Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zapfenstreich in Bosnien

Bundeswehr beendet längsten Auslandseinsatz

Ein Einsatzfahrzeug Wolf der Bundeswehr überquert eine Brücke bei Sarajevo (picture alliance / dpa / Lars Pötzsch / Bundeswehr)
Ein Einsatzfahrzeug Wolf der Bundeswehr überquert eine Brücke bei Sarajevo (picture alliance / dpa / Lars Pötzsch / Bundeswehr)

Seit 1996 haben rund 63.500 deutsche Soldatinnen und Soldaten den Frieden in Bosnien-Herzegowina überwacht. Jetzt kehren die letzten heim. Ihr Einsatz wird als Erfolg gewertet, das Land kämpft trotzdem weiter mit Schwierigkeiten.

Die "Nachhut" war zahlenmäßig eher bescheiden: Gerade drei Soldaten waren zuletzt auf Posten in Camp Butmir am Rande von Sarajewo. Sie rollten nach Angaben der Bundeswehr heute die deutsche Flagge ein und werden das Land am Freitag verlassen. Zur Verabschiedung kamen Soldaten der Partnerländer in der internationalen EUFOR-Mission sowie die deutsche Botschafterin in Sarajewo. Dabei wurde auch der 18 deutschen Soldaten gedacht, die während des Einsatzes ums Leben kamen.

Damit geht für die Bundeswehr ihr bisher längster Auslandseinsatz zu Ende. Nach dem Friedensvertrag von Dayton 1995 galt es, das Gleichgewicht im jungen Vielvölkerstaat zu garantieren. Dazu diente zunächst die Schutztruppe IFOR, später SFOR, die unter Regie der NATO stand und 2004 in die europäisch geleitete EUFOR überging. Zu den Aufgaben der Soldaten gehörte es, Militärverbände zu entwaffnen und die Waffen anschließend zu vernichten. Dazu kümmerten sie sich auch um die Ausbildung einheimischer Sicherheitskräfte. Die Bundeswehr half mit, die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen und setzte Brücken und Straßen instand.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe dankte den Soldaten für ihr Engagement. Sie hätten dazu beigetragen, dass "Bosnien-Herzegowina nach den Gräueln des Bürgerkriegs wieder die Chance auf eine gute Zukunft hat", so Gröhe.

Ethnische Gräben klaffen weiterhin

Nur im Fußball sind die Bosnier geeint: ein begeisterter Fan beim EM-Relegationsspiel gegen Portugal in Lissabon. (picture alliance / dpa /Tiago Petinga)Nur im Fußball sind die Bosnier geeint: Partie gegen Portugal in der vergangenen EM-Qualifikation (picture alliance / dpa /Tiago Petinga)Während der Einsatz unter Beteiligung der Bundeswehr insgesamt als Erfolg gewertet wird, schweben über der Zukunft Bosnien-Herzegowinas viele Fragezeichen. Das Land ist befriedet, aber extrem schwierig zu regieren. Es besteht aus zwei Landesteilen: einer bosnisch-kroatischen und einer serbischen Teilrepublik. Beide Hälften haben weitreichende Autonomie und arbeiten oft gegeneinander, der Zentralstaat dagegen ist schwach. Vom knapp vorhandenen Geld fließt viel in die Verwaltung des kompliziert austarierten Staatsapparates.

Rund 1200 ausländische Soldaten bleiben vorerst in Bosnien-Herzegowina, etwa aus Österreich, der Türkei und Ungarn.

Mehr auf dradio.de:

War der Bosnien-Einsatz der Bundeswehr ein Erfolg?- Interview mit dem Sicherheitspolitiker Winfried Nachtwei, Bündnis 90/Die Grünen
Bundeswehr geht, Probleme bleiben - Politische Dauerlähmung in Bosnien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Die besondere Aufnahme

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Pastorentöchter und gute Hirten Von der Kunst des Regierens

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) in einer Bildkombo (AFP Photo / Odd Andersen / Fred Tanneau)

Bis zum letzten Moment kämpfen die Parteien um die Wähler. Programme, Themen und Personen sollen noch schnell in den Köpfen der Bürger verankert werden. Aber was heißt es genau, gut zu regieren? Wir fragen den Soziologe Ulrich Bröckling.

Techcrunch-KonferenzUS-Start-ups entdecken künstliche Intelligenz

Blaupause für einen roboterhaften vitruvianischen Mann (imago/Ikon Images)

Die Start-up-Konferenz Techcrunch Disrupt in San Francisco ist ein Spiegelbild der angesagten Themen im Silicon Valley. Etwa 100 Unternehmen präsentierten hier ihre Themen. Immer mehr Geschäftsideen setzen dabei auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Raubkunst im Humboldt Forum?Haus der Weißen Herren

Benin Büsten im Museum Dahlem (Lorenz Rollhäuser)

Wie viel koloniale Arroganz steckt in der Planung des Humboldtforums? Eine Recherche in Deutschland und Nigeria.

Bundestagswahl 2017Brauchen wir eine Wahlpflicht?

Auf einem Schild steht "Zum Wahllokal", darunter ein roter Pfeil. (imago / CHROMORANGE)

Am Sonntag ist es wieder soweit: Rund 61,5 Millionen Bürger sind aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Aber wie viele werden ihr Wahlrecht wahrnehmen? Immer weniger machen ihr Kreuzchen. Wie kann man der Wahlunlust entgegensteuern?

Die EU und der Brexit"Das Ziel ist, kein Scheitern zu sehen"

Sir Sebastian Wood, britischer Botschafter in Deutschland. (pa/dpa/Carstensen)

Am 1. April 2019 soll es soweit sein: Dann verlässt Großbritannien die EU. Die Uhr ticke, sagte der britische Botschafter Sebastian Wood im Dlf. Nun gehe es darum, über die Zukunft zu sprechen und dabei die Interessen der Bürger und Unternehmen zu berücksichtigen. Ziel sei es, einen guten Deal für beide Seiten auszuhandeln.

Unabhängigkeitsreferendum im Irak"Daumenschrauben für Bagdad"

Jochen Hippler, Politologe und Friedensforscher an der Universität Duisburg (Imago / Metodi Popow)

"Ich halte es für ziemlich ausgeschlossen, dass nach dem Referendum wirklich die Unabhängigkeit ausgerufen wird", sagte der Politologe Jochen Hippler im Dlf. Die Abstimmung der nordirakischen Kurden am Montag sei eher ein Hebel, um Bagdad zu Zugeständnissen zu bewegen. Die Eskalationsgefahr sei aber hoch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nordkorea  US-Luftwaffe zeigt Präsenz im Luftraum | mehr

Kulturnachrichten

Berliner Volksbühne bleibt besetzt  | mehr

 

| mehr