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Wissenschaftler wollen weiter mit H5N1-Viren experimentieren

Forschungsmoratorium zum Vogelgrippevirus abgelaufen

Ein Forscher nimmt eine Blutprobe von einer Henne
Ein Forscher nimmt eine Blutprobe von einer Henne (picture alliance / dpa / Robert Ghement)

Eine Frist ist abgelaufen, von der bisher wohl die wenigsten Notiz genommen haben - dabei könnte sie von größter Bedeutung für alle Menschen werden. Das Moratorium für Experimente mit dem hochgefährlichen Vogelgrippevirus endete.

Seit einem Jahr liegen die Forschungsversuche mit dem H5N1-Erreger auf Eis. Knapp 40 Forscher hatten sich damals freiwillig dazu entschlossen, vorerst nicht mehr mit dem Virus zu experimentieren. Amerikanische Sicherheitsbehörden befürchteten, die Viren könnten in die Hände von Terroristen gelangen, die damit eine Pandemie auslösen könnten. Doch jetzt wollen die Wissenschaftler ihrem Forschungsdrang nicht mehr widerstehen und ihre Experimente wieder aufnehmen.

Konkret geht es um Versuche von Wissenschaftlern an der Erasmus-Universität Rotterdam, die Frettchen im Labor mehrmals mit dem Virus infiziert hatten, wie Marieke Degen im Deutschlandfunk berichtet. Das Virus hatte sich per Tröpfcheninfektion unter den Säugetieren ausgebreitet. Amerikanische Forscher an der Universität Wisconsin waren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Als dann die US-Regierung darum bat, die Forschungsergebnisse nicht zu veröffentlichen, entschied man sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. 60 Tage lang würden die Wissenschaftler keine weiteren Versuche mehr mit dem H5N1-Virus mehr unternehmen. Aus den 60 Tagen wurde ein Jahr.

Der Plan der Wissenschaftler, nun weiter zu experimentieren, hat in der Fachwelt einen Streit ausgelöst. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, versuchte die Aufregung zu bremsen. Es gehe nicht um "Forschung an einem extrem gefährlichen Virus", sagte er im Deutschlandfunk. Man müsse allerdings herausfinden, welche Gefährdungspotenziale von Grippeviren ausgehen. Da gehe es vor allem um mögliche Übertragungen auf den Menschen. Diese Erkenntnisse seien wichtig für die Risikoabschätzung.

Der Mikrobiologe und Virologe Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg warnte im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur, es sei noch unklar, ob sich das Virus beim Menschen genau so schnell ausbreiten könne wie bei den Laborfrettchen. Im schlimmsten Fall sei "eine Pandemie beim Menschen" möglich. Kekulé forderte höchste Sicherheitsvorkehrungen für die Experimente. In den wenigen Fällen, in denen das Vogelgrippevirus bisher auf den Menschen übertragen worden sei, seien mehr als die Hälfte der Infizierten gestorben.

Der Direktor des Instituts für Virologie am Uniklinikum Bonn, Professor Christian Drosten, sieht keine schlagenden Argumente gegen die Wiederaufnahme der Arbeiten. Der gesellschaftliche Nutzen überwiege die Risiken der Virenforschung. Christian Drosten betonte im Deutschlandfunk, dass die Virologen mit ihrer Forschung die Risikovorhersage verbessern wollen: "Wir wollen wissen, ob in dem Tierreservoir zum Beispiel in Wasservögeln ein Virus schlummert, das in der Lage wäre, für den Menschen sehr gefährlich zu werden als neues Pandemievirus. Bei den bisherigen Pandemien, bei Influenza war das einfach so, das wir als Wissenschaftler und auch als Gesellschaft immer entgeistert zusehen mussten, was da jetzt über uns hereinbricht." Um beispielweise entscheiden zu können, ob und wie viel Virenimpfstoff man bereithalten sollte, brauche man Daten aus der Forschung.

Mehr zum Thema bei dradio.de:

Vogelgrippevirus kann "auch eine Pandemie beim Menschen auslösen" - Mikrobiologe verlangt die höchste Sicherheitsstufe für Experimente mit Killerviren

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

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