Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zehntausende fordern schnelleren Atom-Ausstieg

Demos vor Energiewende-Treffen von Schwarz-Gelb

In Berlin zogen die Atom-Gegner vom Alexanderplatz, vorbei am Bundestag, zur Bundesgeschäftsstelle der CDU. (picture alliance / dpa)
In Berlin zogen die Atom-Gegner vom Alexanderplatz, vorbei am Bundestag, zur Bundesgeschäftsstelle der CDU. (picture alliance / dpa)

Zehntausende Menschen haben für einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft demonstriert. Einen Tag vor den Gesprächen der schwarz-gelben Koalition über die geplante Energiewende wollten die Kernkraftgegner mit Aktionen in 21 Städten erneut ein Signal senden.

Die Atomkraftgegner machten mit ihren Protesten in mehr als 20 Städten - unter anderem in Berlin, Hamburg und Hannover - erneut auf ihre Hauptforderung aufmerksam: ein deutlich schnellerer Ausstieg als die zehn Jahre, die sich jetzt abzeichnen. In Berlin zogen rund 30.000 in einem Protestmarsch durch die Hauptstadt. Die Abschlusskundgebung fand vor der CDU-Bundeszentrale statt. Die Veranstalter sprachen von
160.000 Menschen, die in allen Städten zusammen für einen Atomausstieg ohne Hintertüren demonstriert hätten. Umweltschutzinitiativen, Gewerkschaften und Parteien hatten zu den Demonstrationen aufgerufen.

Atomkommission berät Abschlussbericht

In Berlin beriet die Ethikkommission, die der Bundesregierung energiepolitisch beisteht, ihren Abschlussbericht. Die Kommission soll fest davon überzeugt sein, "dass der Ausstieg innerhalb eines Jahrzehntes abgeschlossen werden kann", zitierte "Spiegel Online" am Freitag aus einem Entwurf für den Abschlussbericht der Atomkommission. Im besten Fall könne dieser Zeitraum sogar verkürzt werden - ohne Gefahren für die Emnergieversorgung.

Morgen sollen die Ergebnisse Bundeskanzlerin Angela Merkel mitgeteilt werden, die als Reaktion auf den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima im März die Ethikommission für eine sichere Energieversorgung berufen hatte. Die Empfehlung des Expertengremiums soll in die Beratungen der schwarz-gelben Koalition über die geplante Energiewende einfließen.

Öffentlichkeitswirksame Inszenierung der Energiewende

Die Kommissionschefs Klaus Töpfer (r) und Matthias Kleiner unterhalten sich am Donnerstag (28.04.2011) in Berlin zu Beginn der öffentlichen Anhörung der Ethik-Kommission für eine sichere Energieversorgung. (picture alliance / dpa)Die Ethik-Kommissionschefs Klaus Töpfer (r) und Matthias Kleiner unterhalten sich am 28.04. zu Beginn der öffentlichen Anhörung in Berlin. (picture alliance / dpa)Vor zwei Wochen hatte die Ethikkommission eine wichtige Zwischenetappe ihrer Beratungen erklommen. In einer elf-stündigen, live im Fernsehen übertragenen Expertenanhörung zeichnete sich ein Konsens darüber ab, dass ein kompletter Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland im Zeitraum von zehn Jahren zu schaffen wäre. Allein Eon-Chef Johannes Teyssen nutzte noch einmal die Chance, ein Hohelied auf die AKW zu singen.

Bereits zum 25-jährigen Gedenken an den Super-GAU von Tschernobyl hatte einer der beiden Vorsitzenden der Ethik-Kommission, der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer, im Deutschlandfunk die Chancen eines zügigen Atom-Ausstiegs positiv bewertet. Dank der Weiterentwicklung der erneuerbaren Energieträger sei eine sichere Energieversorgung – anders als vor 25 Jahren, als es nur fossile Alternativen gegeben hätte – heute schnell und klimaverträglich zu verwirklichen.

Reaktor-Sicherheitskommission hat Bericht bereits vorgestellt

Die zweite Kommission, die von Kanzlerin Merkel innerhalb ihres Atom-Moratoriums eingesetzt wurde, gab ihre Ergebnisse bereits vor eineinhalb Wochen bekannt. Rudolf Wieland, Vorsitzender der Kommission, hatte erklärt, kein Atomkraftwerk habe die erarbeiteten Sicherheitskriterien erfüllen können. Im Falle eines Absturzes größerer Flugzeuge auf Kernkraftwerke bestünde bei keiner Anlage ausreichender Schutz. Im Falle von Erdbeben - auch stärkeren - seien jedoch genügend Sicherheitsreserven vorhanden. Eine Empfehlung, einzelne AKWs in Deutschland abzuschalten, sprach die Kommission nicht aus.

