Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Wir haben einen ehrenhaften Sieg errungen"

Wladimir Putin gewinnt Präsidentenwahl im ersten Anlauf

Wladimir Putin und Dmitrij Medwedew vor Anhängern in Moskau (picture alliance / dpa / Dmitry Astakhov / Ria Novosti / Krem)
Wladimir Putin und Dmitrij Medwedew vor Anhängern in Moskau (picture alliance / dpa / Dmitry Astakhov / Ria Novosti / Krem)

Nach Auszählung fast aller Stimmen hat Wladimir Putin laut Wahlleitung fast 64 Prozent erhalten. Vor dem Kreml bedankte er sich bei seinen Anhängern. Beobachter berichten von Wahlfälschungen.

Wladimir Putin reklamierte den Sieg bei der Präsidentenwahl für sich. Er habe den Sieg versprochen, und dieses Ziel habe er erreicht, sagte Putin vor rund hundertausend Anhängern vor dem Kreml, in den er nun wieder einziehen wird.

Rund 64 Prozent hat Putin nach den bislang vorliegenden Auszählungen erreicht. Als Zweitplatzierter geht demnach der Kommunist Genadij Sjuganow mit knapp 17 Prozent aus dem Rennen. Wladimir Schirinowskij liegt bei gut sieben Prozent. Damit wird Nachfolger von Dmitrij Medwedew als russischer Präsident wohl sein Vorgänger Wladimir Putin sein. Seinen Herausforderern gelang es nicht, ihn in eine Stichwahl zu zwingen.

Keine Chance für die Gegenkandidaten

Der Kandidat der Kommunistischen Partei, Genadij Sjuganow, hatte auf die Stimmen der Protestwähler gehofft, die Putins Sieg im ersten Wahlgang verhindern wollen. In einer ersten Reaktion bezeichnete er die Wahlen als gefälscht und "absolut unfair". Weitere Herausforderer waren der Ultranationalist Wladimir Schirinowskij, der Unternehmer Michail Prochorow und Sergej Mironow, Vorsitzender der Partei "Gerechtes Russland". Mironow hat über Jahre viele Entscheidungen Putins mitgetragen. In letzter Zeit ging er aber auf Distanz zum Kreml.

Putin will russische Wirtschaft stärken

Seine Ziele in der Wirtschaftspolitik hat Putin klar vor Augen. Zwei Tage vor der Wahl diktierte er den Chefredakteuren von sechs westlichen Tageszeitungen in die Mikrofone, er werde Russland zur fünftgrößten Volkswirtschaft machen. Mehr Wachstum, eine Bekämpfung der Korruption, eine unternehmerfreundliche Steuerreform und die weitere Privatisierung von Staatsfirmen nannte Putin als seine Ziele.

Putin war bereits von 2000 bis 2008 Präsident Russlands. Weil nur zwei Amtszeiten zugelassen sind, installierte er Dimitrij Medwedew als Nachfolger und wechselte in das Amt des Premierministers. Da Medewedew mittlerweile die Amtszeit des Präsidenten auf sechs Jahre verlängert hat, muss sich Putin erst im Jahr 2018 einer Wahl stellen.

Beobachter sprechen von Unregelmäßigkeiten

Die Wahlbeobachtungsorganisation "Golos" und die Opposition sprachen von erheblichen Unregelmäßigkeiten während der Abstimmung. So habe es fragwürdige Wählerlisten und bereits ausgefüllte Wahlzettel gegeben. Außerdem seien Wähler in Bussen in verschiedene Bezirke gefahren worden, um ihre Stimme mehrmals abzugeben. Die Vertreterin der Oppositionspartei Jabloko, Galina Michailowa, sagte im Deutschlandfunk, dass Ausmaß der Unregelmäßigkeiten sei im Umfang mit der Duma-Wahl vergleichbar. Allein in Moskau habe man 300 Fälle registriert. Das russische Innenministerium wies Vorwürfe über massive Manipulationen zurück. Man habe zwar einige Beschwerden erhalten, es gebe aber keine ernstzunehmenden Verstöße.

Nach Informationen der Zeitung "Nowaja Gaseta" wurden im Norden Moskaus insgesamt 6000 Mitarbeiter mehrerer Baubetriebe bei der Stimmabgabe unter Druck gesetzt.

