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"Wir werden die Holländer hier tröstend in den Arm nehmen"

Deutsche und niederländische EU-Parlamentarier im Fußballderby-Fieber

Von Doris Simon

Ein niederländischer Fußballfan - auch er wird auf einen Sieg gegen Deutschland hoffen. (AP Archiv)
Ein niederländischer Fußballfan - auch er wird auf einen Sieg gegen Deutschland hoffen. (AP Archiv)

Die Niederlage der niederländischen Nationalelf im WM-Finale 1974 gegen Deutschland hallt noch immer, wenn auch abgeschwächt, nach. Grund genug für eine Handvoll EU-Abgeordneter aus beiden Ländern, das heutige Spiel demonstrativ gemeinsam zu gucken.

"Orange Tasche, oranges Kleid für morgen, also, wir sind bereit."

Ria Oomen Ruijten ist gerüstet für den Fußballabend. Heute Abend wagt sich die energische Europaabgeordnete aus Maasbracht mit ihren christdemokratischen Landsleuten in die Höhle des Löwen: Die Niederländer schauen sich das Spiel gemeinsam mit den Europaabgeordneten der CDU/CSU-Fraktion an. Nicht in Straßburg, sondern drüben auf der anderen Rheinseite im badischen Kehl. Das geschehe aus Mitleid mit den deutschen Kollegen, lacht Oomen-Ruijten: Dann sind die wenigstens zu Hause, wenn Deutschland verliert.

"Die Gegend, woher ich stamme, ist berühmt, auch im Fußball. Und ein Kollege aus meinem Dorf, van Bommel, wird ja auch Einiges tun. Das hat er versprochen. Ich bin absolut überzeugt, dass wir uns im Endspiel wiedersehen."

Es ist eine Premiere, dass deutsche und niederländische Christdemokraten gemeinsam den Klassiker Niederlande-Deutschland anschauen - so was hätte es früher höchstens bei den Grünen gegeben, die übrigens auch dieses Mal zusammen Fernsehen schauen im Europaparlament. CDU-Außenpolitiker Elmar Brok dagegen ist heute Abend beim deutsch-niederländischen Fußballgipfel in Kehl. Für den früheren Mittelfeldregisseur in der Jugendauswahl des FC Köln ein Beweis des inzwischen entkrampften Verhältnisses zwischen Deutschen und Niederländern, auch im Europaparlament.

"Natürlich freut man sich selten über einen Sieg so wie über einen Sieg über die Niederlande, aber es ist nicht mehr dieser ernsthafte Hass dahinter, den es doch vor zwei, drei Jahrzehnten noch gegeben hat."

Er habe keinen Funken von deutsch-niederländischer Aggression gespürt auf den Korridoren in Straßburg, bestätigt auch der liberale Europaabgeordnete Gerben-Jan Gerbrandy. Ihn ärgert nur, dass Mesut Özil für Deutschland aufläuft: So schön, wie der spiele, gehöre er eigentlich in die niederländische Elf, grinst Gerbrandy.

"Es war unsere grösste nationale Frustration, dass wir 1974 völlig zu Unrecht, wie wir fanden, das Finale verloren haben. Uns war Unrecht zugefügt worden, das mussten wir bereinigen. Alle Spiele danach waren besonders aufgeladen, und 1988 hatten wir nach dem Sieg bei der Europameisterschaft das Gefühl: Jetzt befinden wir uns wieder auf Augenhöhe. Ich glaube, bei vielen Leuten wurde damals ein Schalter umgelegt."

Was bleibt, ist der Stolz auf beiden Seiten: wenn die Kleinen gegen die Großen gewinnen, wenn Schönspieler sich gegen Rumpelfüßler durchsetzen, wenn Gemeinschaftsgeist siegt gegen geniale Individualisten oder Schwung gegen Routine. Judith Merkies zum Beispiel ist rasend stolz darauf, dass aus ihrem kleinen Heimatland so viele Spitzenspieler kommen, zu jeder Zeit. Auch die sozialdemokratische Parlamentarierin wird heute Abend vor dem Fernseher sitzen.

"In einem gemeinsamen Europa ist Fußball die richtige und politisch verständliche Art und Weise, nationalistisch zu sein ... es ist einfach spielerisch Krieg führen, ja, und das ist das Nette am Fußball: Es darf, wir dürfen da einfach alle ein wenig Kind sein."

Umso härter trifft es die Europaabgeordnete, dass ihr eigenes Kind, ein begabter Jungfußballer, noch zögert, ob er heute Abend das orange Trikot anziehen soll, das ihm die oranjebegeisterte Mutter geschenkt hat. Denn er hat auch ein Trikot der Löw-Truppe bekommen – von seinem deutschen Vater. Die Europaabgeordnete Merkies tippt dann auch- familiär auf Ausgleich bedacht- auf 1:1.

"Eigentlich möchte ich am liebsten 5:0, aber ich denke, das passiert nicht."

Die Christdemokratin Ria Oomen-Ruijten tippt 3:2, so wie auch der Liberale Gerben-Jan Gerbrandy.

Die Deutschen halten dagegen:

"2:1 für Deutschland."

Sagt der CDU-Aussenpolitiker Elmar Brok. Sein FDP-Kollege Alexander Graf Lambsdorff macht sich schon mal Gedanken, wie man danach die niederländischen Parlamentskollegen wieder aufrichten kann:

"Wir werden die Holländer hier tröstend in den Arm nehmen, wenn das Spiel vorbei ist, und ihnen ein Bier ausgeben. Aber ich bin ganz sicher, dass wir das packen werden."

Mehr zum Thema:

Portal UEFA EM 2012
Spielplan der UEFA EURO 2012 (sportschau.de)



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

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