Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Weltweite Trauer nach Amoklauf an US-Grundschule

Offenbar Erkenntnisse zum Hintergrund gewonnen

Viele Menschen können ihre Trauer nicht in Worte fassen.
Viele Menschen können ihre Trauer nicht in Worte fassen. (picture alliance / dpa / Justin Lane)

Die Schießerei an einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut mit 28 Toten hat weltweite Trauer und Entsetzen ausgelöst. US-Präsident Obama fordert Konsequenzen. Die Polizei spricht inzwischen von guten Beweisstücken, ohne aber Details zu nennen.

Während die Ermittlungen an der Sandy Hook Elementary School andauern und die Menschen vor Ort in die Kirchen strömen, suchen Politiker nach Worten. US-Präsident Barack Obama sagte in einer Pressekonferenz im Weißen Haus, derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. "Wir haben das schon viel zu oft erleben müssen: Ob eine Grundschule in Newton oder eine Shoppingmall in Oregon, ob ein Sikh-Tempel in Wisconsin oder ein Kino in Aurora - wir müssen uns zusammensetzen und bedeutsame Schritte unternehmen, um derartige Tragödien zu vermeiden." Obama musste mehrfach unterbrechen, um sich unter Kontrolle zu bringen.

Der US-Präsident kann seine Trauer während der Presseerklärung nicht verbergen.Der US-Präsident kann seine Trauer während der Presseerklärung nicht verbergen. (picture alliance / dpa / Kristoffer Tripplaar)"Die meisten, die heute gestorben sind, waren Kinder. Sie hatten ihr ganzes Leben vor sich: Geburtstage, Schulabschlüsse, Hochzeiten, eigene Kinder. Und unter den Opfern waren auch Männer und Frauen, die dafür gearbeitet haben, dass Kinder ihre Träume verwirklichen können. Unsere Herzen sind gebrochen."

Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dan Malloy, sagte: «Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, die Nachrichten machten sie «tieftraurig». «Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können.» Kurz vor Weihnachten habe die Tat «unbeschreibliches Leid über viele Familien gebracht».

Schütze identifiziert

Das Verbrechen geschah kurz nach Schulbeginn am Freitag in Newtown nördlich von New York. Neben den Kindern kamen in der Schule sechs Erwachsene, darunter die Rektorin und ein Psychologe ums Leben. Nach Berichten von Augenzeugen gab der Amokläufer bis zu 100 Schüsse ab. Der Schütze wurde als der 20-jährige Adam Lanza identifiziert. Die Polizei hatte ihn zunächst für seinen 24-jährigen Bruder Ryan gehalten. Dieser wurde laut Medien von der Polizei befragt. Berichten zufolge wurde in einem Haus von Newtown eine weitere Leiche gefunden. Bei diesem 28. Todesopfer soll es sich um die Mutter des Schützen handeln. Sie unterrichtete den Angaben zufolge als Lehrerin an der Schule und wurde vor dem Amoklauf zu Hause von ihrem Sohn erschossen.

Der Schütze hatte drei Schusswaffen: ein Gewehr und zwei Handfeuerwaffen. Das Gewehr fand die Polizei in seinem Auto, die anderen Waffen hatte er in der Schule bei sich. Alle drei Waffen seien legal erworben worden und auf den Namen der Mutter registriert, berichteten Medien. Die Tat hatte die Diskussion über das Waffenrecht in den USA neu entfacht.

Polizei zuversichtlich

Man habe inzwischen gute Beweise gefunden, um rekonstruieren zu können, wie und weshalb das Massaker passieren konnte, so die Polizei in Connecticut. Die Details würden aber noch nicht bekannt gegeben, um nichts aus dem Kontext zu reißen, berichtet Bettina Klein im Deutschlandradio Kultur.

