Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Widerstand in Spanien und Portugal gegen Sparkurs

Großdemonstrationen in Madrid und Lissabon

Demonstranten vor dem spanischen Unterhaus in Madrid (picture alliance / dpa / EPA / Juan Carlos Hidalgo)
Demonstranten vor dem spanischen Unterhaus in Madrid (picture alliance / dpa / EPA / Juan Carlos Hidalgo)

Auf der iberischen Halbinsel wächst der Widerstand gegen den Sparkurs der Regierungen in Madrid und Lissabon. Viele Bürger wollen die international vorgegebenen, massiven Einsparmaßnahmen nicht hinnehmen.

"Feuert sie, feuert sie" skandierten gestern Zehntausende Demonstranten in Madrid. Gemeint war die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Es war bereits das dritte Mal in einer Woche, dass Tausende Demonstranten vor dem Parlament gegen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen protestierten. Am Donnerstag hatte die Regierung bei der Vorstellung des Haushalts für 2013 Einsparungen von fast 40 Milliarden Euro bekannt gegeben.

In der Nacht schlugen die ansonsten friedlichen Proteste in Gewalt um. Die Polizei in der spanischen Hauptstadt versuchte gegen Mitternacht, die noch ausharrenden Demonstranten zu zerstreuen. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke ein, mehrere Demonstranten warfen Steine und Flaschen. Das staatliche Fernsehen meldete zwei Verletzte und zwölf Festnahmen. Augenzeugen berichten von einem harten Vorgehen der Polizisten.

Sparkurs bringt Bürger auf die Barrikaden

In Lissabon folgten Zehntausende dem Ruf des Gewerkschaftsbundes CGTP und demonstrierten ebenfalls gegen den harten Sparkurs der Regierung. CGTP-Chef Arménio Carlos kündigte an, am 3. Oktober werde über die Ausrufung eines Generalstreiks beraten.

Die Regierungen in Madrid und Lissabon stehen unter dem Druck der internationalen Geldgeber von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, die Staatsfinanzen zu konsolidieren.

Die neusten Zahlen aus den beiden südeuropäischen Ländern lassen nicht auf eine Entspannung in der Finanzkrise hoffen. Im neuen Haushaltsentwurf der spanischen Regierung, der am Samstag dem Parlament in Madrid vorgelegt wurde, geht die Regierung davon aus, dass die kumulierte Staatsverschuldung bis Jahresende auf 85,3 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes steigt. Diese Quote liegt deutlich über den bisherigen Prognosen und überdies weit über dem EU-Grenzwert von 60 Prozent des BIP.

Heute Anti-Fiskalpakt-Proteste in Frankreich

In Portugal sieht es kaum besser aus. Das nationale Statistikinstitut Portugals hatte am Freitag mitgeteilt, das Haushaltsdefizit habe im ersten Halbjahr 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Das kriselnde Land hatte jüngst mit den internationalen Gläubigern die Zielmarke von 5,0 Prozent des BIP für das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr ausgehandelt. Geplant waren ursprünglich 4,5 Prozent des BIP für das Jahr 2012.

In Frankreich hat die Linksfront für heute einen Aktionstag angekündigt. Stoßrichtung ist die Sparpolitik der Regierung und die Verabschiedung des europäischen Fiskalpakts für mehr Haushaltsdisziplin.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:10 Uhr Themen der Woche

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Breitband

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Teresa von ÁvilaReformerin gegen die Obrigkeit

Ordensgründerin Teresa von Avila (1515-1582) (imago / Michael Westermann)

Ob sie vor allem als Heilige oder als Schriftstellerin zu gelten hat, als Mystikerin oder Ordensgründerin mit eiserner Willenskraft, hängt vom Blickwinkel ab. Doch Teresa von Ávila war auch eine Vorkämpferin der Emanzipation und überlistete das männliche Establishment der spanischen Amtskirche. Vor 500 Jahren wurde sie geboren.

Location-Scout für KinofilmeIm ganzen Land unterwegs

Kaufhaus im sächsischen Görlitz (picture alliance / dpa / Foto: Jens Trenkler)

Klaus Darrelmann ist Location-Scout, er fährt durch das Land und sucht nach geeigneten Drehorten. Er macht seine Arbeit so gut, dass er sogar schon dafür ausgezeichnet wurde. Das bedeutet aber auch, dass er seine Familie nur selten sieht.

USADemokratischer Strippenzieher tritt ab

Harry Reid, demokratischer Senator und Führer der demokratischen Minderheit in der oberen Kammer des Kongresses, tritt im November 2016 zurück. (picture alliance / dpa / Michael Reynolds)

Einer der einflussreichsten amerikanischen Senatoren hat seinen Rückzug aus der Politik angekündigt: Harry Reid, der Anführer der Demokraten in der oberen Kammer des Kongresses, will sich im November 2016 nicht mehr zur Wiederwahl stelle. Er gilt als effizient - auch, weil er nicht vor politischem Rufmord zurückschreckte.

Nach dem Germanwings-UnglückForderung nach regelmäßigen Psycho-Tests

Blick in das Cockpit des verunglückten Airbus A320 mit der Kennung D-AIPX der Fluggesellschaft Germanwings. Das Bild entstand am 22.03.2015 auf dem Flughafen in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) nach einem der letzten Flüge vor dem Absturz der Maschine in Frankreich.  (Marius Palmen/dpa)

Die Motive des Copiloten Andreas L. sind immer noch unklar. Auch die gefundene Krankmeldung gibt Anlass zu Spekulationen. Unterdessen forderte der SPD-Innenpolitiker Lischka als Konsequenz aus dem Germanwings-Absturz regelmäßige psychologische Tests für Piloten.

Privatinitiative Sea-WatchBrandenburger will Flüchtlinge aus dem Meer retten

Die private Flüchtlingshilfe Sea Watch hat ihr Rettungsschiff getauft (27.03.15) - Initiator Harald Höppner ist links im Bild (Imago / epd)

Harald Höppner aus Brandenburg will nicht mehr zusehen, wie Flüchtlinge im Meer ertrinken: Er hat sich kurzerhand ein Schiff gekauft. Mit dem Kutter will er zukünftig im Mittelmeer patrouillieren und Menschen in Seenot retten.

NetzpolitikDas Ende des Geoblocking?

Bei manchen Inhalten im Netz sind die Länder-Grenzen noch nicht offen. EU-Kommissar Andrus Ansip will dieses "Geoblocking" abschaffen. Ein schweres Unterfangen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Saudi-Arabien  verspricht Wiederherstellung der Sicherheit im Jemen | mehr

Kulturnachrichten

Gustavo Dudamel verlängert Vertrag in Los Angeles  | mehr

Wissensnachrichten

Flugzeugabsturz  Viele Beschwerden beim Presserat | mehr