Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wird Snowden in Moskau befragt?

Ex-Botschafter Ischinger: Vernehmung in Deutschland könnte Verhältnis zu USA schaden

Der Ex-Botschafter Wolgang Ischinger plädiert dafür, Edward Snowden nicht in Deutschland zu befragen. (MANDEL NGAN / AFP)
Der Ex-Botschafter Wolgang Ischinger plädiert dafür, Edward Snowden nicht in Deutschland zu befragen. (MANDEL NGAN / AFP)

Der Enthüller Edward Snowden ist unter Bedingungen bereit, über die Spähaffäre auszusagen. Die deutsche Politik diskutiert das Für und Wider einer Befragung in Deutschland oder Russland. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz Ischinger ist dagegen, Snowden in die Bundesrepublik zu holen.

Eine mögliche Vernehmung des Informanten Edward Snowden in Deutschland oder Russland sorgt weiter für Diskussionen. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat davon abgeraten, Snowden in Deutschland zu befragen. Er sagte im Deutschlandfunk, wenn der Eindruck entstehe, dass die Bundesrepublik gemeinsame Sache mit einer Person mache, die in den USA per Steckbrief gesucht werde, dann könne das dort genausoviel schaden anrichten wie die Spähaffäre in Europa.

Ischinger betonte, dass in den USA zunehmend Verständnis für die Empörung in Europa aufgebracht werde. Wichtig sei nun, neue Fundamente für die Vertrauensbildung aufzubauen. Ischinger hatte gestern zu Beginn einer Tagung der Sicherheitskonferenz in Washington vor zu hohen Erwartungen an ein Anti-Spionage-Abkommen zwischen den USA und Deutschland gewarnt.

Eine solche Vereinbarung werde die US-Geheimdienste wohl nur "in sehr beschränktem Umfang" an ihren Aktivitäten hindern, erklärte Ischinger. Es handele sich vor allem um "eine vertrauensbildende Maßnahme". Zugleich hatte der frühere deutsche Botschafter in Washington Verständnis für die Arbeit der US-Geheimdienste gezeigt. "Vergessen wir nicht, dass Teile der Attentäter von 9/11 aus Hamburg kamen", sagte er. Auch Deutschland und andere Staaten würden "zur Gefahrenabwehr" spionieren.

Kerry betont Bedeutung der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit

US-Außenminister John Kerry bei seinem Treffen mit dem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, am 8. Mai 2013 in Moskau. (picture alliance / dpa / ITAR-TASS / Alexandra Mudrats)US-Außenminister John Kerry will bald nach Deutschland reisen. (picture alliance / dpa / ITAR-TASS / Alexandra Mudrats)Unterdessen hat US-Außenminister John Kerry Spannungen im Verhältnis zwischen den USA und Deutschland wegen der NSA-Affäre eingeräumt. Der "Bild"-Zeitung sagte Kerry, dass die Verstimmungen aber nicht dazu führen dürften, die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit zu gefährden: "Wie Kanzlerin Merkel hat klarstellen lassen, wäre es sehr unglücklich, wenn die Anschuldigungen – wie wichtig sie auch sein mögen – uns von so vielen kritischen und wichtigen gemeinsamen Zielen ablenken würden."

Als Beispiele nannte Kerry das transatlantische Freihandelsabkommen sowie den Umgang mit Syrien und dem Iran. Er versprach außerdem, die Abhörung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schnell aufzuarbeiten und kündigte an, Deutschland so bald wie möglich wieder besuchen zu wollen. "Wir werden weiter mit unseren deutschen Verbündeten daran arbeiten, diese Themen wirkungsvoll zu besprechen", sagte Kerry der Zeitung.

