Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wieder ein Gedicht: Grass kritisiert Europas Griechenland-Politik

Literaturnobelpreisträger schreibt über ein "zur Armut verurteiltes Land"

Der Schrifsteller Günter Grass - nun also ein Gedicht über Griechenland und Europa. (dapd / Sebastian Willnow)
Der Schrifsteller Günter Grass - nun also ein Gedicht über Griechenland und Europa. (dapd / Sebastian Willnow)

Knapp zwei Monate nach seinem umstrittenen Israel-Gedicht meldet sich Günter Grass erneut mit politischer Lyrik: In einem zornigen Gedicht verteidigt er das hochverschuldete Griechenland vor den europäischen "Rechthabern".

In dem Gedicht mit dem Titel "Europas Schande" kritisiert der Schriftsteller Günter Grass die europäische Politik gegenüber Griechenland. Das Gedicht erschien in der Samstagsausgabe der "Süddeutschen Zeitung" und ist seit Freitagabend auf der Webseite der Zeitung zu lesen. Darin schreibt Grass, Griechenland werde "unter Schrottwert taxiert" und "als Schuldner nackt an den Pranger gestellt". Griechenland sei zur Armut verurteilt, während die Reichtümer des Landes von europäischen Museen als "Beute" gehütet würden.

Grass wendet sich in dem Gedicht direkt an Europa und erhebt schwere Vorwürfe gegen die "Claqueure" der "Kommissare", die Griechenland zwingen würden, den Gürtel enger zu schnallen. Außerdem enthält der Text mehrere historische Bezüge - darunter eine Passage, die sich als Anspielung auf die Operationen der deutschen Wehrmacht in Griechenland lesen lässt. "Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land heimgesucht, trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister." Am Schluss des Gedichtes warnt Grass, dass Europa ohne Griechenland "geistlos verkümmern" werde.

Hören Sie hier das Grass-Gedicht Europas Schande

Man sollte Günter Grass nicht mehr ganz so ernst nehmen", meint der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum von der CDU. Die Kritik des Schriftstellers gehe an der Wirklichkeit vorbei, sagte Krichbaum im Deutschlandfunk. Europa habe enorme Solidarität mit Griechenland geübt. Ohne die Hilfen durch Steuergelder wäre das Land ins Chaos geschlittert. Grass schaue bei seiner Kritik nur auf Deutschland. Die Maßnahmen der EU seien aber kein deutsches Spardiktat, sondern gemeinsame europäische Anstrengungen. Krichbaum verwies darauf, dass etwa die Renten in der Slowakei niedriger seien als in Griechenland - den slowakischen Bürgern seien daher die Hilfen für Athen nur schwer zu vermitteln.

Aufruhr nach israel-kritischem Gedicht

Mit seinem am 4. April veröffentlichten Gedicht "Was gesagt werden muss" hatte Grass erst kürzlich für internationale Empörung gesorgt. Der Literaturnobelpreisträger hatte Israel darin vorgeworfen, im Konflikt mit dem Iran den Weltfrieden zu gefährden. Israel verhängte daraufhin ein Einreiseverbot gegen den Literaturnobelpreisträger. Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte das Israel-Gedicht "ein aggressives Pamphlet der Agitation".

Diskutieren Sie mit uns auf unserer Facebook-Seite:

Mehr zu Grass' Gedicht über Israel bei dradio.de:

Westerwelle schaltet sich in Debatte um Grass-Gedicht ein
Günter Grass verteidigt umstrittenes Gedicht
Grass löst mit Gedicht zu Israels Iranpolitik heftige Debatte aus

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Rock et cetera

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Interpretationen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SPD-Parteitag in Dortmund"Überdruss an der Großen Koalition"

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende, Martin Schulz (r), besichtigt am 24.06.2017 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) zusammen mit SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die Westfalenhalle für den SPD-Parteitag. Die Sozialdemokraten wollen am 25.06.2017 auf dem Parteitag ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahl beschließen. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Die SPD müsse wieder die spezifisch sozialdemokratischen Politikangebote in den Vordergrund rücken, sagte der Historiker Peter Brandt mit Blick auf den heutigen Parteitag. Bei den Anhängern der SPD und in der Bevölkerung sehe er gleichermaßen ein starkes Bedürfnis nach einem Ende der Großen Koalition.

"Die Temperatur des Willens" beim Filmfest MünchenLegionäre Christi mit Führungsproblemen

(picture alliance / dpa / Mauro Paola)

"Die Temperatur des Willens" bietet Einblicke in das Leben des Ordens der Legionäre Christi. Regisseur Peter Baranowski berichtet von einer Welt, die mit der Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs durch den Ordensgründer tief erschüttert wurde.

Rätseln Sie mitEin betagter Herr

Geschäftsmann auf einer Treppe schaut durch ein Fernrohr auf Vögel in einem Fragezeichen. (imago)

Das gesuchte Wort hat sechs Buchstaben, drei Silben und bezeichnet eine Ägyptische Gottheit aus der Zeit der Pyramiden. Der Herr, um den es hier geht, hat also schon ein paar Tausend Jahre auf dem Buckel.

documenta 14"So etwas gab es in Griechenland noch nie zuvor"

Ausstellung von Andreas Angelidakis bei der documenta 14 in Athen: graue Blöcke sind in einem Raum gestapelt (dpa / Alexia Angelopoulou)

Mit der documenta 14 in Athen habe die griechische zeitgenössische Kunst plötzlich die internationale Bühne betreten, sagte die Leiterin des Athener documenta-Büros, Marina Fokidis, im Dlf. Sie hatte die "Kunsthalle Athena" zum Klimax der griechischen Finanzkrise initiiert, begleitet von der Wut auf Deutschlands Spardiktat - denn: "Künstler werden stärker in Zeiten der Krise".

Rolf Peter Sieferle und sein "Finis Germania"Eine "fahrlässige und hysterische" Debatte

(picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Die Schrift "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle hat eine Phalanx von Kritikern auf den Plan gerufen. Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski verteidigt den Autor, auch wenn er dessen Positionen nicht teilt - und kritisiert die Kritiker scharf.

HIV-Infektionen in ChinaGefahr im Goldenen Dreieck

(picture alliance / dpa)

Ein Viertel der neuen HIV-Infektionen in China wird aus Yunnan im Südwesten des Landes gemeldet. Die Provinz grenzt an das berüchtigte Goldene Dreieck: eine Region, die als größte Produktionsstätte für Heroin gilt. Die Bewohner wissen kaum etwas über die Ansteckungsgefahr durch das Virus, nur wenige Betroffene erhalten Hilfe.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

SPD-Parteitag  Schulz stimmt Sozialdemokraten auf Wahlkampf ein | mehr

Kulturnachrichten

"OST"-Zeichen auf Volksbühne ist weg  | mehr

 

| mehr