Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zehn Jahre nach dem Krieg: Wiederaufbau im Kosovo

Die Lage im jetzt unabhängigen Land bleibt angespannt

Die meisten Staaten Europas sowie die USA haben die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt. (AP)
Die meisten Staaten Europas sowie die USA haben die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt. (AP)

Vor zehn Jahren begann mit den Luftangriffen der NATO auf Jugoslawien der Kosovo-Krieg. Es war der erste Militäreinsatz im Dienste der Menschenrechte und der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr. Seit knapp einem Jahr ist die Republik Kosovo unabhängig. Doch im "Armenhaus Europas" sind längst noch nicht alle Wunden geheilt.

Die Wurzeln des Kosovo-Konflikts

Die Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern im Kosovo sind Grund für das Eingreifen der NATO und haben historische Wurzeln. Spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts strebten die Kosovo-Albaner nach einer modernen, staatlichen Unabhängigkeit.

Die Serben wiederum betrachten den Kosovo als "heiliges Land". Hintergrund ist eine machtentscheidende Schlacht der Serben gegen die Osmanen im Jahr 1389 auf dem Amselfeld im Gebiet des heutigen Kosovo. Militärisch-taktisch ging die Schlacht nach heutigen Erkenntnissen unentschieden aus, doch waren die Osmanen in ihrer Gesamtmacht stärker. Fortan galten die unterlegenen serbischen Kämpfer als Helden und das Amselfeld ("Kosovo polje"= Amselfeld) wurde zu einem mythisch-verklärten Ort, dem "serbischen Jerusalem".

Nach dem Ende des Kommunismus im 20. Jahrhundert zerfiel Jugoslawien in Teilrepubliken. Serbien beharrte danach unter seinem damaligen Präsidenten Slobodan Milosevic auf seinem Gebietsanspruch im Kosovo. Doch spätestens mit dem Bürgerkrieg ab 1997 war das blutige Ende des Vielvölkerstaats besiegelt. Dieser Geschichtsverlauf und der folgende Kosovo-Krieg hinterließen tiefe Spuren auch in der Kultur der Serben, sagte der Schriftsteller Ivan Ivanji im Deutschlandfunk.

1998 gingen serbische Sicherheitskräfte gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Kosovo-Albaner vor, auch gegen die UCK - die Kosovo-Befreiungsarmee. Hunderttausende flohen. Die UN verurteilten die Aktionen, die NATO drohte mit Luftangriffen. Zunächst lenkte Präsident Milosevic ein, doch 1999 berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk von Grenzverletzungen der Serben im Kosovo, von ethnischen Säuberungen und rund 460.000 Vertriebenen. Die NATO handelte am 24. März 1999, ohne offizielle UN-Resolution. Auch Deutschland beteiligte sich an den Luftschlägen.

Die völkerrechtliche Legitimierung des Krieges

Der NATO-Angriff auf Serbien erfolgte ohne UN-Mandat. Doch Russland und China hätten einer dazu erforderlichen separaten UN-Resolution nicht zugestimmt. Zehn Jahre nach den Bombardierungen beurteilte der damalige Vorsitzende des NATO-Militärausschusses General Klaus Naumann den Militäreinsatz im Deutschlandfunk: "Das ist legitim, wenn es auch nicht ganz legal gewesen sein mag", sagte Naumann. Die rot-grüne Bundesregierung hatte dem ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr zugestimmt. Doch besonders bei den Grünen wurde diese Entscheidung kontrovers diskutiert.

Auch zehn Jahre nach dem Kosovo-Krieg bleiben die Argumente und Gründe für das Eingreifen der NATO sowohl im Kosovo als auch in Serbien und in den NATO-Mitgliedsstaaten umstritten, resümiert ein Beitrag in Europa heute vom Deutschlandfunk.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Gert Weisskirchen, bekräftigt, die NATO habe damals keine andere Wahl gehabt. Nur so sei es möglich gewesen, im Kosovo Schlimmeres zu verhindern. Zudem habe man der Demokratie in Serbien eine Chance gegeben, fügte Weisskirchen hinzu.