IG Metall sieht Energiewende als Chance

Die "industrielle Moderne" geht auch ohne Atomkraft, davon ist der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel überzeugt. Um eine Energiewende in Deutschland zu erreichen, sei es wichtig, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, sagte er im Deutschlandfunk. Das sei aber nicht möglich, solange in Berlin Lobbypolitik gemacht werde. Auf diesem Niveau sei keine "handwerklich vernünftige Politik" zu machen und die Chance, die Energiewende als Innovationsmotor zu nutzen, werde vertan.

Linktipp:
Atomkraft -Sammelportal

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Israel Der Konflikt am Tempelberg eskaliert

Israelische Sicherheitskräfte führen einen Palästinenser ab. Am Tempelberg in Jerusalem kam es zu Ausschreitungen wegen der Zugangskontrollen zum Tempelberg. (imago / ZUMA Press)

Der Streit um Metalldetektoren am Tempelberg in Jerusalem eskaliert weiter. Die internationale Gemeinschaft ruft Israel und die Palästinenser zur Mäßigung auf. Aber ein Einlenken zeichnet sich bisher nicht ab.

Nachwuchsprobleme bei der PolizeiWas bleibt vom Freund und Helfer?

Auszubildende bei der Polizei NRW (imago/Jochen Tack)

Es gab Zeiten, da war Polizist eine Art Traumjob - auch wegen der damit verbundenen Unkündbarkeit. Und heute? Die Beamten werden angepöbelt, angegriffen und oft von der Politik allein gelassen. Was bewegt junge Leute, trotz allem zur Polizei zu gehen?

Sieben Jahre nach dem Loveparade-UnglückDie andauernde Katastrophe

Gedenkstätte zur Loveparade 2010 am Karl-Lehr-Tunnel in Duisburg. Der Karl-Lehr-Tunnel und die Rampe des Loveparade-Geländes sind die Orte der Katastrophe vom 24. Juli 2010.  (picture alliance / Revierfoto/Revierfoto/dpa)

Sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg sind die Hintergründe der Katastrophe weiterhin unklar. 21 Menschen starben damals, viele Betroffene sind noch immer traumatisiert. Im Dezember soll es zum Prozess kommen. Unterdessen leiden die Betroffenen weiter.

"Dimension Data"Erstes afrikanisches Team bei der Tour de France

Der Eritreer Daniel Teklehaimanot (M.), Fahrer des "Dimension Data"-Teams, führt das Feld während der 4. Etappe der 103. Tour de France am 05.07.2016 zwischen Saumur und Limoges an. (picture alliance / dpa / EPA / Yoan Valat)

Mit "Dimension Data" fährt seit 2015 ein afrikanisches Team bei der Tour de France mit. Team-Direktor Rolf Aldag schwärmt von seinen 28 Fahrern, die etwa aus Eritrea oder Algerien kommen. In ihrer Heimat werden sie teilweise leidenschaftlich gefeiert.

Trend zu autoritären Herrschern"Die Demokratie vermag sich selbst auszuschalten"

Volker Weiß (Verlag Klett Cotta/Fotografin Annette Hausschild)

Der Historiker Volker Weiß sieht einen Trend zu autoritären Präsidialregimen und Führungsfiguren. Die Gefahr liege darin, dass diese sich auf demokratischem Wege etablierten, sagte Weiß im Dlf. Politiker wie Trump, Erdogan, Putin oder auch Macron inszenierten sich als Alleskönner mit heroischem Gestus.

Monotheistische Religionen in einer Fakultät?"Das Kopftuch war niemals ein Thema"

Die Islamwissenschaftlerin Armina Omerika.  (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Die Professorin Armina Omerika lehrt die Ideengeschichte des Islam. Auf einer Tagung der Katholischen Akademie reflektierte sie darüber, ob eine Fakultät möglich ist, an der unter einem Dach über die monotheistischen Religionen geforscht wird.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlingskrise  Scheuer (CSU) kritisiert Schulz | mehr

Kulturnachrichten

Gothaer Tafelaltar wird gezeigt  | mehr

 

| mehr