Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Werben um Organspender

Neue Organspende-Entscheidung tritt in Kraft

Ein Organspendeausweis  (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Ein Organspendeausweis (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Spenden Sie Ihre Organe? Diese Frage sollen Krankenkassen künftig ihren Versicherten regelmäßig stellen. Ab heute gilt die sogenannte Entscheidungslösung, die die Organspendereform hervorgebracht hat. Einen Zwang, sich zu entscheiden, gibt es aber nicht.

Die Bundesregierung will die Zahl der Organspender erhöhen, nicht nur mit Hilfe von Organspendeausweisen (pdf). Ab heute erhält jeder Deutsche ab 16 Jahren Post von seiner gesetzlichen Krankenkasse oder seiner Privatversicherung. Darin wird auf die Dringlichkeit des Problems hingewiesen: In deutschen Kliniken warten 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Die Krankenversicherten sollen auf Grundlage ausführlicher Informationen erklären, ob sie für oder gegen die Spende sind. Zu einer Antwort ist aber niemand verpflichtet.

Solche Briefe kommen künftig regelmäßig: Das regelt das heute in Kraft getretene Entscheidungsgesetz zur Organspende (pdf). Die meisten Kassen warten mit der Abfrage der Bereitschaft noch ab. Die Techniker Krankenkasse will das bei ihren 6,9 Millionen Versicherten bis Ende November erledigt haben. Die AOK informiert bereits auf ihrer Internetseite.

Riemer: Schritt in die richtige Richtung

"Das ist ein sehr positives Signal", sagte Jutta Riemer, Vorsitzende des Vereins "Lebertransplantierte Deutschland", im Deutschlandfunk. Viele Menschen würden nun durch die Post der Krankenkasse mit der Problematik konfrontiert - weil sie die Information direkt nach Hause erhalten. "Da ist schon eine Hürde abgebaut und ich denke, das ist ein Schritt in die richtige Richtung."

Doch ausgerechnet zum Start der neuen Regelungen sinkt die Zahl der Organspender. Im Oktober habe es einen Rückgang um rund 50 Prozent gegeben, sagte eine Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Frankfurt am Main. Im gesamten Monat habe es 59 Spender gegeben, normalerweise liege die Zahl deutlich über 100; in den ersten drei Quartalen waren es 829 statt der üblichen 900 Spender. Die Stiftung erklärte zur Begründung, die Angehörigen seien offenbar durch die jüngsten Transplantationsskandale verunsichert: In Göttingen und Regensburg soll ein Oberarzt Krankenakten manipuliert haben, um Patienten auf der Warteliste für Spenderorgane vorne zu platzieren. Auch aus einer Klinik in München wurden Unregelmäßigkeiten gemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bahr: Harte Strafe für Verantwortliche in Regensburg und Göttingen

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) beantwortet vor der Bundespressekonferenz in Berlin Fragen von Journalisten. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Daniel Bahr (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr forderte im Deutschlandfunk harte Strafen für die Verantwortlichen der Skandale. "Und ich rechne auch damit, dass die Fälle in Regensburg und Göttingen zu einem harten Strafmaß führen werden", erklärte der FDP-Politiker. Dies könnte beispielsweise der Entzug der ärztlichen Approbation sein. "Ich glaube, so kriegt man das Vertrauen am besten wieder zurück. "

Er sei guten Mutes, dass sich die Organspendebereitsschaft in den nächsten Monaten und Jahren verbessern werde, erklärte Bahr. "Am Ende zählt: Jeder, der ein Organ spendet, ist ein Lebensretter, weil er jemand anders eine zweite Chance auf ein Leben schenkt."

Kritik von Patientenschützern

Die neue Organspenderegelung reicht aus Sicht der Deutschen Hospiz Stiftung jedoch nicht aus. "Statt auf Fakten, Aufklärung und klare politische Verantwortung, setzt der Gesetzgeber auf Werbung und Emotion", sagte Stiftungschef Eugen Brysch.

