Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wer besitzt welche Waffe in Deutschland?

Millionen Waffen in neuem Zentralregister gespeichert

Eine Pistole Glock 26, Kaliber 9mm Para liegt auf Waffenbesitzkarten (AP)
Eine Pistole Glock 26, Kaliber 9mm Para liegt auf Waffenbesitzkarten (AP)

Es ist auch eine Konsequenz aus den Amokläufen in Erfurt und Winnenden: Bundesinnenminister Friedrich hat ein neues bundesweites Waffenregister vorgestellt. Darin sollen die Informationen der rund 550 lokalen Waffenbehörden ab Januar 2013 erstmals zentral abrufbar sein.

Nach Schätzung des Bundesinnenministeriums sind 45 Millionen Waffen in Deutschland im Umlauf, die Hälfte davon illegal. Eine Schusswaffe besitzen ganz legal 1,5 Millionen Sportschützen, 400.000 Jäger und 300.000 Sammler.

Derzeit sind die Daten der insgesamt sieben bis zehn Millionen erlaubnispflichtigen Schusswaffen nur örtlichen Behörden bekannt, die aber nicht miteinander vernetzt sind. Ein nationales Waffenregister soll Abhilfe schaffen. In der elektronischen Datei werden die Informationen aller kommunalen oder Polizeibehörden künftig beim Bundesverwaltungsamt in Köln gebündelt. Darin sind laut Waffengesetz "insbesondere Schusswaffen, deren Erwerb und Besitz der Erlaubnis bedürfen, sowie Daten von Erwerbern, Besitzern und Überlassern dieser Schusswaffen elektronisch auswertbar zu erfassen und auf aktuellem Stand zu halten".

Friedrich: Mehr Sicherheit durch Waffenregister

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, CSU (dpa / Maurizio Gambarini)Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, CSU (dpa / Maurizio Gambarini)Die Datei leiste "einen sehr konkreten Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit", sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Sicherheitsbehörden sollen jederzeit "bundesweit nachprüfen können, wer welche Waffe legal besitzt". Ein Probebetrieb mit zehn Waffenbehörden im Oktober sei erfolgreich verlaufen. Der Bundestag hatte die Einrichtung des Registers im vergangenen April beschlossen und in Artikel 43a des Waffengesetzes geschrieben. Deutschland erfüllt damit vorzeitig eine EU-Richtlinie, die bis Ende 2014 umgesetzt werden soll.

Zweifel am pünktlichen Start meldet die Linkspartei an. Die örtlichen Waffenbehörden seien häufig personell unterbesetzt, sagte der Linken-Abgeordnete Frank Tempel. Auch würden Daten über privaten Waffenbesitz bisher nach unterschiedlichsten Systematiken, nach verschiedenen Softwarestandards und zum Teil noch auf Karteikarten gespeichert. Mehr als ein Drittel der örtlichen Behörden hätten ihre Daten bereits übermittelt, sagte der Präsident des Bundesverwaltungsamtes, Christoph Verenkotte. Der Rest werde bis Ende des Jahres vorliegen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte das zentralisierte Waffenregister. Beamte könnten nun prüfen, ob an einem Einsatzort, etwa einer Familienauseinandersetzung, eine Waffe im Haus sei. "Natürlich wissen wir auch dann nur, ob es sich um einen legalen Waffenbesitz handelt. Aber auch das kann überlebenswichtig sein", sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut.

Die Zusammenführung der Waffendaten in eine Datei ist auch eine Konsequenz aus den Amokläufen in Erfurt und Winnenden. In Erfurt erschoss ein 19-Jähriger, der Mitglied in einem Schützenverein war, vor zehn Jahren 16 Menschen und sich selbst - seine beiden Waffen hätten ihm nach damaligem Recht nicht verkauft werden dürfen. In Winnenden brachte ein 17-Jähriger vor drei Jahren 15 Menschen um, bevor er sich selbst das Leben nahm - sein Vater war Sportschütze und bewahrte 15 Waffen unverschlossen im elterlichen Schlafzimmer auf. In beiden Fällen wurde auch diskutiert, wie künftig verhindert werden kann, dass solche jungen Täter an Waffen gelangen. Vor allem wurde ein zentrales Waffenregister gefordert.

