Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zehntausende protestieren gegen Castor-Transport

Kanzlerin mahnt Demonstranten zu Besonnenheit

Ein junger Mann demonstriert gegen den Castor-Transport (AP)
Ein junger Mann demonstriert gegen den Castor-Transport (AP)

Der Atommülltansport aus dem französischen La Hague hat Deutschland erreicht. Zehntausende Castor-Gegner protestierten auf einer Großkundgebung in Dannenberg. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Demonstranten auf, friedlich zu bleiben.

Der Transport überquerte gegen Mittag den Rhein zwischen Straßburg und dem deutschen Grenzort Kehl. Zuvor hatten Atomgegner den Zug mit einer Gleisblockade behindert und zu einer Streckenänderung gezwungen.

In Dannenberg versammelten sich nach Angaben der Veranstalter unterdessen mehr als 50.000 Menschen zu einer Großkundgebung. Die Polizei nannte dagegen eine Zahl von mehr als 20.000 Demonstranten.

An einer Landstraße nahe Dannenberg kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen der Polizei und einer Gruppe von etwa 150 Castor-Gegnern. Nach Angaben eines Polizeisprechers sollen die Demonstranten versucht haben, die Straße mit einem Loch zu unterhöhlen. Die Beamten gingen mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Aktion vor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte die Demonstranten zur Besonnenheit. "Demonstrieren ist eine der schönsten Freiheiten, die eine freiheitliche Gesellschaft mit sich bringt", sagte Merkel bei einer CDU-Veranstaltung in Bonn. Dabei müssten die Proteste jedoch friedlich bleiben, es gebe auch Grenzen.

SPD und Grünen warf Merkel vor, sie hätten sich durch den Verzicht auf die Erkundung eines Endlagers im niedersächsischen Gorleben jahrelang vor der Verantwortung gedrückt.

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte indes, die Kanzlerin habe durch ihre Politik einen gesellschaftlichen Großkonflikt wieder eröffnet, der durch den Beschluss zum Atomausstieg längst befriedet gewesen sei. "Die Kanzlerin sollte gemeinsam mit den vier Vorstandsvorsitzenden der Atomkonzerne nach Gorleben fahren und sich der Diskussion mit den Demonstranten stellen", sagte Gabriel in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse.

Unterdessen geht auch der Streit um die Kosten für den Castor-Transport weiter. Allein auf das Land Niedersachsen könnten 25 Millionen Euro für den Polizeieinsatz zukommen. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sieht das Land nicht alleine in der Pflicht, dafür aufzukommen, wie er dem Deutschlandfunk sagte.

Das vollständige Interview mit McAllister sendet der Deutschlandfunk am Sonntag ab 11 Uhr 05.

Mehr zum Thema:

Zurück in die Kampfzone - Der Streit um die Atomkraft

"Müssen unbedingt einen Standort finden" - Umweltminister Sander will Salzstollen weiter erkunden

Castor-Gegner rüsten zur Großdemo - Amtommülltransport rollt nach Gorleben

Demonstrationen ja, Gewalt nein - CDU-Politiker Reinhard Grindel zur Atommüll-Endlagerdebatte

"Sitzblockaden sind aus meiner Sicht keine Gewalt" - Grünen-Politikerin Höhn über den Atom-Protest ihrer Partei (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:52 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Bundeswehreinsatz im InnernErst mal sehen, was realistisch ist

Soldaten bergen während einer Übung einen Kameraden, der einen verletzten Soldaten simuliert, und transportieren ihn in ein gepanzertes Transportfahrzeug. (dpa)

Vor der für Februar geplanten Übung von Polizei und Bundeswehr müsse erst über Szenarien nachgedacht werden, die realistisch seien, meint Falk Steiner. Dabei müsse geklärt werden, wie die Bundeswehr tatsächlich helfen könne. 

Historiker Martin Sabrow "Die Bedeutung wächst mit der Zeit"

Das Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel "Wir schaffen das!" steht auf einem wolkenförmigen Schild beim Rosenmontagszug in Köln im Februar 2016. (imago/Chai von der Laage)

"Wir schaffen das": Dieser Satz, vor einem Jahr von Angela Merkel gesprochen, wurde zum geflügelten Wort und hat viele Vorgänger. Er weckt Assoziationen an Obamas "Yes we can" oder Brandts "Mehr Demokratie wagen". Was braucht es zu einem Satz für die Ewigkeit?

Kapitulation der KünsteDer Reiz des Scheiterns

Tocotronic im April 2015 in Hamburg (picture alliance / dpa / Foto: Henrik Josef Boerger)

Der Soziologe Richard Sennett hat Scheitern als ein Tabu der Moderne bezeichnet. Erfolg und Karriere sind heute mehr denn je gefragt. Doch ist das Scheitern nur Misslingen? Oder kann sich aus der scheinbaren Niederlage nicht zugleich etwas ungeahnt Neues entwickeln?

Integrationspolitik"Es ist nicht klar, welche Werte wir vertreten wollen"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat sich für einen Dialog über Werte in unserer Gesellschaft ausgesprochen. Erst dann könne Deutschland Zuwanderern klar machen, "was diese Gesellschaft tolerieren kann und was nicht", sagte der Programmdirektor der European Foundation for Democracy im DLF.

IntegrationVon der Sehnsucht nach Patentante und Butterbrotpapier

Türkisch singen diese deutschen und türkischen Kinder in einer Klasse. (dpa/ picture-alliance/ Rainer Jensen)

Sich integrieren, sich assimilieren innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft – dazu ist Sprache besonders wichtig. Aber ist das alles? Die Publizistin Dilek Güngör denkt an ihre Kindheit zurück und beschreibt, was "Anders-Sein" eigentlich ausmacht.

Ein Jahr "Wir schaffen das"Ankommen in Deutschland

Vor einem Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Credo ausgegeben: "Wir schaffen das!" Damit das am Ende wirklich funktioniert, packen viele Deutsche ehrenamtlich mit an. Das Wichtigste für die Flüchtlinge: Deutsch lernen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Machtwechsel in Brasilien  Temer ist neuer Präsident | mehr

Kulturnachrichten

Festival Pop-Kultur in Neukölln gestartet  | mehr

Wissensnachrichten

Sachsen  AfD-Politiker wünscht sich Merkels Terrortod | mehr