Die SPD plädiert für eine Verminderung der Anzahl der Transplantationszentren. Die Transparenz könne dann steigen und die Konkurrenz gesenkt werden, sagte SPD-Gesundheitspolitikerin Carola Reimann in Berlin.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Das Feature

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Eine Stunde Liebe

Aus unseren drei Programmen

Der lyrische TageskommentarEine Pipeline durchs Herz

Altkanzler Gerhard Schröder im Gespräch mit Rosneft-CEO Igor Setschin auf dem Economic Forum St. Petersburg im Jahr 2012  (dpa / AFP Kirill Kudryavtsev)

Ex-Kanzler Gerhard Schröder will Aufsichtsrat des größten russischen Ölkonzerns Rosneft werden. Rosneft-Chef Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Putin - ein guter Freund Schröders. Dazu ein lyrischer Kommentar von Dominik Erhard.

Buddha-BüstenIn der Werkstatt des Erleuchteten

Buddha Figuren als Souvenir an einem Verkaufsstand in Chiang Mai, Thailand, aufgenommen am 28.02.2005. (Andreas Lander / dpa-Zentralbild)

Kulturbeflissene Europäer lieben es, sich Buddha-Statuen ins Haus oder in den Garten zu stellen. Aber wie geht es denen, die Buddha-Statuen herstellen? Die Handwerker und Künstlern in den buddhistisch dominierten Ländern sind bei Gläubigen zwar angesehen, aber meistens arm.

Popstar-KlatschOh my God, Rihanna hat zugenommen!

Rihanna hat zugenommen. Das könnte man jetzt einfach so feststellen und es dann gut sein lassen. Nicht so Fans und Klatschpresse. Die überbieten sich seit Monaten mit Spekulationen. Rihanna hingegen schweigt. Sie sieht es gar nicht ein, sich zu erklären.

SPD-Kanzlerkandidat"Am 25. September heißt der Bundeskanzler Martin Schulz"

Forum Politik "Der Kampf ums Kanzleramt" Moderation Michaela Kolster (phoenix) und Stephan Detjen (Deutschlandfunk) mit Gast SPD Spitzenkandidat Martin Schulz im Atrium der Deutschen Bank am 17.8.207 in Berlin, Deutschland.  (Christian Marquardt )

In Hinblick auf seine Chancen bei der anstehenden Bundestagswahl hat sich der SPD-Kanzlerkandidat optimistisch gegeben. Auch wenn Angela Merkel von vielen immer noch für unschlagbar gehalten werden, glaube er an einen Sieg. Auch, weil die SPD das differenzierteste Wahlprogramm habe.

Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier Zwei Schwarzwälder trampen um die halbe Welt

Der um die Bitte um Mitnahme mit einem Auto ausgestreckte Daumen einer Anhalterin (Tramperin) (dpa picture alliance / Arno Burgi)

Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser sind dreieinhalb Jahre durch die Welt getrampt. Sie wollten mit zehn Euro am Tag auskommen, mussten aber doch irgendwann ein Schiff buchen und einen Bulli kaufen.

"War Hostel" in BosnienÜbernachten im Kriegsgebiet

26.06.2017., Sarajevo - Arijan trägt die Uniform eines UN-Blauhelm-Soldaten: Stahlhelm, kugelsichere Weste, Springerstiefel. In diesem Aufzug empfängt er seine Hostel-Gäste. (imago stock&people)

1425 Tage lang wurde Sarajevo im Bosnienkrieg belagert. Die zerstörerischen Spuren des Krieges sind auch heute noch zu sehen. Wie es sich angefühlt hat, während der Belagerung in diesen Häusern zu leben, das wissen nur die Überlebenden. Und die Besucher des "War Hostel" von Arijan Kurbasić.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Bannon verlässt das Weiße Haus | mehr

Kulturnachrichten

Rom zeigt Solidarität mit Barcelona  | mehr

 

| mehr