Nach dem elfwöchigen Krieg und dem folgenden Einlenken Serbiens wurde der Kosovo im Juni 1999 der Verwaltung der Vereinten Nationen unterstellt. Formell gehörte er bis zur Unabhängigkeitserklärung im vergangenen Februar zu Serbien. Seit Dezember letzten Jahres überwacht außerdem die Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union (EULEX) den Wiederaufbau des Kosovo. Doch dieser gestaltet sich trotz der internationalen Unterstützung als schwierig.

So sei zwar die Sicherheit im Kosovo gewährleistet, beim Aufbau der Verwaltung sei allerdings noch sehr viel Arbeit nötig, betonte der in Deutschland lebende Journalist mit kosovarischen Wurzeln, Beqe Cufaj, im Deutschlandradio Kultur. Fehler machten dabei der Kosovo selbst, aber auch die internationale Gemeinschaft. Das Zusammenleben zwischen den Kosovo-Albanern und der serbischen Minderheit sei weiterhin konfliktreich: "Heute haben wir die Lage, dass es doch nebeneinander gelebt wird", so Cufaj.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:15 Uhr Interview

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:20 Uhr Politisches Feuilleton

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Auslaufmodell Businessmode Warum man Kompetenz nicht anziehen kann

Eine Frau im Businesskostüm  (Picture Alliance / Patrick Pleul)

Businesslook als Zeichen von Seriosität und Fachkenntnis? Das war einmal. Chefs lösen ihre Krawatten und Bankangestellte sollen sie ganz ablegen - für mehr Kundennähe. Kompetenz vermittelt sich heute nicht durch einen schlecht sitzenden Anzug, sondern durch Wissen und Empathie.

ABBA-Ausstellung "Super Trouper"Strahlende Schweden im dunklen Britannien

Die Mitglieder der schwedischen Popgruppe "Abba" (von links nach rechts): Benny Andersson, Annafrid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson 1974 im südenglischen Brighton 

Die schwedische Band ABBA wird im Londoner Southbank Centre mit der Ausstellung "Super Trouper" geehrt. Die zeigt nicht nur Exponate der Band, sondern zeichnet auch ein düsteres Bild Englands in den 1970er-Jahren.

FilmwirtschaftDisneys Deal mit "21st Century Fox"

Das Logo des US-Unterhaltungsriesen Disney auf einem Bildschirm, im Hintergrund das Handelsparkett der New Yorker Börse (AP Photo/Richard Drew)

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney steht kurz davor, Teile des Medienunternehmens "21st Century Fox" von Rupert Murdoch zu kaufen. Dies sei eine Reaktion auf die digitale Konkurrenz wie Netflix oder Amazon, erklärt Caspar Busse von der "SZ".

Islamexperte Ahmad Mansour"Antisemiten sind selbstbewusster geworden"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamexperte Ahmad Mansour fordert ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen sich zu äußern, sagte der Psychologe im Dlf. Den aktuellen Antisemitismus hält er für herkunftübergreifend.

Vor 30 Jahren Warum ein Verkehrsunfall zur Gründung der Hamas führte

Anhänger der Hamas demonstrieren am 14.12.2016 in Gaza-Stadt. (dpa / EPA / Mohammed Saber)

Ein tragischer Verkehrsunfall und Gerüchte waren der Auslöser für die Gründung der Hamas am 14. Dezember 1987. Seitdem kämpft die radikal-islamische Bewegung für das palästinensische Volk und "seine Freiheit, seine Rückkehr und seine Unabhängigkeit im Namen Gottes".

Anke Engelke über "Sowas wie Angst"Gefühle sind stärker als Statistiken

Die Schauspielerin und Autorin Anke Engelke schaut 01.12.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) nach einem dpa-Gespräch im die Kamera. (zu dpa «Anke Engelke: «Habe mich als Kind schon supergern verkleidet»» vom 03.12.2017) Foto: Henning Kaiser/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

In einer WDR-Dokumentation macht sich die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke auf die Suche nach der Angst in unserer Gesellschaft. Sie sagt, die Kriminalstatistik könnte einem eigentlich die Angst nehmen, aber bei Vielen seien die Gefühle eben stärker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Regierungsbildung  SPD-Spitze entscheidet über Sondierungen mit CDU und CSU | mehr

Kulturnachrichten

"Aus dem Nichts" auf Shortlist für Oscar  | mehr

 

| mehr