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Zehntausende gegen Putin

Größte Demonstration in Moskau seit Beginn der 90er-Jahre

Von Robert Baag

"Weg mit Putin", riefen die Demonstranten in Moskau. (Deutschlandradio - Robert Baag)
"Weg mit Putin", riefen die Demonstranten in Moskau. (Deutschlandradio - Robert Baag)

Rund 45.000 Menschen haben in der russischen Hauptstadt gegen die umstrittene Parlamentswahl protestiert. Ihr Unmut richtete sich vor allem gegen Ministerpräsident Wladimir Putin und seine Partei "Geeintes Russland".

Es wird, es muss Russlands Regierungs-Chef Vladimir Putin, Staatspräsident Dmitrij Medwedew und allen großen und kleinen Funktionären der sogenannten Putin-Partei "Geeintes Russland" heute Nachmittag mächtig in den Ohren geklungen haben: "Nieder mit dieser niederträchtigen Macht", skandieren alleine in Moskau bis zu geschätzt 45.000 Menschen mitten im Zentrum der russischen Hauptstadt, einen knappen Kilometer Luftlinie vom Kreml, dem Präsidentensitz entfernt.

Menschen jeden Alters, ganz unterschiedlicher politischer Ausrichtung haben sich nicht nur in Moskau, sondern unterschiedlichen Angaben zufolge in bis zu 90 Städten des Riesenlandes auf die Straße begeben, um gegen - wie sie sich sicher sind - ihre gestohlenen Stimmen zu protestieren:

"Wir sind nicht einverstanden damit, wie diese Wahlen abgelaufen sind. Aber diese Aktivität hier der Menschen, die gab's vorher nicht. Alleine wäre ich auch nicht auf die Straße gegangen. - Und unsere Macht?! - Wenn's keine Revolution gibt, - und die wird es wahrscheinlich nicht geben - reagieren muss sie trotzdem. Aber wie? Da ist alles möglich, positiv und negativ..."

... meint Sveta, eine knapp 50-jährige Lehrerin und zieht sich gegen das einsetzende Schneegestöber und den kalten Wind vom Fluss den Schal fester um den Hals. In diesem Augenblick fordert zum wiederholten Mal ein Redner von der Tribüne auf dem Balotnaja-Platz, zu deutsch "Sumpf-Platz":

"Putin muss gehen!", skandiert die nach Zehntausenden zählende, kommende und gehende Menge, greift diese Losung auf. Sergej, 35-jähriger Unternehmer, ist auch gekommen:

"Putin und Medwedew sind Verbrecher. Ich, wir fordern, diese schändlichen Wahlen zu annullieren und neue, freie Parlaments- und Präsidentschaftswahlen anzusetzen. Das ist realistisch. Die Stimmung dafür ist im Volk sehr stark. Die wirkliche Zustimmungsrate zu 'Geeintes Russland' ist sehr niedrig. Alles, was wir fordern, sind ehrliche Wahlen. Mehr brauchen wir nicht. Wir hoffen, dass es kein Blutvergießen gibt. Das heißt, die Staatsmacht muss Vernunft bewahren - und: eben freie Wahlen ansetzen!"

"Putin - und freiwillig die Macht abgeben? Daran glaube ich nicht. Na, also, ich bitte Sie! Wirklich! Ein KGB-Mann und die Macht abgeben...", kommentiert dagegen Nina, eine bekannte Schauspielerin am Moskauer Puschkin-Theater. Trotzdem werde es Zeit, dass die Macht zur Besinnung komme und sich das eingeschüchterte Volk von seiner Angst befreie. - "Nieder mit dem Polizeistaat", auch diese Losung war wiederholt zu hören.

Zwar waren auch heute wieder die Sicherheitskräfte in Moskau deutlich sichtbar präsent. Von Prügeleinsätzen, Übergriffen oder Festnahmen ist allerdings - anders als noch in den Tagen seit Wochenbeginn - zumindest in Moskau bis zum Abend nichts bekannt geworden. Diese größte Kundgebung seit dem Beginn der 90er-Jahre hat sich nach circa vier Stunden friedlich aufgelöst. Fortsetzungen soll es geben, haben die oppositionellen Organisatoren bereits angekündigt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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