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Westafrika berät Intervention in Mali

Eingreiftruppe gegen Islamisten soll Form annehmen

ECOWAS-Zentrale in der nigerianischen Hauptstadt Abuja (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
ECOWAS-Zentrale in der nigerianischen Hauptstadt Abuja (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Seit Monaten ist das westafrikanische Mali zweigeteilt, den Norden rings um die Städte Timbuktu und Gao kontrollieren Islamisten. Die Staatengemeinschaft ECOWAS will heute einen Interventionsplan beschließen.

Die Staats- und Regierungschefs von 15 westafrikanischen Ländern, die in der Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS zusammengeschlossen sind, konferieren heute in Nigerias Hauptstadt Abuja. Auf dem Tisch: eine Vorlage für die internationale Eingreiftruppe, die im derzeitigen "Sorgenkind" der Region aktiv werden soll, dem Binnenstaat Mali. 5500 Soldaten soll sie umfassen, verlautete aus Diplomatenkreisen, und dürfte damit deutlich größer werden als in den vergangenen Monaten avisiert. Lange Zeit waren rund 3200 Mann im Gespräch gewesen. Zunächst hatte Mali die Vorbereitungen blockiert, weil sich die Übergangsregierung reserviert gegenüber einer Intervention von außen gezeigt hatte.

Mali leidet unter einer doppelten Krise. Im Norden des Landes haben seit dem Frühjahr zunächst Tuareg-Rebellen, später radikale Islamisten die Macht übernommen. Sie unterdrücken unter dem Banner der Scharia die Zivilbevölkerung, indem sie einen drakonischen Strafenkatalog auch für Bagatelldelikte eingeführt haben. Zudem putschte im April in der Hauptstadt Bamako das Militär und setzte die gewählte Regierung ab. Mittlerweile hat sich die Übergangsregierung aber wieder den Partnerländern angenähert und um deren Unterstützung bei der Rückeroberung des Nordens gebeten, so dass es jetzt eher auf das Wie, nicht mehr auf das Ob ankommt.

UNO-Sicherheitsrat wartet auf den Plan

Auch Soldaten aus Ländern außerhalb der ECOWAS könnten an der Truppe beteiligt werden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Verhandlungskreise. Zum heutigen Gipfel ergingen demnach auch Einladungen an die Regierungschefs von Südafrika, Mauritanien, Marokko, Libyen, Algerien und des Tschad. Vor einer Intervention ist eine Resolution des UNO-Sicherheitsrates erforderlich. Dieser hatte im Oktober seine grundsätzliche Zustimmung erklärt, aber um die Präzisierung der ECOWAS-Pläne gebeten.

Einige der 16 berühmten Schreine in einer Moschee in Timbuktu wurden schon zerstört (picture alliance / dpa / Evan Schneider)In Timbuktu wurden zum Weltkulturerbe zählende Heiligtümer von Islamisten zerstört (picture alliance / dpa / Evan Schneider)"Die kriminellen Praktiken der Terroristen und ihre ungestraften Gräueltaten müssen dringend gestoppt werden", sagte Kadré Désiré Ouedraogo, der Kommissionspräsident der ECOWAS, zum Auftakt der Gespräche in Abuja. Dieses Ziel rechtfertige einen Militäreinsatz in Mali.

Die Staatengemeinschaft setzt zugleich auf Dialog mit den Islamisten. Eine der drei Milizenverbände im nördlichen Mali, Ansar Dine, hat bereits zugesagt, sich zu Gesprächen mit der Regierung von Burkina Faso zu treffen. Das Nachbarland hat in der Krise ein Vermittlermandat.

Westerwelle: Dringliche Situation

Europäische Staaten, darunter Deutschland und die frühere Kolonialmacht Frankreich, haben logistische Unterstützung für Mali zugesagt, wollen aber keine Kampftruppen schicken. Im Gespräch sind 200 EU-Soldaten, die als Ausbilder entsandt werden könnten. Die Krise in Mali sei "eine Herausforderung für Afrika und für die Europäische Union", schrieben Bundesaußenminister Guido Westerwelle und sein französischer Amtskollege Laurent Fabius in einem Beitrag für die "Rheinische Post" und den "Figaro".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

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