Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Wir sind Russland für die Rettung dankbar"

Georgien und Russland vier Jahre nach dem Krieg um Südossetien

Von Gesine Dornblüth

Russische Panzer in der südossetischen Hauptstadt Tschinvali
Russische Panzer in der südossetischen Hauptstadt Tschinvali (AP)

Vor vier Jahren beschossen georgische Truppen die südossetische Hauptstadt Zchinwali, daraufhin rückten russische Panzer ein. Das Ergebnis: Russland erkannte Südossetien als unabhängigen Staat an. Seither sind die Beziehungen zwischen Russland und Georgien auf dem Nullpunkt.

Auch vier Jahre nach dem Krieg werfen sich russische und georgische Regierungsvertreter gegenseitig vor, die Situation im Kaukasus zu destabilisieren. In Georgien sind im Herbst Parlamentswahlen. Im Vorfeld steigt die antirussische Rhetorik. Russland plant im September ein Manöver im Nordkaukasus. Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili spricht von Einschüchterungsversuchen. Vizeaußenminister Sergi Kapanadze:

"Vor vier Jahren haben die Russen auch ein Manöver im Kaukasus durchgeführt. Die beteiligten Truppen nahmen später am Krieg teil. Daher sind wir sehr besorgt."

Auch Russland gibt sich besorgt. Vier Jahre nach dem Krieg rüste Georgien erneut auf, mithilfe der USA. Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch hielt den USA unlängst vor, sie hätten Georgien schon damals, 2008, mit ihrer Unterstützung zu, so wörtlich, "militärischen Abenteuern" verführt. Georgien ist ein strategischer Partner der USA. Georgische Soldaten sind in Afghanistan, US-Offiziere helfen bei ihrer Ausbildung. Lukaschewitsch vom russischen Außenministerium:

"In Anbetracht der Instabilität und der Verantwortungslosigkeit des Saakaschwili-Regimes birgt jede militärische Zusammenarbeit mit Tiflis schwerste Folgen für die Sicherheit im Kaukasus. Daher verfolgen wir die amerikanisch-georgische Militärkooperation sehr aufmerksam. Zum Beispiel eine Militärübung, bei der es offiziell um den Kampf gegen Aufständische geht. Da fragt man sich doch: Welche Aufständischen bitte?"

Georgien sei eine Gefahr für den Frieden im Südkaukasus, heißt es im russischen Außenministerium. Hintergrund des heftigen Dauerkonflikts zwischen Russland und Georgien ist Georgiens Wunsch, der NATO beizutreten. Russland will eine weitere Ausdehnung der NATO um jeden Preis verhindern, zumal in russischer Nachbarschaft. Um Georgien zu schwächen, nutzt Russland die beiden georgischen Separationsgebiete Abchasien und Südossetien. Beide Gebiete sind wirtschaftlich und politisch vollständig vom Kreml abhängig. Russland hat beide als Staaten anerkannt und dort russische Soldaten stationiert. Georgien bezeichnet Russland deshalb als "Besatzungsmacht" und Südossetien und Abchasien als "besetzte Gebiete".

Tatsache ist aber auch, dass Südosseten und Abchasen froh sind, dass die Russen da sind. Der Außenminister von Südossetien, David Sanakojew:

"Wir sind Russland sehr dankbar, dass es unser Volk 2008 vor der Vernichtung durch die georgische Aggression gerettet hat. Die Russen helfen uns. Russland garantiert für unsere Sicherheit."

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Georgien sind seit dem Krieg 2008 ausgesetzt. Sergi Kapanadze, der stellvertretende Außenminister Georgiens, stellt klar:

"Solange die Russen Südossetien und Abchasien als unabhängige Staaten betrachten, können sie keine diplomatischen Beziehungen mit Georgien haben. Denn Abchasien und Südossetien sind Teil Georgiens. Die Russen können ja keine drei Botschaften in Georgien haben."

Die russische Seite ihrerseits hat mehrfach klargestellt: Keine diplomatischen Beziehungen mit Georgien, solange Micheil Saakaschwili an der Spitze des Staates steht.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Spielraum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst

Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst.

Jean in HamburgEndlich angekommen

Jean kommt aus Kamerun. Von dort muss er fliehen. Wohin, ist ihm erstmal egal, Hauptsache er findet einen Platz, an dem er angenommen wird. Es beginnt eine lange, beschwerliche Reise. Bis er nach Hamburg kommt.

Homo floresiensis10 Jahre Streit um Hobbits

Peter Brown, einer der Entdecker des Homo floresiensis, fotografiert den Schädel des Fossils.

Das Jahr 2004 markiert in der Paläoanthropologie einen der größten Einschnitte, die es je in dieser Disziplin gegeben hat. Forscher hatten die Knochen einer neuen Menschenart präsentiert, die sie Homo floresiensis nannten. Die Überraschung bestand darin, dass diese Spezies in keine der gängigen Stammbaumtheorien passte.

Nudossi aus RadebeulNugat mit Ostalgie-Geschmack

Der Geschäftsführer der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG, Karl-Heinz Hartmann, aufgenommen am 04.07.2012 in Radebeul.

Quer durch Deutschland zieht sich auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer eine deutsche-deutsche Nugatgrenze. Im Osten gibt es fast überall eine Nusscreme zu kaufen, die in westlichen Supermärkten nur selten in den Regalen steht. Sie trägt den ostalgischen Namen Nudossi - und wird in Sachsen produziert.

MahlzeitBitter: Aromastoffe in Babykost

Ein kleines Mädchen löffelt ohne Hilfe allein und mit großem Appetit seinen Möhrenbre aus einer Plastikschüsseli.

Der europäische Diätverband wünscht sich eine Zulassung von Aromastoffen für Säuglings- und Kleinkindernahrung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält dagegen.

Cannabis am Steuer Wie breit die Polizei erlaubt

Ab einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut ist Schluss - dann kann die Polizei Fahrer aus dem Verkehr ziehen. Das Problem: Es ist gar nicht so einfach, das in Joints umzurechnen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Barroso weist Kritik  an britischer Nachzahlung zurück | mehr

Kulturnachrichten

Peter Ruzicka neuer Chef  der Salzburger Osterfestspiele | mehr

Wissensnachrichten

Ello  Anti-Facebook schreibt Werbe-Verzicht fest | mehr