Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wem gehört der Brokkoli?

Streit um das Brokkoli-Patent wird beim Europäischen Patentamt verhandelt

Brokkoli (Stock.XCHNG - J. Gabriel)
Brokkoli (Stock.XCHNG - J. Gabriel)

Erst züchten, dann Besitzanspruch anmelden - mit dieser Methode versuchen Agrarkonzerne, sich eine gigantische Einnahmequelle zu erschließen. Die britische Firma Plant Bioscience muss sich aber gegen Beschwerden von Konkurrenten gegen ihr sogenanntes Brokkoli-Patent wehren.

Heute hat in der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes in München die Verhandlung über das Brokkoli-Patent begonnen. Dabei geht es um das Patent EP 1069819 für eine Brokkoli-Sorte, die besonders viele Glucosinolate enthält und deshalb vorbeugend gegen Krebs wirken soll. Die britische Firma Plant Bioscience hat sich 2002 das Verfahren zur Herstellung dieser Brokkoli-Variante schützen lassen. Dagegen führen zwei Firmen aus Frankreich und der Schweiz in München Beschwerde.

Britische Forscher haben eine Brokkolisorte gezüchtet, die 100 Mal höhere Mengen einer krebshemmenden Substanz in ihren Röschen hat als gewöhnlicher Brokkoli. Der Politologe Dr. Peter Feindt von der Universität Cardiff erklärt im Interview die Hintergründe. MP3-Audio

Eigentlich sind Patente auf Tiere und Pflanzen in der Europäischen Union nicht zulässig, doch die EU-Gesetzgebung ist schwammig. Daher versuchen Agrarkonzerne immer wieder, sich Patente quasi durch die Hintertür zu sichern - so wie bei EP 1069819. Die Hauptmotivation, gentechnisch veränderte Pflanzen herzustellen, sei für die Firmen, "dass man dann hinterher ein Patentschutz darauf haben kann", sagt Felix Prinz zu Löwenstein vom Bund Ökologischer Landwirtschaft.

Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn kritisierte die Agrarkonzerne: "Es geht ihnen darum, dass sie Patente auf unsere Lebensmittel bekommen und de facto dann immer an diesen Lebensmittel verdienen. Und das ist eine Gelddruckmaschine für die Zukunft." Es sei eigentlich unglaublich, dass einzelne Firmen Patente "auf die Natur, die um uns herum" ist, bekämen.

Christoph Then von Greenpeace kämpft seit Jahren gegen die Patentierung von jahrhundertealten Züchtungsmethoden und daraus entstehende Lebewesen. Dass eine konventionell gezüchtete Pflanze Privateigentum einer Firma werden kann, findet auch er unverständlich.

Wie können Pflanzen, die seit Jahrhunderten auf deutschen Äckern angebaut werden, wie können Tiere, die eine gefühlte Ewigkeit auf unseren Weiden stehen, als "neu" definiert und damit als Erfindung patentiert werden?, fragt auch der Hintergrund im Deutschlandfunk.

Mit einer Entscheidung des Europäischen Patentamtes wird für Ende des Jahres gerechnet. Vor dem Gebäude demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen die Erteilung von Patenten auf Naturprodukte.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Sprechstunde

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Behinderteneinrichtung im WestjordanlandNächstenliebe in Nahost

Orthopädieschuhmachermeister Rudolf Schöning aus Hamburg mit seinem palästinensischen Schützung Elias Abu-Aita. (Deutschlandradio / Silke Fries)

Schätzungen zufolge besucht nicht einmal jedes zweite behinderte Kind im Westjordanland die Schule. Geschätzt 80 Prozent werden nie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Ein Lichtblick bei der Förderung von Behinderten ist die Einrichtung lifegate in Bait Dschala bei Bethlehem. Geleitet wird sie von von einem Deutschen.

Vor 175 Jahren: Premiere der Wiener Philharmoniker"Euch liebt die Heimat und euch ehrt die Welt"

HK Gruber beim Dirigieren (dpa / picture alliance / epa Keystone Urs Flueeler)

Die Wiener Philharmoniker gehören zu den besten Orchestern der Welt. Tickets für ihre Konzerte im Goldenen Saal des Musikvereins sind heiß umkämpft. Die Geburt des Ensembles war ein Konzert am 28. März 1842.

Theorie zur Entstehung der ErdtrabantenMondfusionen in der Umlaufbahn

Vielleicht ist der Mond durch viele Kollisionen entstanden – oder ganz anders (künstlerische Darstellung). (Perets)

Womöglich kreiste einst nicht ein großer Mond um die Erde, sondern ein gutes Dutzend kleiner Monde. Raluca Rufu vom Weizman-Institut in Israel und ihr Team gehen davon aus, dass im jungen Sonnensystem etliche Brocken von rund eintausend Kilometern Durchmesser die glühend heiße Erde gerammt haben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Medienrecherchen  Türkischer Geheimdienst bespitzelte Oppositionelle in Deutschland | mehr

Kulturnachrichten

Gemälde Da Vincis restauriert  | mehr

 

| mehr