Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Weltreisender in Sachen Musik

Saxophonist Charlie Mariano gestorben

Von Rainer Pöllmann

Der Saxofonist Charlie Mariano (Klaus Genuit/ BHM Productions)
Der Saxofonist Charlie Mariano (Klaus Genuit/ BHM Productions)

Der amerikanische Saxofonist Charlie Mariano ist im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Köln gestorben. Über 60 Jahre stand Charlie Mariano auf der Bühne. Er spielte mit Stan Kenton, Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Charles Mingus zusammen. Das war gewissermaßen sein erstes Leben - der große amerikanische Jazz der 50er und 60er Jahre.

In den 70er Jahren kam er nach Europa. Und wurde hier zu einem der einflussreichsten Vertreter des Rockjazz. In größeren Formationen wie dem "United Jazz and Rock Ensemble", zu dessen tragenden Elementen er mit seinem Saxofon gehörte. Aber immer auch in intimen kammermusikalischen Formationen, in denen sein lyrisches Spiel ganz besonders zur Entfaltung kam. Mit dem Gitarristen Philippe Catherine oder auch mit dem Kontrabassisten Dieter Ilg und mit dem Pianisten Wolfgang Dauner.

Die Brücke zwischen Amerika und Europa bildete Anfang der 70er Jahre ein längerer Aufenthalt in Indien. Dort lernte er das Nagaswaram, ein südindisches Blasinstrument, und dort entstand auch jenes weltmusikalische Bewusstsein, das ihn sein ganzes weiteres Leben prägte - eine Offenheit und Unvoreingenommenheit, die ihn auch noch im hohen Alter immer wieder Neues ausprobieren ließ.

"Fusion" - das war sein künstlerisches Ideal. Die Grenzüberschreitung, die Verbindung von Stilen und Traditionen. Ob zwischen Rock und Jazz oder zwischen Europa und Asien - immer ging es ihm mehr um das Verbindende als um das Trennende.

Und die ganze Zeit nahm er eine Platte nach der anderen auf. Auf über 300 Alben hat Charlie Mariano mitgespielt, unzählige Konzerte gegeben. Hat fleißig als Studiomusiker gearbeitet, auch für Popmusiker wie Herbert Grönemeyer.

Im November richtete das Theaterhaus in Stuttgart ein berührendes Konzert zu seinem 85. Geburtstag aus. Und alle, alle sind sie gekommen und haben gespielt. Wolfgang Dauner, Philippe Catherine, Dieter Ilg. Da war Charlie Mariano schon sichtlich gezeichnet, nicht nur vom Alter, sondern auch von seiner Krankheit. Aber die physische und geistige Präsenz, die Mariano zeigte, seine künstlerische Aura war ungeheuer beeindruckend. Es dürfte eines seiner letzten Konzerte gewesen sein. Gestern ist Charlie Mariano in Köln an Krebs gestorben.

Prorammtipp:
Den Beitrag "Der besondere Ton - Zum Tod des amerikanischen Jazzsaxophonisten Charlie Mariano" von Bert Noglik sendet "Kultur heute" im Deutschlandfunk ab 17.35 Uhr.

Die Sendung "Jazzfacts" im Deutschlandfunk erinnert am Freitag, 19.6. ab 22.05 Uhr ausführlich an den verstorbenen Saxofonisten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Brexit-Verhandlungen"Hand ausstrecken haben wir ja dauernd gemacht"

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (AFP/Matthew Mirabelli)

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat das britische Versprechen begrüßt, EU-Bürger nach dem Brexit nicht auszuweisen. "Alles andere wäre ja eine Kampfansage an die Europäische Union gewesen", sagte Asselborn im Dlf. Die knallharte europhobe Stimmung wie vor der britischen Parlamentswahl sei verflogen.

Muslimische DistanzierungsritualeGuter Moslem, böser Moslem

Männer beten auf einer Kundgebung gegen Islamophobie und Rassismus in Berlin. (imago / Christian Ditsch)

Ein Zeichen gegen den Terror wollten Muslime setzen, sich vom Extremismus distanzieren. Doch im Streit um das richtige Signal offenbaren die Verbände der muslimischen Community vor allem eins: ihre chronische Selbstbeschäftigung, meint Islamwissenschaftler Fabian Köhler.

SNAPCHATSnapMaps soll Instagram abhängen

Snapchat hat mit Instagram-Stories harte Konkurrenz. Jetzt hat Snap Inc. das Startup Zenly gekauft. Einen Kartendienst.

Vermeintliches WundermittelMediziner lehnt Methadon in der Krebstherapie ab

Durch ein Mikroskop ist der Anreicherungsprozess von Nanopartikeln in Krebszellen zu sehen. (Jan Woitas/dpa-Zentralbild)

Ein Wundermittel gegen Krebs? Derzeit wird in den Medien über den Einsatz von Methadon im Kampf gegen Krebs diskutiert. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch, hält davon allerdings wenig.

documenta-echo: Irena HaidukUniformen für die Freiheit

Sechs schwarz gekleidete frauen schreiten in zwei Dreierreihen vor dem Fridericianum. Auf dem kopf balancieren sie jeweils ein Buch. (Deutschlandradio / Änne Seidel)

Ein schlichtes Kleid, dazu ergonomische Schuhe: "Yugoform" nennt die serbische Künstlerin Irena Haiduk die Kleidung, die sie auf der documenta zum Kauf anbietet - eine bequeme Uniform für die arbeitende Frau und Teil ihrer documenta-Arbeit "Seductive Exacting Realism".

Vor 50 JahrenKZ-Kommandant Franz Stangl wird an die BRD ausgeliefert

Der ehemalige Kommandant der Vernichtungslager Treblinka und Sobibor, Franz Stangl (r) wird am 23. Juni 1967 von einem Polizeibeamten zum Flughafen nach Rio de Janeiro (Brasilien) gebracht, um an die Bundesrepublik ausgeliefert zu werden. Franz Stangl, der nach dem Zweiten Weltkrieg über Italien und Syrien 1951 nach Brasilien emigrierte und dort unter seinem Namen in einem Zweigwerk des Volkswagenwerkes arbeitete, wurde von Simon Wiesenthal aufgespürt und 1967 an die Bundesrepublik ausgeliefert. (picture alliance / dpa / UPI)

Franz Stangl war für den Tod von nahezu einer Million Juden verantwortlich. Nach Kriegsende flüchtete der KZ-Kommandant nach Syrien, kurz darauf nach Brasilien. Nach jahrelanger Suche wurde er gefasst und vor 50 Jahren an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Streit um Flüchtlinge  Juncker hat wenig Hoffnung auf Lösung | mehr

Kulturnachrichten

Ist Robert Del Naja doch Banksy?  | mehr

 

| mehr