Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

Zehn Jahre Guantanamo und kein Ende

Berüchtigtes US-Gefangenenlager auf Kuba

Gefangene in Guantanamo
Gefangene in Guantanamo (AP Archiv)

Es gilt als erster Sündenfall im Antiterrorkampf der USA: Vor genau zehn Jahren brachte die US-Armee die ersten Gefangenen in die amerikanische Militärbasis Guantanamo auf Kuba. 780 Gefangene wurden in der Folgezeit in dem berüchtigten Gefängnis inhaftiert. Noch immer sitzen 171 Häftlinge ein. Für US-Präsident Barack Obama bleibt die Hinterlassenschaft seines Vorgängers eine schwere Bürde.

Am 11. Januar 2001 wurden die ersten 20 Gefangenen in das umstrittene Lager auf dem US-Marinestützpunkt auf Kuba gebracht. Kniende Häftlinge in orangefarbener Häftlingskleidung, gefesselt an Händen und Füßen, die Augen und Ohren verbunden - diese Bilder machten den Namen Guantanamo weltweit bekannt und berüchtigt.

Das Lager sollte den USA im Anti-Terror-Kampfs nach den Anschlägen des 11. September 2001 dienen. In Afghanistan gefangene Kämpfer von Al Kaida und der Taliban wurden in dem Hochsicherheitsgefängnis interniert. Die Regierung unter US-Präsident George W. Bush betrachtete die Insassen als "ungesetzliche Kombattanten" und nicht als Kriegsgefangene. So verwehrte sie ihnen die Anwendung der Genfer Konvention von 1949.

Die US-Flagge weht im Gefängnis von Guantanamo auf KubaDie US-Flagge über Guantanamo (AP)Auch das verfassungsmäßige Recht zum Schutz vor staatlicher Willkür, die sogenannte "Habeas Corpus" Grundsatz, galt nach Auffassung der Regierung nicht, da Guantanamo nicht auf dem Staatsgebiet der USA liegt. Wiederholt hatte sich der Oberste Gerichtshof mit den Zuständen im Lager beschäftigt. Doch Wesentliches ändern konnten die Obersten Richter nicht. Berichte von Gefangenen in Drahtkäfigen oder Verhörmethoden wie Schlafentzug oder Waterboarding gingen um die Welt.

Bushs Nachfolger Barack Obama hatte die Schließung des Lagers 2008 zum zentralen Wahlkampfversprechen gemacht. Doch die Frist, die sich Obama für die Schließung setzte, ist seit zwei Jahren verstrichen. Mehr noch: Seine Regierung nahm die Militärtribunale in dem Lager wieder auf.

Dabei hielten auch die US-Amerikaner Guantanamo für einen Schandfleck, sagte der Politologe Andrew Denison im Deutschlandfunk. Trotzdem seien sie mehrheitlich dagegen, die Häftlinge in den Vereinigten Staaten anzuklagen und zu inhaftieren. Erschwerend komme hinzu, dass Länder wie Deutschland sich weigern, Gefangenen Asyl zu gewähren. Ob Obamas nicht eingehaltenes Versprechen eine Rolle im aktuellen Wahlkampf spielen wird, erkärte der Amerikanist Crister Garret in DRadio Wissen.

Mehr zum Thema:
Sammelportal 9/11 - Zehn Jahre danach



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Obamas gebrochenes Versprechen

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Querköpfe

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:33 Uhr Hörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Bergtouren in NepalSolidarisch mit den Sherpas

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner kritisiert den Tourismus am Mount Everest. Hunderte von nepalesischen Bergführern würden "ihren Kopf dafür in die Schlinge legen", damit "reiche Leute" den Gipfel erreichen.

20 Jahre BahnreformNoch immer Herrin der Schiene

Teil des Berliner Hauptbahnhofs (tief), aufgenommen am 12.09.2013. Der Bahnhof beherbergt fünf Verteilerebenen, der Höhenunterschied zwischen der obersten und untersten Ebene liegt bei 25 Metern. Foto: Peter Endig

Vor 20 Jahren entstand die Deutsche Bahn in ihrer heutigen Form. Die Länder bestimmen, wie viele Nahverkehrs- und Regionalzüge in ihrem Gebiet fahren sollen und es herrscht zudem Wettbewerb auf der Schiene. Doch es gibt auch Probleme.

Tourette-SyndromElektrische Ströme gegen die Tics

Das Modell eines menschlichen Gehirns

Unkontrollierte Zuckungen, Flüche und Beschimpfungen: Wer am Tourette-Syndrom erkrankt ist, leidet stark unter den Folgen. Nun aber gibt es Hoffnung für Betroffene: Hirnschrittmacher lassen die Tics fast völlig verschwinden.

Netzpolitik"Signal an Überwachungsstaaten"

Ein Messebesucher sitzt am 09.03.2014 auf dem Messegelände der CeBIT in Hannover (Niedersachsen) auf dem Stand der Firma VDE.

Der Rechtsexperte Matthias Kettemann sieht die Macht im Internet ungleich verteilt. Er pocht auf ein internationales Internetrecht. Das auf der Konferenz "Net Mundial" diskutierte "Multi-Stakeholder-Modell" hält er nicht für durchführbar.

Massaker im Südsudan"Die Katastrophe ist schon da"

Ein Foto des Kinderhilfswerks UNICEF zeigt drei Kinder in der südsudanesischen Stadt Mingkaman, während sie erschöpft darauf warten, als Hilfesuchende registriert zu werden.

Die Vereinten Nationen berichten von einem Massaker mit Hunderten Toten im Südsudan. Solche brutalen Übergriffe finden seit Mitte Dezember immer wieder statt, sagte Sudan-Expertin Marina Peter im DLF. Es drohe ein Ausmaß wie in Ruanda 1994.

ChronobiologieSpätschichten für Nachteulen

Zu müde zum Arbeiten

Der Kurort Bad Kissingen dreht am Rad der Zeit und will Erkenntnisse der Chronobiologie auf das Leben in der Stadt übertragen. Wer gerne früh aufsteht soll Frühschichten, Nachteulen dagegen spätere Dienste übernehmen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Israel und USA  reagieren skeptisch auf innerpalästinensische Einigung | mehr

Kulturnachrichten

Messner:  Touristische Mount-Everest-Besteigungen sind fragwürdig | mehr

Wissensnachrichten

Biologie  Biologie: Eines der größten Korallenriffe in 500 Metern Tiefe entdeckt | mehr