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Wulff, "Bild" und kein Ende der Debatte

Merkel stellt sich hinter den Bundespräsidenten

Die Debatte um Bundespräsident Christian Wulff geht weiter (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Die Debatte um Bundespräsident Christian Wulff geht weiter (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Nach der "Bild"-Zeitung widerspricht auch die BW-Bank den Ausführungen von Bundespräsident Christian Wulff in dessen TV-Interview. Derweil hat Bundeskanzlerin Merkel Wulff über ihren Regierungssprecher nach langem Schweigen "große Wertschätzung" ausgesprochen.

Die Bundeskanzlerin habe "große Wertschätzung" für Christian Wulff, sowohl als Mensch als auch als Bundespräsidenten, erklärte der Regierungssprecher der Bundeskanzlerin, Steffen Seibert. Merkel brach damit erstmals seit über zwei Wochen ihr Schweigen zu der Kredit- und Medienaffäre um den Bundespräsidenten.

Bundespräsident Wulff nahm heute den ersten offiziellen Termin in diesem Jahr war. Er begrüßte die Sternsinger, die traditionell den Segensspruch an die Tür von Schloss Bellevue schreiben. Wulff freue sich, dass das Jahr 2012 jetzt losgehe und er sich seinen Aufgaben zuwenden könne, sagte Christel Blanke im Deutschlandfunk.

Dennoch hält die Diskussion weiter an. Die BW Bank hatte am Morgen der Darstellung von Bundespräsident Christian Wulff zur Finanzierung seines Einfamilienhauses widersprochen. Der Vertrag für ein langfristiges Darlehen sei nicht, wie es Wulff im Interview mit ARD und ZDF dargestellt hatte, bereits im November 2011 zustande gekommen. Zu diesem Zeitpunkt habe man sich lediglich mündlich geeinigt. Maßgeblich für die Bank sei aber die schriftliche Form, die erst Ende Dezember bei der BW Bank eingegangen sein soll, berichtet Gerhard Schröder aus dem Hauptstadtstudio.

In dem TV-Interview bei ARD und ZDF am Mittwochabend hatte der Bundespräsident Fehler eingeräumt und volle Transparenz zur Aufklärung der Affäre um seine Person zugesagt.

Mobiltelefon mit der Anzeige für neue Mailbox-Nachrichten vor "Bild"-Logo (dpa / picture alliance / Jens Büttner)Wulff verweigerte die Veröffentlichung seiner Mailbox-Nachricht an "Bild"-Chefredakteur Diekmann. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)

Streit um Wulffs Mailbox-Nachricht

Nach dem Interview hatte die "Bild"-Zeitung der Darstellung Wulffs widersprochen, er habe die Berichterstattung über den Kredit lediglich aufschieben, aber nicht gänzlich verhindern wollen. Die Veröffentlichung seines Anrufs bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann hatte der Bundespräsident gestern verweigert.

Nach ARD-Informationenhat Wulff allerdings tatsächlich um Aufschub der Berichterstattung über seinen Hauskredit gebeten. Zugleich soll er aber auch massiv gedroht haben.

Bislang hat die Zeitung den Anruf nicht veröffentlicht. Nach Ansicht des Medienanwalts Butz Peters kann die "Bild"-Zeitung Wulffs Mailboxnachricht auch ohne dessen Zustimmung veröffentlichen. Der Straftatbestand des § 201, Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, sei nicht erfüllt. Er gehe davon aus, dass der Text demnächst anderswo im Internet auftauche, sagte Peters im Deutschlandfunk.

Politiker von CDU und FDP fordern Ende der Debatte über Wulff

Auch am zweiten Tag nach dem TV-Interview scheint ein Ende der Debatte um den Bundespräsidenten nicht in Sicht.

Der Politologe Gero Neugebauer glaubt nicht, dass Wulff die Affäre noch aussitzen könne. Durch die Verweigerung der Veröffentlichung seines Anrufs bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann gebe Wulff das Gesetz des Handelns in die Hände der "Bild"-Zeitung. Diese verfolge mit der Berichterstattung über Wulff "primär einen ökonomischen Zweck".

Der Unionspolitiker Philipp Mißfelder hat hingegen das Verhalten der "Bild"-Zeitung gelobt: Zu akzeptieren, dass Christian Wulff seine Mailboxnachricht nicht veröffentlicht sehen will, sei richtig. Es zeige, dass es sich nicht um eine Medienkampagne handele, sagte der Unionspolitiker im Deutschlandfunk. Mißfelder forderte ein Ende der Debatte um den Bundespräsidenten.

Der FDP-Haushaltspolitiker Jürgen Koppelin äußerte sich ähnlich: Die Bürger seien es leid, dass "dieses Thema seit drei Wochen nun Nummer eins" in den Medien ist. Deutschland habe andere Sorgen, als den Kampf zwischen den Medien und dem Bundespräsidenten, so Koppelin im Deutschlandfunk.

Bürger äußern Verständnis für Wulff

Die breite Bevölkerung scheint nach wie vor hinter dem Bundespräsidenten zu stehen. 60 Prozent der Deutschen sind nach einer Blitzbefragung des ARD-DeutschlandTrendsder Ansicht, Christian Wulff habe eine zweite Chance verdient.

80 Prozent der 1000 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten gaben an, das TV-Interview entweder gesehen oder sich darüber informiert zu haben. Obwohl nur 30 Prozent dieser Gruppe der Meinung waren, dass der Bundespräsident überzeugt habe, hat eine Mehrheit von 57 Prozent "den Eindruck, die Medien wollen ihn fertig machen".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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