Täter drang gewaltsam in Schule ein

Der Täter soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in der Kleinstadt aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Vor der Tat habe er sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN weiter. Die Grundschule hatte den Berichten zufolge erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet: Besucher müssen klingeln und erscheinen dann auf einer Sicherheitskamera. Der Amokläufer hat den Zugang zur Schule nach den Erkenntnissen der Polizei aber erzwungen. Er sei «nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden», sondern habe «sich den Zugang erzwungen», sagte der Polizeiermittler Paul Vance.

Der Politikwissenschaftler Christer Garrett von der Uni Leipzig erläuterte im Deutschlandfunk: "Gewaltmonopol oder Teilung dieser Macht, das ist in Amerika eine philosophische Frage, die viele beantworten, indem sie dem Einzelnen das Recht auf Selbstverteidigung zubilligen." Inzwischen gebe es aber eine knappe Mehrheit für eine Verschärfung der Waffengesetze.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

WissenEin Denkmal für Wikipedia

Im polnischen Slubice wird das Online-Lexikon Wikipedia mit einem Denkmal geehrt.

Am Mittwoch wurde im polnischen Slubice ein Denkmal für Wikipedia enthüllt. Der Organisationstheoretiker Leonhard Dobusch begrüßt die Würdigung des Online-Lexikons: Man könne dessen Bildungsbeitrag nicht hoch genug einschätzen.

Karstadt-KriseVom Klassenprimus zum Krisenfall

Der Eingang zur der Karstadt Filiale am 01.10.2014 in Köln.

Seit Jahren sorgen Schlagzeilen und Spekulationen immer wieder für Verunsicherung bei den Karstadt-Angestellten. Der neue Eigentümer René Benko lässt keinen Zweifel an einer scharfen Sanierung. Das Konzept dazu wird morgen im Aufsichtsrat diskutiert.

Postheroismus Wenn Helden nicht mehr nötig sind

PHILIPPINES, Manila :Comic-Fans haben sich als ihre Helden verkleidet.

Heroische Werte sind in westlichen Gesellschaften nicht mehr en vogue. Was aber passiert, wenn die Figur des Helden nur noch als Superman oder Harry Potter anrückt? Über Helden und eine Gesellschaft, die scheinbar keine mehr braucht.

Obdachlose in GriechenlandFührung durch die Hinterhöfe Athens

Ein Obdachloser liegt auf seinem Schlafplatz auf dem Bürgersteig vor einer Filiale der Emporiki Bank in Athen

Die Wirtschaftskrise hat die Griechen besonders hart getroffen - auf Arbeitslosigkeit folgte häufig ein Leben auf der Straße. Doch einige der Obdachlosen haben nun einen neuen Job: Sie organisieren Stadtführungen in die dunklen Ecken Athens.

Junge Frauen beim ISPartnersuche im Dschihad

Ein von Dschihadisten ausgehändigtes Foto zeigt mutmaßliche Mitglieder der Terrorgruppe IS, darunter der Militärchef und gebürtiger Georgier Abu Omar al-Shishani (links)

Mehrere hundert Mädchen und Frauen aus Europa sollen nach Syrien gereist sein, um sich der Terrorgruppe IS anzuschließen. Viele von ihnen hoffen, dort einen Ehemann zu finden, sagt Florian Endres vom Bundesamt für Migration.

NotfallIn drei Minuten vor Ort

United Hazalah ist eine mobile Gruppe von freiwilligen Ersthelfern in Israel. Dank App und "Ambucycles" sind sie innerhalb von drei Minuten beim Patienten - der Krankenwagen braucht in Deutschland zum Beispiel deutlich länger.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Angriff auf Parlamentsgebäude  in kanadischer Hauptstadt Ottawa | mehr

Kulturnachrichten

Biennale di Venezia 2015:  Kurator Okwui Enwezor stellt sein Gedankengebäude vor | mehr

Wissensnachrichten

WHO  1,5 Millionen Tuberkulose-Tote in 2013 | mehr