EU besorgt über illegalen Waffenhandel

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström (picture alliance / dpa / Nicolas Bouvy)EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström (picture alliance / dpa / Nicolas Bouvy)EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hat auf das Ausmaß des illegalen Waffenhandels in Europa hingewiesen. "Die Europäische Union ist in den letzten zehn Jahren nicht sicherer geworden, das Gegenteil ist offenbar der Fall", sagte Malmström in Brüssel. Nach ihren Angaben wurden in der EU im vergangenen Jahr mehr als 5.000 Morde mit Schusswaffen begangen. Ein besonderes Problem stellten die vier Millionen unregistrierten militärischen Schusswaffen dar, die in den Balkanländern zirkulierten. Viele davon würden in die EU geschmuggelt. Zu überprüfen sei, ob neue EU-Gesetze nötig seien, etwa über europaweite Mindeststrafen für illegalen Waffenschmuggel.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Erster Auftritt als BundespräsidentSteinmeier zeigt klare Kante

Der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht am 22.03.2017 bei der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat nach seiner Vereidigung im Deutschen Bundestag in Berlin.  (dpa/Michael Kappeler)

Frank Walter Steinmeier hat in seiner Antrittsrede die Kontroverse um den türkischen Präsidenten in der Mittelpunkt gestellt - verbunden mit dem Aufruf, den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel freizulassen. Ein riskantes Manöver für das neue deutsche Staatsoberhaupt.

Leipziger BuchmesseDas Lesen kann beginnen!

Auf der Leipziger Buchmesse 2016: Ein Frau liest  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In Leipzig wird heute Abend die Buchmesse eröffnet. Bis Sonntag präsentieren mehr als 2.000 Aussteller ihre Neuerscheinungen. Unser Literaturkritiker Kolja Mensing hat alle redaktionellen Vorbereitungstreffen hinter sich - und befindet sich nun "im Rausch".

Auftritte türkischer MinisterErdogans verschleierte Kehrtwende

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht in Istanbul. (AFP / OZAN KOSE)

Die Ansage der Bundesregierung, den Türken die Stimmabgabe in Deutschland im Falle von Rechtsverstößen zu verbieten, stelle für Ankara ein echtes Problem dar, kommentiert Christian Buttkereit. Denn dieser sei auf diese Stimmen angewiesen.

Julia Samoilowa Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise

Die im Rollstuhl sitzende Sängerin Julia Samoilowa tritt am 07.03.2014 in Sotschi (Russland) bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2014 auf.  (dpa picture-alliance/AP Ekaterina Lyzlova)

Der ukrainische Geheimdienst hat der russischen ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die Sängerin im Rollstuhl voraussichtlich nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) im Mai in Kiew auftreten.

AskeseVerzicht oder nicht?

Ein Mönch sitzt im Antaiji Kloster neben einer Gitarre und genießt die völlige Ruhe. (Norbert Hübner)

Enthaltsamkeit dient in modernen Gesellschaften oft nicht mehr der spirituellen Erhebung, sondern der Leistungssteigerung. Fundamentalisten des innerweltlichen Glaubens rennen in die Muckibude, ans Cardio-Gerät, aufs Indoor-Fahrrad. Ein Plädoyer fürs Fasten durch Laster.

Konzertfilm "Rammstein - Paris"Brutalo-Trash im Kino

Band Rammstein bei der Filmpremiere "Rammstein Live in Paris" in der Berliner Volksbühne: Richard Zven Kruspe, Paul Landers, Oliver Riedel, Christian Lorenz, Christoph Schneider und Till Lindemann. (imago/Tinkeres)

Martialische Musik und brutale Ästhetik – das ist das Erfolgsrezept von Rammstein. Der schwedische Regisseur Jonas Akerlund hat aus mehreren Konzerten der Band in Paris einen Film gemacht. Ab Donnerstag kommt "Rammstein - Paris" für nur drei Tage in 100 deutsche Kinos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag in London  Polizei spricht jetzt von fünf Toten | mehr

Kulturnachrichten

Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise  | mehr

 

| mehr