Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Wirtschaft fordert Information über Bedrohung

Eröffnung des Nationalen Cyber-Abwehrzentrums

Von Philipp Banse

Das "Nationale Cyber-Abwehrzentrum" in Bonn wurde eröffnet. (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Das "Nationale Cyber-Abwehrzentrum" in Bonn wurde eröffnet. (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)

Im heute eröffneten Cyber-Abwehrzentrum sitzen nur staatliche Stellen zusammen und analysieren Angriffe aus dem Netz. Die Wirtschaft geht aber davon aus, dass Informationen auch an Unternehmen weiter gegeben werden, da die Bedrohungslagen vergleichbar seien.

Die bekannten Cyber-Angriffe auf deutsche Unternehmen fallen entweder in die Kategorie Cybercrime oder Spionage. Der Schaden ist kaum zu schätzen, dürfte aber weit in die Milliarden gehen. Attacken mit dem Ziel deutsche Finanzmärkte oder Strom- und Telekommunikationsnetze lahm zu legen, sind bisher nicht bekannt.

Bernhard Welschke vom Bundesverband der Deutschen Industrie sieht drei Herausforderungen:

"Erstens ist die Sensibilisierung wichtig der Unternehmen, die noch nicht so unmittelbar betroffen sind oder sich nicht unmittelbar betroffen sehen. Zweitens brauchen wir Unterstützung für die Unternehmen, die besonders im Brennpunkt sind, das sind die mit der kritischen Infrastruktur. Und drittens brauchen wir Wege für eine bessere Durchlässigkeit der Information - was nicht einfach ist, weil diese Informationen ja auch vertraulich sind."

Sensibilisieren, unterstützen und sich gegenseitig informieren also. Im heute eröffneten Cyber-Abwehrzentrum sitzen jedoch nur staatliche Stellen zusammen und analysieren Angriffe aus dem Netz. Die Wirtschaft geht aber davon aus, dass Informationen auch an Betriebe weiter gegeben werden, sagt Berthold Stoppelkamp von der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft, einem Verein großer Wirtschaftsverbände:

"Wir erhoffen uns sehr, dass der Informationsaustausch für die Bedrohungsrisiken für die private Wirtschaft mit denen für den staatlichen Bereich gespiegelt werden, um Strategien fest zu legen. Denn ein Netz ist ein Netz, und ob das in staatlicher oder privater Hand ist, die Bedrohungslagen sind vergleichbar."

Deswegen hat die Bundesregierung in ihrer Cyber-Sicherheitsstrategie zwei weitere Gremien beschlossen: Der Nationale Cyber-Sicherheitsrat soll bei Bedarf zusammen kommen und wird geleitet von IT-Beauftragten der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe. Vertreten sind viele Bundesministerien sowie die Länder. Wirtschaftsverbände sind als assoziierte Mitglieder dabei. An kleine und mittlere Unternehmen wendet sich die "Taskforce zur IT-Sicherheit" im Bundeswirtschaftsministerium. Hier sollen Betriebe beraten werden, wie sie ihre Netze, Server und Rechner sicherer machen können.

Und der Bedarf ist riesig, sagt Berthold Stoppelkamp von der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft: Ein Studie untersuche gerade den Sicherheitsstand bei kleinen und mittleren Unternehmen:

"Die Tendenz ist auf jeden Fall, dass eine Reihe sich schon dem Thema annehmen, aber sehr viele keine hauptberuflichen Sicherheitsexperten beschäftigen. Das hat zur Folge, dass im Bereich der IT-Sicherheit erhebliche Sicherheitslücken in der deutschen Wirtschaft bestehen. Und die gilt es zu schließen."

Auch müssten die Unternehmen Angriffe gründlich analysieren und an staatliche Stellen melden. Das scheitere bisher noch an den Kosten und der Furcht vor einem Imageschaden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:10 Uhr Zur Diskussion

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Aarhus-Projekt Dänemarks Umgang mit jungen Islamisten

Menschen erinnern am 14. Februar 2016 mit einer Lichterkette an die Anschläge vor einem Jahr in Kopenhagen. (dpa / picture alliance / Claus Bech)

Dialog und harte Hand - so beschreibt der Bürgermeister der dänischen Stadt Aarhus das erfolgreiche Projekt, Syrien-Rückkehrern die Chance zu geben, zurück in ein normales Leben zu finden. Gemeinsam mit muslimischen Mentoren geht die Polizei mit den islamistischen Extremisten in den Dialog.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

Kritik zum Katholikentag"Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert"

Teilnehmer der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben sich am 24.05.2016 in der Kongresshalle in Leipzig (Sachsen) versammelt. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Staat und Kirche müssten konsequenter getrennt werden, fordert der konfessionslose Jurist Maximilian Steinhaus anlässlich des Katholikentages. Die Gesellschaft sei so vielfältig, dass der Staat die unterschiedlichen Weltanschauungen gar nicht gerecht fördern könne.

LandwirtschaftAntibiotika kurbeln Produktion von Treibhausgasen an

Rinder in einem Stall in Deutschland. (imago stock&people)

Antibiotika werden in der Landwirtschaft nicht nur bei Krankheiten von Nutztieren verabreicht, sondern auch als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. Forscher warnen immer wieder davor, dass so antibiotikaresistente Krankheitserreger entstehen. Aber es gibt wohl noch einen weiteren Nebeneffekt.

TV in Russland Sex, Klatsch und viel Propaganda

 Russlands prominente Sex-Beraterin im Fernsehen: Anfisa Chekhova. (imago)

Das russische Fernsehen ist weitgehend unter staatsnaher Kontrolle. Aber anders als zu Sowjetzeiten, als staatstragende Medien öde und langweilig waren, wird die Propaganda heute in beliebte Unterhaltung verpackt - die einen großen Teil der Bevölkerung erreicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Japan  Merkel trifft zu G7-Gipfel ein | mehr

Kulturnachrichten

US-Sammler zahlt über drei Millionen Euro für Shakespeare-Bände  | mehr

Wissensnachrichten

Wohnen  Hotel Mama liegt voll im Trend | mehr