Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wie die Welt auf den Umbruch in Libyen reagiert

Staats- und Regierungschefs bekunden Unterstützung für die Rebellen

Einwohner Bengasis feiern die Einnahme der Hauptstadt Tripolis durch Rebellentruppen. (Ap / Alexandre Meneghini)
Einwohner Bengasis feiern die Einnahme der Hauptstadt Tripolis durch Rebellentruppen. (Ap / Alexandre Meneghini)

US-Präsident Obama erkennt den Nationalen Übergangsrat in Libyen an, der deutsche Verteidigungsminister de Maizière schließt einen Bundeswehreinsatz nicht aus - und die NATO fordert die Aufgabe von Machthaber Gaddafi.

US-Präsident Barack Obama hat die weitgehende Eroberung von Libyens Hauptstadt Tripolis durch die Rebellen begrüßt. In einer Erklärung ließ er verlauten: "Tripolis entgleitet dem festen Griff eines Tyrannen." Es zeige sich, dass das Streben nach Freiheit und Würde stärker sei als die eiserne Faust eines Diktators. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, müsse Gaddafi Realitäten erkennen und seine Macht "ein für alle Mal aufgeben". Washington erkenne den Nationalen Übergangsrat an und werde auch weiterhin engen Kontakt zum diesem suchen.

Obama rief den Nationalen Übergangsrat in Libyen auf, alle Menschen im Lande auf dem Weg zu demokratischen Strukturen mit einzubeziehen. Auch republikanische Politiker würdigten die Entwicklungen im Lande als Verdienst der Libyer.

Dänemarks Premierminister und künftiger Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen spricht in Straßburg auf dem Nato-Gipfel. (AP)Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen (AP)NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen forderte Gaddafi zur Aufgabe auf. Das Militärbündnis wolle mit der libyschen Bevölkerung und dem Übergangsrat zusammenarbeiten. In den letzten fünf Monaten hat die NATO 19.877 Lufteinsätze über Libyen geflogen.

Merkel: Deutschland wird sich am Aufbau beteiligen

Deutschland wird Libyen nach den Worten von Bundeskanzlerin Merkel beim Aufbau demokratischer Strukturen intensiv unterstützen. Auf dem Flug nach Zagreb bezeichnete sie es als erfreulich, dass Staatschef Gaddafi seine politische Macht verloren habe. Weiter begrüßte Frau Merkel das geplante Treffen der Libyen-Kontaktgruppe in der kommenden Woche in Paris.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hält einen Einsatz deutscher Soldaten zur Stabilisierung Libyens (MP3-Audio) für möglich. Die Bundesregierung setze aber zunächst darauf, dass Libyen aus eigener Kraft einen stabilen Staat aufrechterhalten könne.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle auf einer Pressekonferenz zur Lage in Libyen (AP / Markus Schreiber)Bundesaußenminister Guido Westerwelle auf einer Pressekonferenz zur Lage in Libyen (AP / Markus Schreiber)Laut Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) ist es noch zu früh, über ein mögliches Engagement der Bundeswehr zu spekulieren. Eine Beteiligung deutscher Soldaten am NATO-Einsatz gegen das Gaddafi-Regime hatte Westerwelle stets abgelehnt. ER versprach jedoch Unterstützung beim Aufbau Libyens.

Gerade die Bundesrepublik, die sich nicht an der NATO-Aktion gegen das Gaddafi-Regime beteiligt habe, könne nach dessen Ablösung eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des Landes spielen, sagt der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Deutschland habe vielfältige Möglichkeiten, Libyen auf dem Weg zu Frieden, Demokratie und wirtschaftlichem Wohlstand zu unterstützen. Es sei momentan auch nicht ausgeschlossen, dass es noch zu einer militärischen Stabilisierungsmission komme, falls es in Libyen nach dem Fall Gaddafis nicht ruhig bleibe. Auch hieran könne sich Deutschland beteiligen.

