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"Wir sind das Mekka der Vorurteile und des Fanatismus"

Sechs Tote bei Attentat auf demokratische Abgeordnete in Arizona

Kerzen und Blumen vor dem Büro von Gabrielle Giffords in Tucson (AP)
Kerzen und Blumen vor dem Büro von Gabrielle Giffords in Tucson (AP)

Nach Ansicht des Bezirkssheriffs Dupnik hat das Attentat auf Gabrielle Giffords einen politischen Hintergrund, auch wenn der festgenommene Täter bisher seine Motive nicht geäußert hat. US-Präsident Obama sprach von einer Tragödie.

Die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords ist nach einem Kopfdurchschuss und einer Operation weiterhin in einem kritischen Zustand, wird aber wahrscheinlich überleben. Ein 22-Jähriger hatte auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Tucson im US-Bundesstaat Arizona zuerst auf Giffords und dann wahllos auf die Umstehenden geschossen. Dabei starben sechs Menschen, darunter ein neunjähriges Mädchen und der wichtigste Bundesrichter von Arizona. Außer Giffords wurden weitere elf Menschen verletzt.

Die Polizei glaubt, dass der 22-jährige Täter, der auf dem Parkplatz von Umstehenden überwältigt wurde, einen Komplizen hatte. Es wird nach einem etwa 50-jährigen Weißen gesucht,berichtet Anna Engelke im Deutschlandfunk. Über die Motive des Schützen ist noch nichts bekannt.

Sheriff Clarence Dupnik aus dem Bezirk Pima CountyClarence Dupnik, Sheriff von Pima CountyDer ermittelnde Bezirkssheriff Clarence Dupnik vermutet jedoch das aufgeheizte politische Klima in den USA als Hintergrund der Tat: "Die Wut, der Hass und der Fanatismus in unserem Land sind abscheulich. Und unglücklicherweise ist Arizona zum Zentrum davon geworden. Wir sind das Mekka der Vorurteile und des Fanatismus", sagte Sheriff Dupnik. Er beklagte das tägliche "rhetorische Gift", das die Medien versprühten.

Gabrielle Giffords hatte ihren Sitz im US-Kongress bei den Wahlen im November verteidigt. Sie konnte dabei aber nur knapp einen Kandidaten der radikalen "Tea Party"-Bewegung besiegen. Obwohl Giffords eine moderate Demokratin ist, war sie in dem konservativen Arizona umstritten und wurde von Republikanern angefeindet. Im März 2010 waren Fenster ihres Wahlbüros eingeworfen worden, berichtet Klaus Remme im Deutschlandfunk. Die rechte Republikanerin Sarah Palin hatte ihren Anhängern im Wahlkampf geraten: "Don't retreat - reload!" (Gebt nicht nach, ladet nach). Giffords' Wahlkreis wurde auf einer Landkarte Palins mit einem Fadenkreuz markiert. Giffords sagte: "Wer so etwas tut, muss sich darüber klar sein, dass das Konsequenzen hat."

Gabrielle Giffords am 5. Januar 2011Gabrielle Giffords wenige Tage vor dem AttentatDie 40-jährige Demokratin war bei ihrer Einlieferung in die Klinik trotz des Kopfschusses sogar bei Bewusstsein und ansprechbar. Nach der zweistündigen Operation reagierte sie auf Anweisungen der Ärzte. Viele Menschen legten vor ihrem Büro in Tucson Kerzen, Blumen und Botschaften für sie und die anderen Opfer des Attentats nieder.

Der Täter heißt Jared Lee Loughner und hat vermutlich im Internet politische Botschaften hinterlassen. Allerdings ist die zweifelsfreie Zuordnung einiger Einträge noch nicht sicher. Loughner soll Hitlers "Mein Kampf", aber auch das "Kommunistische Manifest" als Lieblingsbücher bezeichnet haben. Er ist der Polizei bereits früher aufgefallen, von einer "problematischen Vergangenheit" des Täters ist die Rede.

US-Präsident Barack Obama sprach in einer kurzen Rede im Weißen Haus von einer "Tragödie für Arizona und das ganze Land". Er nannte Gabrielle Giffords seine Freundin und bezeichnete sie als eine außergewöhnliche Staatsdienerin, die warnherzig und engagiert sei.

Unterdessen wird in den US-Medien bereits die Debatte um die möglichen Hintergründe des Attentats geführt, insbesondere über die Rolle von Sarah Palin bei der aggressiven Agitation gegen den politischen Gegner, berichtet Klaus Remme in Deutschlandradio Kultur. Palins Worte "Don't retreat, reload" werden wieder und wieder zitiert. Das politische Tagesgeschäft in Washington ruht; die Republikaner kündigten an, eine Initiative gegen Obamas Gesundheitsreform zu verschieben. Der neue Mehrheitsführer im Kongress, Boehner, ordnete Trauerbeflaggung vor dem Parlament an.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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