Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zank um WikiLeaks-Gründer

Julian Assange im Zentrum eines diplomatischen Streits

Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform "WikiLeaks", spricht in London zu Vertretern der Presse (AP)
Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform "WikiLeaks", spricht in London zu Vertretern der Presse (AP)

Nun schaltet sich auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ins Tauziehen um Julian Assange ein. Das umstrittene diplomatische Asyl des WikiLeaks-Gründers wird Thema einer Sondersitzung - der Riss zwischen Gegnern und Verbündeten der USA tritt zutage.

Die OAS berief das Treffen mit der großen Mehrheit von 23 Mitgliedsstaaten ein. Am kommenden Freitag soll dabei über den Streit zwischen den Regierungen von Großbritannien, Ecuador und Schweden beraten werden. Die USA, Kanada, Trinidad und Tobago stimmten dagegen.

Ecuador wirft Großbritannien "Verstoß gegen internationales Recht" vor

Assange, JulianDer Fall Assange bringt die Gegner der USA und Großbritanniens in Lateinamerika auf den Plan. Die Mitglieder der Bolivarischen Allianz für die Völker unseres Amerikas (ALBA) beraten heute in Ecuador über die Lage. Das Bündnis steht unter der Federführung von Venezuela und Kuba - sowohl der venezolanische Präsident Hugo Chávez als auch der kubanische Staatschef Raúl Castro stehen mit sozialistisch-marxistischen Politiklinien auf Konfrontationskurs zu den USA.

Genossen und Verbündete: Boliviens Präsident Evo Morales (l.) und Ecuadors Präsident Rafael Correa (picture alliance / dpa / Paolo Aguilar)Genossen und Verbündete: Boliviens Präsident Evo Morales (l.) und Ecuadors Präsident Rafael Correa (picture alliance / dpa / Paolo Aguilar)Und auch Ecuadors Präsident Rafael Correa, der seinen Linkspopulismus als "bolivarianisch" bezeichnet, und der bolivianische Sozialist Evo Morales werden wohl die Gelegenheit nutzen, sich gegenüber den USA und Großbritannien zu positionieren. Nicht nur das praktische Stilllegen der Enthüllungsplattform WikiLeaks durch US-Firmen und -Regierung ist Wasser auf die Mühlen ihrer Kritik an der als dominant gegeißelten angloamerikanischen Politik.

Dass Großbritanniens nun auch noch gedroht haben soll, zur Festnahme von Assange notfalls in die Botschaft des Landes in London einzudringen, stelle einen "Angriff auf die nationale Souveränität" dar und sei ein Verstoß gegen internationales Recht, heißt es in der Erklärung des ecuadorianischen Parlaments. Der britische Außenminister William Hague hatte zuvor gesagt, es gebe keine solche Drohung. Großbritannien müsse aber seine internationalen Verpflichtungen erfüllen.

Assanges Quelle sitzt seit 800 Tagen in Haft

Ecuador hatte dem 41 Jahre alten Australier Julian Assange, der sich vor rund acht Wochen in die Botschaft geflüchtet hatte, gestern offiziell Asyl gewährt. Großbritannien will Assange allerdings kein freies Geleit für einen Flug nach Ecuador gewähren. Gegen ihn wird in Schweden wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung ermittelt, und mehrere britische Gerichte haben bestätigt, dass der von Schweden herausgegebene EU-Haftbefehl rechtens ist. Großbritannien muss ihm folge leisten und Assange ausliefern.

Assange jedoch fürchtet für den Fall eine Auslieferung nach Schweden, dass er von dort in die USA weitergereicht werden und mit dem Tode bestraft werden könnte. Er hatte mit der Veröffentlichung vertraulicher US-Depeschen auf seiner Internetplattform WikiLeaks die US-Regierung gegen sich aufgebracht. Die USA verfolgen Assange allerdings nicht offiziell des Hochverrats, sie haben weder bei Schweden noch bei Großbritannien die Auslieferung beantragt. Nach geltendem Recht dürften ihn die schwedischen Behörden auch nicht überstellen, sollte ihm in den USA die Todesstrafe drohen. Bereits seit über 800 Tagen sitzt jedoch Assanges Quelle, der Soldat Bradley Manning, ohne Prozess in Untersuchungshaft.