London und Paris sehen sich bestätigt

Gaddafi habe gegenüber seinem Volk entsetzliche Verbrechen begangen, sagte Großbritanniens Premier David Cameron, der seinen Familienurlaub für eine Besprechung mit seinem Stab in London unterbrach. Großbritannien wolle auch nach einem Ende Gaddafis bei den anstehenden Veränderungen helfen, so Jochen Sprengler im Deutschlandfunk.

Die Briten sehen sich mit ihrem frühen Einsatz in Libyen nun bestätigt. Ähnlich waren die Reaktionen in Paris. Die Entwicklung gebe Frankreich Recht, sagte der französische Außenminister Alain Juppé. Er unterstrich damit das frühe Handeln der Franzosen, so Ursula Welter im Deutschlandfunk. Frankreich sei ein kalkulierbares Risiko eingegangen, so Juppé weiter. Frankreich hat am 10. März als erstes Land die Rebellen als Vertretung des libyschen Volkes anerkannt und wollte Botschafter nach Tripolis zu senden. Französische Spezialeinheiten unterstützen derzeit die USA vor Ort.

Mehr zum Thema bei dradio.de:

Gaddafi ist angeblich auf der Flucht
Den Haag erlässt Haftbefehl gegen Gaddafi
Feindbild Gaddafi: Die neue NATO-Strategie gegenüber Libyen
Keiner kann sich sicher sein: Internationaler Strafrichter zu Ermittlungen gegen Gaddafi
Der arabische Aufstand - Sammelportal



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Rebellen rücken immer weiter vor

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:35 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Neuer Büchner-Preisträger "Ich bedaure Autoren, die nur Romane schreiben"

Der Schriftsteller Marcel Beyer (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Gerne nimmt sich der neue Georg-Büchner-Preisträger Marcel Beyer der Nachkriegszeit in Bundesrepublik und DDR an - stets mit Rückbezügen auf die NS-Zeit. Auslöser, sich mit Geschichte zu befassen, war Beyer zufolge die Fernsehberichterstattung über den Fall der Mauer. "Geschichte ist etwas, was sich ganz akut in dieser Sekunde vollziehen kann", sagte der Schriftsteller im Deutschlandfunk.

Nobelpreisträgertagung in LindauKluge Köpfe am Bodensee

Das Handout vom 26.06.2016 zeigt das Publikum bei der Eröffnung der Nobelpreisträgertagung im Lindauer Stadttheater. (Christian Flemming  /Lindau Nobel Laureate Meetings / dpa)

Noch bis Ende der Woche läuft in Lindau das 66. Treffen der Nobelpreisträger, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Physik. Dass die Teilnehmer neben ihrem wissenschaftlichen "Know How" einen Sinn für Humor haben, das erfuhr Thomas Wagner bei seinem Besuch.

Arabische Clans in Berlin-NeuköllnVon falschen und enttäuschten Hoffnungen

Polizisten führen bei einem Einsatz eine Person in Handschellen aus einem Haus in Berlin im Bezirk Neukölln. (dpa/ picture-alliance/ Gregor Fischer)

Im April haben Sondereinsatzkommandos der Polizei bei Razzien in Berliner Wohnungen acht Männer festgenommen. Sie gehörten zu kurdisch-arabischen Clans, die speziell im Berliner Stadtteil Neukölln für schwere und organisierte Kriminalität bekannt sind. Wer sich auf die Suche nach Gründen dafür macht, stößt auf Geschichten von Entwurzelung und enttäuschten Hoffnungen. Für den deutschen Staat wird es Zeit, aus Fehlern zu lernen.

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Atatürk-Flughafen Istanbul  Türkische Regierung vermutet IS-Miliz hinter Anschlag | mehr

Kulturnachrichten

Kulturfrauen verdienen 24 Prozent weniger als Männer  | mehr

Wissensnachrichten

Computer  10.000 Dollar, weil Windows 10 den Rechner lahmlegt | mehr