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Wolfgang Herrndorf gewinnt mit "Sand" den Preis der Leipziger Buchmesse

Weitere Preisträger sind die Übersetzerin Christina Viragh und der Historiker Jörg Baberowski

Wolfgang Herrndorf (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)
Wolfgang Herrndorf (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)

Gleich am ersten Messetag wurde in Leipzig ein prominenter Buchpreis verliehen. Die Jury entschied sich unter 15 Kandidaten für "Parallelgeschichten", "Verbrannte Erde" und "Sand". Drei Autoren nehmen je 15.000 Euro mit nach Hause.

Wolfgang Herrndorf hat für seinen Roman "Sand" den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik erhalten. Die siebenköpfige Jury kürte außerdem als bestes Sachbuch "Verbrannte Erde" von Jörg Baberowski. Die beeindruckendste Übersetzerleistung war in ihren Augen die Übertragung von Péter Nádas' "Parallelgeschichten" ins Deutsche durch Christina Viragh.

Nordafrika im Sommer des Jahres 1972, eine Altachtundsechziger-Kommune in der Einöde - und ein mörderischer Anschlag: Aus diesen Zutaten hat Wolfgang Herrndorf seinen Wüstenthriller "Sand" gestrickt. In seiner Rezension für Deutschlandradio Kultur lobt Rainer Moritz: "Wolfgang Herrndorf hat einen ungemein unterhaltsamen, verspielten Roman geschrieben, der kein Sandkorn auf dem anderen lässt."

Die Jury begründete ihre Entscheidung, "Sand" auszuzeichnen, ausschließlich mit ästhetischen Kriterien, berichtet Literaturredakteur Hubert Winkels im Deutschlandfunk. Darüber hinaus gebe es allerdings auch einen regelrechten Fan-Kult um den Schriftsteller und Blogger Wolfgang Herrndorf, der wegen einer schweren Erkrankung nicht an der Preisverleihung teilnehmen konnte.

Christina Viragh (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)Christina Viragh (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)Anwesend war aber die preisgekrönte Übersetzerin. Formal, stilistisch, inhaltlich erzähle Péter Nádas nicht in klassischer Weise, sagte Christina Viragh im Interview mit Deutschlandradio Kultur. Sie hat "Parallelgeschichten", den 1728-Seiten-Roman des Ungarn, ins Deutsche übersetzt und dafür gestern bereits den Europäischen Übersetzerpreis zugesprochen bekommen. Anfängliche Ängste, mit einem lebenden Autor könne es "etwas schwierig" werden, hätten sich zum Glück nicht bestätigt: "Er ist zu mir gekommen nach Rom, wo ich lebe, zweimal in zwei Jahren hintereinander, und wir haben über der Arbeit gesessen, haben diskutiert, aber immer in vollem Verständnis."

Jörg Baberowski (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)Jörg Baberowski (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)"Verbrannte Erde" heißt das in Leipzig ausgezeichnete Buch des Historikers Jörg Baberowski über Josef Stalin und die von ihm installierte Diktatur. Er beschreibt, wie der Zwang zur Denunziation bis in die Provinz ausgriff, erst die Kulaken, dann Partei und Offizierskorps vernichtet wurden; wie Stalin weder im Zweiten Weltkrieg noch danach vom Gewaltprinzip gegen die eigene Bevölkerung abließ. "Baberowskis sachliches Buch wird ergreifend; man ist - bei aller Vorkenntnis - heillos entsetzt", urteilt Arno Orzessek in seiner Rezension für Deutschlandradio Kultur.

470 Titel waren eingereicht

Wer den "Preis der Leipziger Buchmesse" gewinnt, kann mit lautem Medienecho und gutem Absatz rechnen. Außerdem reizt natürlich das Preisgeld von insgesamt 45.000 Euro, das zu gleichen Teilen in drei Kategorien vergeben wird. Seit 2005 werden in Leipzig ein Roman, ein Sachbuch und eine Übersetzung geehrt - nicht zu verwechseln mit dem "Deutschen Buchpreis" für den besten Roman, der jeweils im Oktober auf der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt verliehen wird.

