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Widerstand gegen religiöse Beschneidung

Gegner wollen ausführliche Debatte am Runden Tisch

Beschneidungen haben im Judentum und im Islam lange Tradition (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Beschneidungen haben im Judentum und im Islam lange Tradition (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Ist eine religiöse Beschneidung von Jungen mit dem Kindeswohl vereinbar? Der Bundestag fordert von der Bundesregierung einen Gesetzentwurf, der den Eingriff erlaubt. Der Bund Deutscher Kriminalbeamten kritisierte die Resolution scharf.

Das Urteil des Landgerichts Köln zur Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen war ein Paukenschlag. Das Gericht wertete solche Eingriffe erstmals nach deutschem Recht explizit als Straftat, weil es das Kindeswohl und das Recht auf körperliche Unversehrtheit verletze. Viele Ärzte nehmen seitdem solche Eingriffe nicht mehr vor. Die Religionsgemeinschaften reagierten empört. Rabbiner verglichen die juristische Einordnung sogar mit dem Holocaust. Der Beschneidung eines Jungen acht Tage nach seiner Geburt wird im Judentum große Bedeutung beigemessen; auch bei Muslimen gehört sie zur Tradition.

Die Politiker haben daraufhin rasch signalisiert, ein Gesetz zur Legalisierung des Rituals auf den Weg zu bringen. In einer Resolution des Bundestags ist die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf nach der Sommerpause des Parlaments im Herbst vorzulegen.

Beck: Religionsfreiheit tolerieren

Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen (dpa / Maurizio Gambarini)Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen (dpa / Maurizio Gambarini)Die Haltung muslimischer und jüdischer Eltern müsse respektiert werden, forderte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, im Deutschlandfunk. Der Rechtsexperte sagte, "dass jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland weiter legal möglich sein muss, und bei einer Kriminalisierung einer fachgerechten Beschneidung wäre das meines Erachtens nicht mehr der Fall". Es sei abzuwägen, ob "es nicht auch im Sinne des Kindeswohls (ist), dass es aufwachsen kann als jüdisches oder muslimisches Kind, weil im jüdischen Glauben ist eben vorgeschrieben als erstes Gebot, das von Gott in der Bibel zitiert ist, der Beschneidungsbefehl, und der begründete damals den Bund Gottes mit Abraham".

Gegner: "Schwere Körperverletzung"

Der Bund Deutscher Kriminalbeamten kritisierte die Resolution scharf. "Unsere Verfassung kann nicht durch ein einfaches Gesetz beschränkt werden, so wie es der Bundestag gerade panisch versucht", sagte der Chef des Bundes, André Schulz, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Freiheit der Religionsausübung der Eltern werde durch das "viel schwerer wiegendere Recht des Kindes auf körperliche Selbstbestimmung" begrenzt. "Eine religiös begründete Beschneidung ist laut Strafgesetzbuch eine schwere Körperverletzung."

Die Kriminalbeamten sind mit ihrer Kritik nicht allein. Gegner aus Ärzteschaft, Kinderhilfe und Kriminalbereich wollen sich an den Petitionsausschuss des Bundestages wenden. Sie planen eine Beschwerde gegen die Resolution, in der sich das Parlament für eine Erlaubnis des Eingriffs ausgesprochen hatte. Zu den Unterstützern gehören auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Deutsche Kinderhilfe und der Verband "Mogis" für Opfer sexuellen Missbrauchs. Sie fordern zudem die Einrichtung eines Runden Tisches, an dem Religionsvertreter, Ärzte, Psychologen und weitere Experten das Thema Beschneidung diskutieren sollen. In ihrem Petitionsantrag kritisieren sie, dass in der Debatte "einseitig das Thema Religionsfreiheit" dominieren und Rechte der Kinder vernachlässigt würden.

Richterbund: Strafrecht anpassen

Christoph Frank, Vorsitzender des Deutschen Richterbundes (Deutscher Richterbund)Christoph Frank, Vorsitzender des Deutschen Richterbundes (Deutscher Richterbund)Der Deutsche Richterbund begrüßt die Resolution. "Vordringlich ist eine strafrechtliche Neuregelung, damit Wertungswidersprüche ausgeräumt werden und Rechtssicherheit bei Betroffenen, Strafverfolgungsbehörden und Gerichten hergestellt wird", sagte der Vorsitzende des Richterbundes, Christoph Frank, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es müsse nun geprüft werden, wie eine "konkrete Ausnahmeregelung" für die Beschneidung von Jungen im Strafrecht geschaffen werden könne, sagte Frank.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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