Ecuador: Schweden schließt Auslieferung an USA nicht aus

Dutzende Anhänger von Julian Assange protestieren in London (picture alliance / dpa / EPA / Facundo Arrizabalaga)Dutzende Anhänger von Julian Assange protestieren in London (picture alliance / dpa / EPA / Facundo Arrizabalaga)Auch wenn es sein könne, dass der Australier Vergehen begangen habe, begründete gestern Ecuadors Präsident Correa die Asylentscheidung, habe man dem Asylantrag stattgegeben. Schweden habe nicht versichern wollen, von einer Auslieferung des 41-Jährigen in die USA abzusehen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Dlf-Magazin

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Auslaufmodell Businessmode Warum man Kompetenz nicht anziehen kann

Eine Frau im Businesskostüm  (Picture Alliance / Patrick Pleul)

Businesslook als Zeichen von Seriosität und Fachkenntnis? Das war einmal. Chefs lösen ihre Krawatten und Bankangestellte sollen sie ganz ablegen - für mehr Kundennähe. Kompetenz vermittelt sich heute nicht durch einen schlecht sitzenden Anzug, sondern durch Wissen und Empathie.

ABBA-Ausstellung "Super Trouper"Strahlende Schweden im dunklen Britannien

Die Mitglieder der schwedischen Popgruppe "Abba" (von links nach rechts): Benny Andersson, Annafrid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson 1974 im südenglischen Brighton 

Die schwedische Band ABBA wird im Londoner Southbank Centre mit der Ausstellung "Super Trouper" geehrt. Die zeigt nicht nur Exponate der Band, sondern zeichnet auch ein düsteres Bild Englands in den 1970er-Jahren.

FilmwirtschaftDisneys Deal mit "21st Century Fox"

Das Logo des US-Unterhaltungsriesen Disney auf einem Bildschirm, im Hintergrund das Handelsparkett der New Yorker Börse (AP Photo/Richard Drew)

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney steht kurz davor, Teile des Medienunternehmens "21st Century Fox" von Rupert Murdoch zu kaufen. Dies sei eine Reaktion auf die digitale Konkurrenz wie Netflix oder Amazon, erklärt Caspar Busse von der "SZ".

Islamexperte Ahmad Mansour"Antisemiten sind selbstbewusster geworden"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamexperte Ahmad Mansour fordert ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen sich zu äußern, sagte der Psychologe im Dlf. Den aktuellen Antisemitismus hält er für herkunftübergreifend.

Vor 30 Jahren Warum ein Verkehrsunfall zur Gründung der Hamas führte

Anhänger der Hamas demonstrieren am 14.12.2016 in Gaza-Stadt. (dpa / EPA / Mohammed Saber)

Ein tragischer Verkehrsunfall und Gerüchte waren der Auslöser für die Gründung der Hamas am 14. Dezember 1987. Seitdem kämpft die radikal-islamische Bewegung für das palästinensische Volk und "seine Freiheit, seine Rückkehr und seine Unabhängigkeit im Namen Gottes".

Anke Engelke über "Sowas wie Angst"Gefühle sind stärker als Statistiken

Die Schauspielerin und Autorin Anke Engelke schaut 01.12.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) nach einem dpa-Gespräch im die Kamera. (zu dpa «Anke Engelke: «Habe mich als Kind schon supergern verkleidet»» vom 03.12.2017) Foto: Henning Kaiser/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

In einer WDR-Dokumentation macht sich die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke auf die Suche nach der Angst in unserer Gesellschaft. Sie sagt, die Kriminalstatistik könnte einem eigentlich die Angst nehmen, aber bei Vielen seien die Gefühle eben stärker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Netzneutralität wird aufgeweicht | mehr

Kulturnachrichten

Deutsches Filminstitut erhält Curd-Jürgens-Rechte | mehr

 

| mehr