Auf der Shortlist stehen 15 Autoren und ihre Bücher, je fünf pro Kategorie. 147 Verlage reichten 470 Titel ein, die bis zur Leipziger Buchmesse 2012 erschienen sind. Die Jury besteht aus sieben renommierten Literaturkritikern: Verena Auffermann, Johanna Adorján, Jens Bisky, Martin Ebel, Eberhard Falcke, Ingeborg Harms und Adam Soboczynski.

Clemens J. Setz, Barbara Conrad und Henning Ritter (v.l.) (AP)Preisträger 2011: Clemens J. Setz, Barbara Conrad und Henning Ritter (v.l.) (AP)2011 siegten in der Kategorie Belletristik Clemens J. Setz mit "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" (Suhrkamp Verlag), in der Kategorie Sachbuch/Essayistik Henning Ritter mit "Notizhefte" (Berlin Verlag) und in der Kategorie Übersetzung Barbara Conrad mit Tolstois Roman "Krieg und Frieden" (Carl Hanser Verlag).

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2012 waren in der Belletristik:

Anna Katharina Hahn: "Am schwarzen Berg" (Suhrkamp)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Hans von Trotha

Jens Sparschuh: "Im Kasten" (Kiepenheuer & Witsch)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Michael Opitz

Sherko Fatah: "Ein weißes Land" (Luchterhand Literaturverlag)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Sigrid Löffler

Thomas von Steinaecker: "Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen" (S. Fischer)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Wolfgang Schneider

Wolfgang Herrndorf: "Sand" (Rowohlt Berlin)



Nominiert in der Kategorie Sachbuch/Essayistik:

Carolin Emcke: "Wie wir begehren" (S. Fischer)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Kim Kindermann

Jörg Baberowski: "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt" (C.H. Beck)

Lothar Müller: "Weiße Magie. Die Epoche des Papiers" (Carl Hanser Verlag)

Manfred Geier: "Aufklärung. Das europäische Projekt" (Rowohlt Verlag)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Eike Gebhardt

Wilfried F. Schoeller: "Alfred Döblin. Eine Biographie" (Carl Hanser Verlag)
Rezension im Deutschlandfunk von Wolfgang Schneider


Nominiert in der Kategorie Übersetzung:

Caroline Vollmann: Aus dem Französischen "Mademoiselle de Maupin" von Théophile Gautier (Manesse Bibliothek der Weltliteratur)
Rezension im Deutschlandfunk von Peter Urban-Halle

Christina Viragh: Aus dem Ungarischen "Parallelgeschichten" von Péter Nádas (Rowohlt Verlag)

Hans Pleschinski: Aus dem Französischen "Nie war es herrlicher zu leben - Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ 1718-1784" (C. H. Beck)

Nikolaus Stingl: Aus dem amerikanischen Englisch "Der Tunnel" von William H. Gass (Rowohlt)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Katharina Döbler

Thomas Frahm: Aus dem Bulgarischen "Feuerköpfe" von Vladimir Zarev (Deuticke Verlag)
Rezension im Deutschlandradio Kultur von Jörg Plath

Mehr zur Buchmesse:

Interview mit Literaturkritiker Denis Scheck zum Preis der Leipziger Buchmesse
Gesamtübersicht: Unser Programm zur Leipziger Buchmesse
Von Bestsellern, E-Books und veränderten Berufsbildern
Gespräche auf dem Blauen Sofa <br> Live von der Leipziger Buchmesse (DKultur)
Bücherfrühling 2012 - <br> Auf einer Veranstaltung von Deutschlandradio Kultur stellen Autoren auf der Buchmesse ihre Neuerscheinungen vor

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

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