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Wulff entschuldigt sich

Bundespräsident gesteht Fehler ein und will sein Amt weiter fortführen

Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Erklärung in Schloss Bellevue (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)
Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Erklärung in Schloss Bellevue (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Bundespräsident Christian Wulff hat sich mit einer lange erwarteten persönlichen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. Er nehme die Vorwürfe, die ihm in Zusammenhang mit einem privaten Hauskredit gemacht wurden, sehr ernst. Die entstandenen Irritationen habe er "vermeiden können und müssen".

Nach über einer Woche Dauerkritik an seinen engen Beziehungen zu vermögenden Unternehmern hat sich der Bundespräsident für seinen bisherigen Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigt. Ihm sei klar geworden, wie irritierend die private Finanzierung seines Hauses auf die Bürger habe wirken müssen. Er sehe ein: "Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig." Er hätte die Details über den umstrittenen Privatkredit für sein Einfamilienhaus früher offenlegen müssen: "Das war nicht gradlinig und das tut mir leid."

Wulff räumt Fehler ein und bleibt im Amt

Wulff betonte zugleich, er wolle sein Amt weiterhin gewissenhaft fortführen. Dafür bitte er die Bürger um ihr Vertrauen. Der Bundespräsident erklärte, private Freundschaften hätten seine Amtsführung nicht beeinflusst. "Dafür stehe ich." Er bedauere die entstandenen Irritationen. Er nehme alle Vorwürfe sehr ernst.

Unter folgendem Link finden Sie Wulffs Erklärung im Wortlaut.

Die Affäre um Bundespräsident Wulff habe nicht zum Rücktritt führen müssen, sagte Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung" im Deutschlandradio Kultur. Auch nach der Erklärung des Bundespräsidenten könnte es nach Einschätzung des renommierten Enthüllungsjournalisten für Wulff noch einmal "brandgefährlich" werden. Wenn irgendwo noch etwas einbreche, müsse Wulff "die Frage Rücktritt sich selbst stellen", sagte Leyendecker.

Olaf Glaeseker (dpa / picture alliance / Wolfgang Kumm)Olaf Glaeseker (dpa / picture alliance / Wolfgang Kumm)Zuvor war der langjährige Sprecher des Bundespräsidenten, Olaf Glaeseker, von seinen Aufgaben entbunden worden. Das gab das Bundespräsidialamt in Berlin bekannt. Laut Angaben des Bundespräsidialamtes werden die Aufgaben des Sprechers des Bundespräsidenten ab sofort kommissarisch von Petra Diroll wahrgenommen.

Wulf bedauerte die Trennung von Glaeseker und sagte: "Ich habe ihm viel zu verdanken und wünsche ihm alles Gute." Gründe für die Trennung nannte er nicht. Wie es aus Kreisen des Bundespräsidialamtes hieß, hat Glaeseker selbst um seine Ablösung gebeten, weil die Medien sich inzwischen auch für sein Privatleben interessiert hätten.

Wulff war nicht gut beraten, sagt der Politikberater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle im Deutschlandfunk. Der Bundespräsident hätte sich längst persönlich zu den Vorwürfen äußern, sich öffentlich entschuldigen und so die Vorwürfe gegen ihn aus der Welt räumen müssen. Wulff "müsste einfach sagen, ich habe Mist gebaut", meint der Politik- und Kommunikationsberater weiter.

"Wie Wulff das Thema weg bekommt, das ist noch wirklich die große Frage", sagt Michael Berger, Leiter der Niedersachsenredaktion der "HAZ" im Deutschlandradio Kultur. Selbstbild und öffentliches Bild des Bundespräsidenten stimmten nicht mehr überein, sagt Berger - bei den Lesern sei das Thema jedoch nicht der große Aufreger.

Der SPD Vorsitzende Sigmar Gabriel spricht auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)Gabriel hat von Wulff eine persönliche Erklärung zum umstrittenen Privatkredit gefordert. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Rufe nach Erklärung Wulffs wurden lauter

In der "Passauer Neuen Presse" hatte heute SPD-Chef Gabriel hat von Bundespräsident Wulff eine persönliche Erklärung zu dem umstrittenen Privatkredit gefordert. Gabriel sagte der "Passauer Neuen Presse", er halte es für unglücklich, dass sich Wulff nicht selbst, sondern nur über seine Anwälte äußere. Die Affäre trage dazu bei, dass die Menschen immer weniger Vertrauen in die Politik hätten.

Auch die Organisation "Transparency International" hatte Wulff aufgerufen, noch vor Weihnachten eine öffentliche Erklärung abzugeben. In seiner gestern aufgezeichneten Weihnachtsansprache bezieht der Bundespräsident keine Stellung zu der Affäre.

Die Staatsanwaltschaft Hannover teilte unterdessen mit, dass sie in dieser Sache keine Ermittlungen aufnehmen wird. Zur Begründung hieß es, Anhaltspunkte für das Vorliegen einer verfolgbaren Straftat seien nicht erkennbar.

Links bei dradio.de:

Wulff "müsste einfach sagen, ich habe Mist gebaut" - Politik- und Kommunikationsberater zu den Vorwürfen an Bundespräsident Wulff

Redakteur: Wulff-Affäre ist "ein Kommunikationsdesaster" <br> Michael Berger von der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zum Image des Bundespräsidenten

Wulff soll Klartext sprechen - <br> Verhalten des Bundespräsidenten in der Kreditaffäre erinnert SPD-Politiker Edathy an den Fall Guttenberg

"Alle zwei Stunden muss eine neue Nachricht her" - Journalist der Süddeutschen Zeitung über die Privatkredit-Affäre um Bundespräsident Wulff

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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