Putin und seiner Partei "Einiges Russland" war bereits bei der Parlamentswahl im Dezember Betrug vorgeworfen worden. Danach bildete sich in Russland die größte Protestbewegung seit dem Zerfall der Sowjetunion vor mehr als 20 Jahren. So fand etwa in Moskau Ende Februar eine große Protestaktion der russsischen Opposition statt. Dabei bildeten die Teilnehmer eine kilometerlange Menschenkette um die Innenstadt. Auch nach der Präsidentenwahl sollen die Proteste weitergehen. Die Opposition rief für Montag zu Demonstrationen gegen Putin auf.

Meinungen und Einschätzungen zur Präsidentenwahl in Russland

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:05 Uhr Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Hörsaal

Aus unseren drei Programmen

Kinofilm "Manifesto" Cate Blanchett in 13 Rollen

Cate Blanchett als Puppenspielerin - Surrealismus - im Film "Manifesto" von Julian Rosefeldt (Julian Rosefeldt und VG Bild-Kunst)

Nach dem Erfolg der Kunstinstallation "Manifesto" kommt jetzt eine Filmversion in die deutschen Kinos. Der Regisseur Julian Rosefeldt setzt dabei auf die Kraft der Künstlermanifeste, die er verhandelt – und die seiner Hauptdarstellerin Cate Blanchett, die alle 13 Rollen spielt.

Wundermittel oder Krebsgefahr?Der Kampf um Glyphosat & Co.

Ein Traktor fährt bei Göttingen (Niedersachsen) Ende März über ein Feld und bringt mittels einer gezogenen Anhängespritze zur Saatbettbereinigung Glykosphat aus (undatierte Aufnahme). Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft. (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und der vollständigen Nennung der Quelle) - Foto: Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa (Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa)

Ist Glyphosat ein ungefährliches Wundermittel zur Bekämpfung von Unkraut? Oder schädigt es die DNA und zerstört die Vielfalt unserer Natur? Wir diskutieren mit dem Biochemiker Helmut Burtscher-Schaden und dem Dokumentarfilmer Alexander Schiebel über die leidenschaftlich geführte Debatte.

Abschluss Klimakonferenz BonnEinigung auf Arbeitsplan

Frank-Walter Steinmeier (l.) und UNO-Generalsekretär Antonio Guterres (r.) auf der Klimakonferenz in Bonn. Mit im Bild: der Premierminister der Fidschi-Inseln, Frank Bainimarama, und Timoci Naulusala, ein Kind von den Fidschi-Inseln. (AP)

Zum Abschluss der Klimakonferenz ist das Fidschi-Momentum verabschiedet worden. Ein Dokument, das nach Meinung der Beteiligten einen ambitionierten Arbeitsplan für das kommende Jahr enthält. NGOs sehen das Gipfelergebnis aber allenfalls als Teilerfolg - und für den Klimagipfel in Polen 2018 sind Konflikte bereits vorprogrammiert.

EU-Sozialgipfel in GöteborgPolitikverdruss und soziale Frage auf der Agenda

Nahaufnahme der Hand einer alten Frau, die ein paar Münzen zählt.  (imago stock&people)

Muss Europa sozialer werden? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Ein EU-Sozialgipfel soll nun das Kompendium "Europäische Säule sozialer Rechte" erstellen. Was dieses den Bürgern bringen soll, ist noch unklar. Denn die EU kann zwar Rechte proklamieren, aber nicht durchsetzen.

100. Todestag von Auguste RodinSein Realismus verstörte die Pariser Salons

Zu sehen ist die Skulptur "Der Kuss" des französischen Bildhauers Auguste Rodin. (Imago)

Obwohl er drei Mal an der Kunstakademie abgelehnt worden war, wurde Auguste Rodin so etwas wie der Superstar der Bildhauerei. Die Expressivität seiner Figuren fasziniert auch noch heute. Vor 100 Jahren starb er in Meudon bei Paris.

Intellektuelle in den ParteienHer mit den Querdenkern!

Heinrich Böll, Günter Grass und Bundeskanzler Willy Brandt bei der öffentlichen Podiumsdiskussion aus Anlass des 1. Kongresses des Verbandes Deutscher Schriftsteller am 21.11.1970 in der Stuttgarter Liederhalle. (dpa / picture alliance)

Querköpfe und Avantgardisten neben altgedienten Parteisoldaten in der Führungsriege? Kommt eher selten vor. Die Intellektuellen bleiben lieber in der Rolle des neutralen Beobachters. Das sollte sich dringend ändern, findet Ulrike Ackermann.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Libanon  Hariri will nach Beirut zurück | mehr

Kulturnachrichten

"Tatort"-Kameramann Justus Pankau gestorben | mehr

 

| mehr