwissenschaftler Thorsten Faas spricht über das "Phänomen Merkel".

Holyday SicknessDie erfundene Urlaubskrankheit

Eine Strandaußenaufnahme (imago / CHROMORANGE)

Vor allem britische Urlauber verklagen Reiseveranstalter, weil sie sich im Urlaub an einer Magen-Darm-Grippe angesteckt haben - angeblich. Die Regierung will dagegen vorgehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Erdogan betont Rechtsstaatlichkeit seines Landes | mehr

Kulturnachrichten

BBC-Frauen: gleiches Geld für gleiche Arbeit  | mehr

 

| mehr