Nach Einschätzung des NSA-Experten Georg Mascolo stellt die Spähaffäre für das transatlantische Verhältnis die "größte Belastungsprobe seit dem Irakkrieg" dar. Der Ex-Chefredakteur des "Spiegel" geht davon aus, dass die Direktive, die dem US-Geheimdienst eine "Feuer-frei-Zone" gegeben habe, vermutlich geändert werde. Bei Gesprächen in Washington habe er "Betroffenheit, Unsicherheit, Ärger, Einsichtigkeit" erlebt, sagte Mascolo im Deutschlandradio Kultur.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Snowden soll in Moskau bleiben - Der Wind in der NSA-Affäre hat sich gedreht
Weiter kein Asyl für Snowden in Deutschland - Parlamentarisches Kontrollgremium befürwortet Anhörung in Moskau
"Der Mann ist ein zentrales Beweismittel" - CSU-Politiker Gauweiler über Ex-NSA-Mitarbeiter Snowden und Konsequenzen aus der Spitzelaffäre
Linke will Bundesregierung zu Snowden-Asyl zwingen - Parteichef Riexinger fordert Bundestagsbeschluss
Kein Asyl für Snowden - Bündnisinteressen mit USA hätten Vorrang
Ausspäh-Affäre: USA räumen Spannungen mit Verbündeten ein - Frankreich soll amerikanische und britische Geheimdienste mit Informationen beliefern

 

Letzte Änderung: 11.11.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:05 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Update

Aus unseren drei Programmen

Reich werdenDie erste Million ist die schwerste!

US-Dollar-Scheine (picture alliance / dpa / Xie Zhengyi)

Geld regiert die Welt - im Fall von Donald Trumps Kabinett mit mehreren Milliardären und Multimillionären scheint das buchstäblich zuzutreffen. Doch wie wird man eigentlich reich und sind wir auf dem Weg zu einer globalen Oligarchie?

Religion und Politik"Wir können von Muslimen lernen"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht am 25.03.2017 bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg in der Stadthalle in Sindelfingen (Baden-Württemberg) zu Parteimitgliedern.  (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht in der steigenden Zahl der Muslime in Deutschland eine Chance. Wenn man die Ordnung des Grundgesetzes leben und verwirklichen wolle, müsse man in einen Dialog treten, wie man zusammenlebe, sagte der CDU-Politiker im DLF. Er stehe zu seinem Satz "Der Islam ist ein Teil Deutschlands". Das sei eine nüchterne Beschreibung.

MietenexplosionKleines Gewerbe in großen Städten ist bedroht

Eine Mutter mit Kleinkind geht an einem Buchladen mit gebrauchten Büchern in der Weserstraße in Berlin-Neukölln vorbei, aufgenommen 2012 (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Ein Teeladen, eine Buchhandlung, eine Bäckerei – sie alle bekamen zum Jahreswechsel die Kündigung, weil sie die geforderten Mieterhöhungen nicht zahlen können. Sechs Monate bleiben den drei Gewerbetreibenden aus Berlin – so lange läuft die Kündigungsfrist. Umziehen? Kämpfen? Oder kapitulieren?

Manchester-Attentat"Die Zerstörung der Popkultur ist ein Mittel zum Zweck"

Notfallhelfer helfen Verletzten nach dem Attentat auf die Manchester Arena am 22. Mai 2017 (imago stock&people/Zumba Press)

Dass sich der Selbstmordattentäter in Manchester ausgerechnet auf dem Konzert der Sängerin Ariana Grande in die Luft sprengte, sei eher zufällig, sagte der Islamexperte Bamdad Esmaili im DLF. Die Terroristen wollten möglichst viele junge Leute treffen. 

Musik und SpiritualitätDas ästhetische Grauen des Sakropop

Schwester Teresa bei den Proben zu ihrem Musical "Bergpredigt". (picture alliance / dpa / Stefan Kiefer)

Neben Diskussionsrunden und Messen wird es auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag viele Konzerte christlicher Bands geben. Doch deren Musik ist nicht nur ästhetisch fragwürdig, ihr fehlt auch jegliche Spiritualität, findet Wiglaf Droste.

Attac-Aktivist Christian Felber"Wir sind nicht gezwungen, uns egoistisch zu verhalten"

Politikwissenschaftler, Buchautor, Publizist und Mitbegründer der Attac Christian Felber, aufgenommen bei der Eröffnung der oberösterreichischen Kulturvermerke 2015 im Stadttheater in Gmunden (imago/Rudolf Gigler)

Die Spielregeln unserer Wirtschaft belohnen Kapitalismus, Maßlosigkeit und Gier, kritisiert der Attac-Aktivist und Autor Christian Felber. Er hat Vorschläge für eine Umverteilung von Reichtum und Macht: Alle wirtschaftliche Tätigkeit sollte auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach Manchester-Anschlag  Weitere Verdächtige festgenommen | mehr

Kulturnachrichten

Doppelte Belohnung soll Kunstraub von 1990 aufklären  | mehr

 

| mehr