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Wie unfriedlich war 2012?

Ein Blick auf Kriege und Konflikte des zu Ende gehenden Jahres

Die syrische Stadt Asas nach dem Abwurf zweier Fliegerbomben
Die syrische Stadt Asas nach dem Abwurf zweier Fliegerbomben (picture alliance / dpa / Anne-Beatrice Clasmann)

Politische Lösungen sind nicht in Sicht. Das gilt am Ende des Jahres sowohl für die bewaffneten Konflikte in Syrien und Mali als auch für den schwelenden Nahost-Konflikt. Viele weitere Orte abseits der Medienöffentlichkeit sind alles andere als befriedet.

Syrien

Seit Beginn im März 2011 hat der Bürgerkrieg in Syrien nach Angaben von Regime-Gegnern zwischen 40.000 und 50.000 Menschen das Leben gekostet. Hunderttausende sind in die Nachbarländer geflüchtet. In diesem Jahr verließen sogar die UN-Beobachter wegen der ausufernden Gewalt das Land. Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi wurde neuer Syrien-Sondervermittler und löste Kofi Annan am 1. September ab. Im UNO-Sicherheitsrat stritten die Weltmächte nach wie vor über eine Lösung – gemeinsam mit China hat Russland bislang stets eine Resolution des Weltsicherheitsrats und damit internationale Sanktionen gegen das Regime in Damaskus blockiert. Die Nato-Außenminister stimmten aber im Dezember der Entsendung von «Patriot»-Abwehrraketen ins türkische Grenzgebiet zu Syrien zu. Die Stationierung soll «ausschließlich defensiv» sein. Bis zu 400 Bundeswehrsoldaten werden sich beteiligen, beschloss das Kabinett in Berlin.

Die Opposition in Syrien ist nach wie vor zerstritten, Rebellen und die Armee von Präsident Baschar al-Assad liefern sich zum Teil schwere Gefechte. Zudem verübten ausländische Dschihadisten immer wieder zahlreiche Selbstmordattentate und zündeten Autobomben, berichtet Ulrich Leidholdt im Deutschlandfunk.

Ein Ende des Aufstands gegen das Regime ist nach Brahimis Einschätzung nicht in Sicht. Weder auf Regierungsseite noch bei der Opposition sei der Wille zu einer politischen Lösung erkennbar. Beide Seiten wollten nicht miteinander sprechen. Selbst der im Sommer in Genf verabschiedete Friedensplan, der seiner Einschätzung zufolge auch vom UN-Sicherheitsrat angenommen werden könnte, scheine keine der Konfliktparteien zu interessieren. Die Rebellen halten an ihrer Forderung nach einem Rücktritt Assads fest.

Mali

Der bewaffnete Konflikt in Mali ist im Jahr 2012 neu entstanden. Mitte Januar begannen die Tuareg-Rebellen gemeinsam mit islamistischen Gruppen für die Unabhängigkeit Nordmalis zu kämpfen. Durch einen Militärputsch gelang den Rebellen die Eroberung des als Azawad bezeichneten Nordens. Anfang Juni zerbrach das Bündnis zwischen Separatisten und den islamischen Gruppen jedoch – nun steht der Norden prinzipiell unter der Kontrolle von Islamisten. Die UNO autorisierte eine westafrikanische Eingreiftruppe, die aber erst 2013 ihren Einsatz beginnen wird. Außerdem soll im kommenden Jahr die Ausbildung der malischen Armee durch eine EU-Mission stattfinden.

Washington, Paris und Berlin warnen seit Monaten vor den Gefahren eines islamistisch beherrschten Nordmali. Es drohe die Entstehung einer Terroristen-Hochburg in einem gescheiterten Sahelstaat, der die gesamte Großregion in die Instabilität stürzen könnte. «Alle wissen, dass die Auswirkungen weit nach Afrika hinein reichen würden», warnte der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler.

Israel / Gaza

Am 14. November 2012 begann die israelische Armee ihre Angriffe auf militärische Ziele im Gazastreifen. Diese erfolgte nach Angaben der Armee unter anderem als Reaktion auf Raketenanschläge von Gaza aus, mit dem Ziel diese zu stoppen und die Fähigkeiten der dortigen militärischen Organisation zu reduzieren. Die israelische Luftwaffe tötete in Gaza gezielt den Hamas-Militärchef Ahmed al-Dschabari, auch die Regierungszentrale der Hamas in Gaza-Stadt wurde zerstört. Mehrere hundert Raketen flogen Richtung Israel. In Tel Aviv gab es erstmals seit 1991 Luftalarm. Eine Rakete schlug auch bei Jerusalem ein. Nach palästinensischen Angaben wurden 140 Menschen im Gazastreifen getötet; auf israelischer Seite starben fünf Menschen. Bei einem Bombenanschlag auf einen Stadtbus im Zentrum von Tel Aviv wurden außerdem mindestens 20 Menschen verletzt. Am 21. November wurde dann durch den ägyptischen Außenminister Mohammed Kamel Amr ein Waffenstillstand verkündet.

Neues Konfliktpotenzial birgt der Siedlungsbau. Trotz internationaler Kritik treibt Israel den Bau in Ost-Jerusalem immer weiter voran. Insgesamt sind dort mehr als 5 000 neue Wohnungen vorgesehen. Hintergrund ist der Vorstoß der Palästinenser zur Anerkennung ihres Staates bei der UNO.

Sudan / Südsudan

Der Grenzkonflikt zwischen dem Sudan und dem erst 2011 unabhängig gewordenen Südsudan wurde zwar teilweise beigelegt - beide Staaten einigten sich unter internationalem Druck auf eine entmilitarisierte Pufferzone im Grenzgebiet und die Wiederaufnahme der Ölproduktion im Südsudan. Derzeit wird weiter verhandelt – nicht alle Probleme sind gelöst. Es kam zu sporadischen Kämpfen zwischen Sudan und Südsudan. Im Zentrum dieser zwischenstaatlichen Auseinandersetzung stand dabei die Provinz Abyei, deren Zugehörigkeit auch nach der Unabhängigkeit des strittig blieb.

Viele weitere bewaffnete Konflikte

Auch in Afghanistan und dem Irak gab es immer wieder Anschläge. Der Friedensforscher Michael Brzoska geht von einem weiter eskalierenden Konflikt in Afghanistan aus. Die lokalen Konfliktparteien seien nicht an einem Frieden interessiert, so der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg im Deutschlandfunk.

Wenig Beachtung hingegen fanden beispielsweise die kriegerischen Konflikte im Nordkaukasus, in Äthiopien, Uganda, Indien (Kaschmir) oder Kolumbien. Der Drogenkrieg in Mexiko, in dem nach Schätzung der Regierung in den vergangenen sechs Jahren 70.000 Menschen umgekommen sind, gehört ebenfalls zu den Konflikten, die die meiste Beachtung im Ausland während Phasen der Zuspitzung erfahren.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

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