Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Weltklimarat: Meeresspiegel steigt schneller

Erderwärmung wird laut neuem Bericht noch intensiver

Weltklimarat warnt vor schärferem Klimawandel, wie hier am Nordpol (dpa / Helfried Weyer)
Weltklimarat warnt vor schärferem Klimawandel, wie hier am Nordpol (dpa / Helfried Weyer)

Der Klimawandel schreitet schneller voran als bislang gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltklimarat in seinem neuen Sachstandsbericht. Die Meeresspiegel könnten stärker steigen, die Erderwärmung deutlich zunehmen.

Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem neuen Sachstandsbericht, dass der Anstieg der Meeresspiegel um gut ein Drittel höher ausfallen könnte als bislang prognostiziert. Beim größten Klimaschutz erhöhe sich der Meeresspiegel bis Ende dieses Jahrhunderts um mindestens 26 Zentimeter, im ungünstigsten Fall um 82 Zentimeter, heißt es in der Zusammenfassung des ersten Teils des fünften Klimareports, der in Stockholm verabschiedet wurde. In seinem vierten Bericht von 2007 hatte der IPCC noch Anstiege zwischen von 18 bis 59 Zentimetern vorhergesagt. "Während sich die Ozeane erwärmen und Gletscher und Eisdecken schmelzen, wird der globale Meeresspiegel weiter steigen, aber schneller, als wir es in den letzten 40 Jahren erlebt haben", erklärte einer der Co-Vorsitzenden der zuständigen Arbeitsgruppe, Qin Dahe.

Das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung um zwei Grad droht die Weltgemeinschaft deutlich zu verfehlen. Die Durchschnittstemperaturen könnten je nach Szenario von 1,5 bis 4,0 Grad steigen. Bei einem Temperaturanstieg um mehr als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter fürchten Wissenschaftler kaum beherrschbare Umweltfolgen. Im Zuge der Erderwärmung erwarten die Wissenschaftler, dass feuchtere Regionen auf der Welt mehr Niederschläge und trockenere noch weniger bekommen. "Es wird aber Ausnahmen geben."

Ähnliches Klima im Mittelalter

Nie war es dem Bericht zufolge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wärmer als zwischen 2001 und 2010. "Mehr Temperaturrekorde sind gebrochen worden als in jedem anderen Jahrzehnt", sagte der Generalsekretär der Weltmeteorologieorganisation WMO, Michel Jarraud.

Die Wissenschaftler relativieren eine frühere These, wonach die Temperaturen zum Ende des vergangenen Jahrhunderts die höchsten der vergangenen 1300 Jahre gewesen seien. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit" habe im Mittelalter zwischen den Jahren 950 und 1250 in einigen Regionen ein ähnliches Klima geherrscht wie heute. Allerdings verlaufe die Erwärmung heute weitaus großflächiger.

Mehr Hitzewellen

Außerdem halten die Klimaforscher es für äußerst wahrscheinlich, dass der Mensch die Hauptursache der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. Hitzewellen treten künftig sehr wahrscheinlich öfter auf und halten länger an.

In den Beratungen über ein neues weltweites Klimaschutzabkommen, das bis 2015 stehen soll, hatte sich die internationale Gemeinschaft daher grundsätzlich auf das Zwei-Grad-Ziel verständigt. Weltweit haben sich rund 200 Staaten dazu verpflichtet, bis Ende 2015 eine UN-Vereinbarung mit dem Ziel auszuarbeiten, dem Klimawandel entgegen zu steuern.

Eine ökologische Herausforderung

Matthias Groote: "Eine ökologische Industriepolitik ist der Schlüssel" (picture alliance / dpa)Matthias Groote, SPD (picture alliance / dpa)Die vergangene Bundesregierungen habe in der Klimapolitik viel zu wenig getan, sagte der SPD-Europapolitiker Matthias Groote, auf Deutschlandradio Kultur. "Im praktischen Handeln ist Deutschland oft der Bremsklotz." So müsse der CO2-Ausstoß dringend verringert werden. "Wenn man heute handelt, spürt man erst in 25 Jahren eine Änderung", sagte Groote. "Das Klimaschutz-, speziell Emissionshandelssystem, das ist das Kernstück der europäischen Klimapolitik. Eine Tasse Kaffee am Flughafen ist teurer als ein Emissionszertifikat! Das muss anders werden." Auch wegen der Wirtschaftskrise werde der Klimapolitik noch nicht die Aufmerksamkeit beigemessen, die sie bräuchte.

 

Letzte Änderung: 08.10.2013 23:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Freispiel

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Albert Speer und seine HelferMär vom unpolitischen Technokraten

Projektionen historischer Dokumente sind in Nürnberg während der Ausstellung "Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zu sehen. (dpa / Daniel Karmann)

Albert Speer war der Lieblingsarchitekt Hitlers. Er wurde als Kriegsverbrecher verurteilt und ließ nach seiner Entlassung 1966 nichts unversucht, sich als unpolitischen Technokraten zu präsentieren, der verführt worden sei. Diese Legende wurde gern geglaubt – und inzwischen widerlegt.

FDP-ParteitagJa mit Aber zur doppelten Staatsbürgerschaft

FDP-Parteitag am 28. April 2017 in Berlin: Parteichef Christian Lindner hält eine Rede. (AFP / Tobias Schwarz)

Diskussionen um den Doppelpass haben das Potenzial für hitzige innerparteiliche Kontroversen. So auch auf dem Berliner Parteitag der FDP. Unsere Autorin war dabei und fasst die Beratungen über das Wahlprogramm der Liberalen zusammen.

Wavepool statt MeerAuf der Suche nach der perfekten Welle

Der Amerikaner Kelly Slater beim Wellenreiten in Brasilien. (imago/WSL)

Wellenreiten liegt im Trend. Bei den olympischen Spielen 2020 wird die Sportart deshalb erstmals vertreten sein. Weil viele Surfbegeisterte für die perfekte Welle nicht mehr so weit reisen wollen, ist ein Wettlauf um die Schaffung künstlicher Wellen entbrannt.

Joschka Fischer"Marine Le Pen wäre für Deutschland der Super-GAU"

Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt am 12.03.2015 im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der Bühne, wo er über sein neues Buch "Scheitert Europa?" spricht. (dpa)

Deutschland könne Europa nicht alleine führen, sagte der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Deutschlandfunk. Von daher sei es für die EU und Deutschland existenziell, dass Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen will, nicht französische Präsidentin werde. Ein anderer Wahlausgang wäre katastrophal.

Der Adel und der Wald in DeutschlandUnterwegs durch Privatwälder

Philipp zu Guttenberg – Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. (Deutschlandradio / Nana Brink)

Die "Deutschlandrundfahrt" spaziert sowohl mit adeligen Waldbesitzern durch ihr Refugium als auch mit einem Waldphilosophen durch den Dschungel der Eigentumsfragen.

70 Jahre nach der "Aktion Weichsel"Gedenken an die Vertreibung der Ukrainer

Der Marktplatz von Przemysl. (imago/Brockes)

Vor 70 Jahren wurden über 100.000 Ukrainer aus Südostpolen zwangsumgesiedelt. An der sogenannten Aktion Weichsel wurde nun im südostpolnischen Przemyśl gedacht. Doch die nationalkonservative PiS-Regierung will die Erinnerung nicht unterstützen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundespräsident  "Demokratische Freiheiten sind in Gefahr" | mehr

Kulturnachrichten

Benslama: "Radikalisierung ist oft Zufall"  | mehr

 

| mehr