Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Wir sind ein Siegervolk, das ist in unseren Genen"

Putins Anhänger bejubeln ihren Kandidaten bei einer Großkundgebung

Von Gesine Dornblüth

Wladimir Putin bei der Kundgebung im Luschniki-Stadion (dpa / picture alliance / Alexey Kudenko)
Wladimir Putin bei der Kundgebung im Luschniki-Stadion (dpa / picture alliance / Alexey Kudenko)

Zehn Tage vor der Wahl am 4. März schaukelt sich die Situation in Russland hoch: Putin-Kritiker gegen Putin-Unterstützer. 130.000 Anhänger kamen heute zu einer Kundgebung in das Stadion Luschniki und wurden belohnt: Der Premierminister und Kandidat für das Präsidentenamt trat auf. Kurz, aber heftig.

In einem Meer aus weißen, blauen und roten Luftballons, den Nationalfarben Russlands, bewegten sich die Putin-Anhänger am späten Vormittag in das Stadion Luschniki. "Moskau, Russland, Putin" – das war nur eine Parole. Auf vielen Schildern stand: "Wir verteidigen das Land" oder "Gegen orange Revolutionen". Lange war offen, ob Wladimir Putin selbst in das Stadion kommen würde. Er kam. Und in einer nicht mal sieben Minuten dauernden Rede versuchte er, die patriotische Stimmung noch weiter anzuheizen:

"Wir sind hier, um zu sagen, dass wir Russland lieben. So dass uns das ganze Land hört. Und ich frage euch jetzt, und ich bitte euch, mir mit einem einfachen, kurzen "ja" zu antworten: Ich frage euch: Lieben wir Russland? (Jubel)"

Russland begeht heute den Tag der Vaterlandsverteidiger. Der Feiertag stammt noch aus Sowjetzeiten, und Putin nahm direkt darauf Bezug:

"Wir sind heute wahrhaftig Verteidiger unseres Vaterlandes. Wir lassen nicht zu, dass sich jemand in unsere inneren Angelegenheiten einmischt! Wir lassen nicht zu, dass uns jemand seinen Willen aufdrängt. Denn wir haben unseren eigenen Willen! Wir sind ein Siegervolk. Das ist in unseren Genen. Die Schlacht um Russland setzt sich fort. Der Sieg ist unser!"

Putin setzt in seinem Wahlkampf auf das Feinbild Amerika. Er unterstellt den USA nicht nur, Regierungen im Arabischen Raum zu stürzen. Die Propaganda in den staatlich kontrollierten Fernsehkanälen verbreitet auch, die USA stünden hinter den Protestdemonstrationen in Moskau und wollten Russland von innen zersetzen. Seit Dezember gingen in Moskau und anderen russischen Städten zehntausende Menschen gegen Putin und für faire Wahlen auf die Straße.

Das Putin-Lager kontert mit Massenaufmärschen wie heute im Luschniki-Stadion. Über diese Veranstaltungen heißt es häufig, die Menschen würden zur Teilnahme gezwungen oder für die Teilnahme bezahlt. Diesen Eindruck konnte man auch heute gewinnen. Überall in der Metro und auf den Straßen in der Nähe des Veranstaltungsortes sammelten sich Gruppen, ihre Anführer hakten Listen ab. Mit Reportern wollten sie nicht reden.

Putins aggressiver Wahlkampf zeigt Wirkung. Seine Umfragewerte steigen. Kremltreue Meinungsforschungsinstitute geben ihm derzeit bis zu 58 Prozent der Stimmen. Damit wäre er im ersten Wahlgang gewählt. Das unabhängige Lewada-Zentrum sieht Putin zwar nur bei 40 Prozent, attestiert ihm aber gleichfalls einen Trend nach oben. Viele Russen sind für Putin, weil sie die übrigen Kandidaten für unwählbar halten.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Albert Speer und seine HelferMär vom unpolitischen Technokraten

Projektionen historischer Dokumente sind in Nürnberg während der Ausstellung "Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zu sehen. (dpa / Daniel Karmann)

Albert Speer war der Lieblingsarchitekt Hitlers. Er wurde als Kriegsverbrecher verurteilt und ließ nach seiner Entlassung 1966 nichts unversucht, sich als unpolitischen Technokraten zu präsentieren, der verführt worden sei. Diese Legende wurde gern geglaubt – und inzwischen widerlegt.

FDP-ParteitagJa mit Aber zur doppelten Staatsbürgerschaft

FDP-Parteitag am 28. April 2017 in Berlin: Parteichef Christian Lindner hält eine Rede. (AFP / Tobias Schwarz)

Diskussionen um den Doppelpass haben das Potenzial für hitzige innerparteiliche Kontroversen. So auch auf dem Berliner Parteitag der FDP. Unsere Autorin war dabei und fasst die Beratungen über das Wahlprogramm der Liberalen zusammen.

Wavepool statt MeerAuf der Suche nach der perfekten Welle

Der Amerikaner Kelly Slater beim Wellenreiten in Brasilien. (imago/WSL)

Wellenreiten liegt im Trend. Bei den olympischen Spielen 2020 wird die Sportart deshalb erstmals vertreten sein. Weil viele Surfbegeisterte für die perfekte Welle nicht mehr so weit reisen wollen, ist ein Wettlauf um die Schaffung künstlicher Wellen entbrannt.

Joschka Fischer"Marine Le Pen wäre für Deutschland der Super-GAU"

Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt am 12.03.2015 im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der Bühne, wo er über sein neues Buch "Scheitert Europa?" spricht. (dpa)

Deutschland könne Europa nicht alleine führen, sagte der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Deutschlandfunk. Von daher sei es für die EU und Deutschland existenziell, dass Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen will, nicht französische Präsidentin werde. Ein anderer Wahlausgang wäre katastrophal.

Der Adel und der Wald in DeutschlandUnterwegs durch Privatwälder

Philipp zu Guttenberg – Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. (Deutschlandradio / Nana Brink)

Die "Deutschlandrundfahrt" spaziert sowohl mit adeligen Waldbesitzern durch ihr Refugium als auch mit einem Waldphilosophen durch den Dschungel der Eigentumsfragen.

70 Jahre nach der "Aktion Weichsel"Gedenken an die Vertreibung der Ukrainer

Der Marktplatz von Przemysl. (imago/Brockes)

Vor 70 Jahren wurden über 100.000 Ukrainer aus Südostpolen zwangsumgesiedelt. An der sogenannten Aktion Weichsel wurde nun im südostpolnischen Przemyśl gedacht. Doch die nationalkonservative PiS-Regierung will die Erinnerung nicht unterstützen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundespräsident  "Demokratische Freiheiten sind in Gefahr" | mehr

Kulturnachrichten

Benslama: "Radikalisierung ist oft Zufall"  | mehr

 

| mehr