Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zeit für Familie

Familienministerin fordert Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeit

Ein Gipfel für Familien (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Ein Gipfel für Familien (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Auf einem Familiengipfel hat die Bundesregierung für Vereinbarkeit von Beruf und Familie geworben. Auch die Homo-Ehe war Thema des Treffens mit Vertretern aus Wirtschaft, Forschung und Lobby. Im Vorfeld wurde Kritik an unschlüssigen Förderungen und politischer Tatenlosigkeit laut.

Um es gleich vorwegzunehmen: Konkrete Beschlüsse haben sich auf dem Familiengipfel nicht ergeben und dennoch war die Zusammenkunft wichtig - für ein Umdenken in der Wirtschaft und für den Bundestagswahlkampf. Zentrales Thema war eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die 300 Gipfelteilnehmer erörterten Lösungsmodelle und Handlungsbedarfe, hieß es. "Hier ist die Wirtschaft echt in der Pflicht", sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) im ARD-Fernsehen mit Blick auf die Schaffung von Betriebs-Kitas und Teilzeitstellen. Die Ministerin wünschte sich, "dass eben auch der Chef mal sagt, an dem Donnerstagnachmittag kann ich nicht, da muss ich mit meinen Kindern zum Laternenumzug".

Nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht es beim Gipfel um die Zeitpolitik für Familien. "Wer die Fachkräfte der Zukunft für sich haben möchte, muss auf das Thema Familie mehr Rücksicht nehmen", sagte Merkel in ihrer jüngsten Videobotschaft.

Verbindlich statt flexibel

Die Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig (SPD). (dapd)Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig, SPD (dapd)Um die Arbeitswelt wirklich familienfreundlich zu gestalten, bräuchten die Menschen verbindliche gesetzliche Regelungen, sagte SPD-Vize und Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig im Deutschlandfunk. "Wir brauchen konkretes politisches Handeln und dazu zählt für mich das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit."

Unterstützung kommt aus der Union. "Teilzeit darf keine Sackgasse sein", sagte Bundesfamilienministerin Schröder. Die FDP äußerte aber Skepsis. "Das wird sicherlich ein großes Thema im Bundestagswahlkampf werden."

SPD-Vize Schwesig warf der Bundesregierung Tatenlosigkeit am Ende der Wahlperiode vor. "In der Debatte um das Betreuungsgeld haben Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände gesagt, macht das Betreuungsgeld nicht, investiert die zwei Milliarden Euro in mehr Ganztagskitas. Das hat die Bundesregierung ignoriert." Bundeskanzlerin Merkel habe jahrelang "die Familien allein gelassen und nichts getan, um ihre Situation zu verbessern". Familien gerieten unter Druck, weil ihnen unter Billiglöhnen volle Flexibilität abverlangt werde.

Geld für die Erziehung zuhause: Kind und Mutter (dpa / Patrick Pleul)Geld für die Erziehung zuhause: Kind und Mutter (dpa / Patrick Pleul)Allen Beteuerungen zum Trotz hätten Frauen am Arbeitsmarkt das Nachsehen, wenn sie sich für Kinder entschieden, sagte Ingrid Sehrbrock, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der "Passauer Neuen Presse". Die Rückkehr in die Erwerbstätigkeit gestalte sich "selten reibungslos". Nötig seien an die Bedürfnisse der Familien angepasste Arbeitsarrangements, "die die Existenz sichern und die im Alter nicht zur Armut führen". Ein gesetzlicher Anspruch, die Arbeitszeit aufstocken und aus der Teilzeitbeschäftigung auch wieder in eine Vollzeitbeschäftigung wechseln zu können, sei überfällig.

Widersprüchliche Familienförderung

Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (David Ausserhofer)Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (David Ausserhofer)Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, kritisierte unterdessen die Vielzahl der Familienförderungen mit unterschiedlichen, widersprüchlichen politischen Zielen. Betreuungsgeld, Steuervorteile: "Wir haben viel zu viele Maßnahmen, sie sind zu wenig gebündelt, sie wirken wie so eine Gießkanne und setzen ja teilweise ganz unterschiedliche Akzente", sagte Allmendinger auf Deutschlandradio Kultur. "Der eine Akzent heißt: Bleibt doch bei Eurem Haupternährer-Familienmodell (...), dieses wird gefördert durch das Ehegattensplitting, dieses wird gefördert durch das Betreuungsgeld beispielsweise. Und dann gibt es andere Maßnahmen, die lauten: Gehe doch bitte zügig nach einer Geburt von Kindern wieder in die Erwerbsarbeit zurück - hierzu würde ich beispielsweise das neue Unterhaltsrecht zählen." Nötig sei ein Zusammenschlusss von Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Familienpolitik.

Uns interessieren Ihre Vorschläge zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Buchkritik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

"Umvolkung"AfD lockt CDU-Politikerin nach Twitter-Entgleisung

Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla (privat / Laurence Chaperon)

AfD-Vize Beatrix von Storch lädt die umstrittene CDU-Abgeordnete Bettina Kudla nach ihrem "Umvolkungs"-Tweet zum Parteiwechsel ein. Und die Unions-Fraktion streitet heftig über den weiteren Umgang mit der Kollegin. "Twittert nicht gleich alles in die Welt!"

Zum Tod von Shimon Peres"Mahner für den Frieden"

Israelischer Ec-Präsident Schimon Peres (dpa / Jens Büttner)

Shimon Peres sei das "Gewissen Israels" gewesen, sagt unser ehemaliger Israel-Korrespondent Sebastian Engelbrecht. Der frühere israelische Präsident habe immer wieder zu neuen Anläufen bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern aufgefordert - auch in Zeiten der rechtsgerichteten Regierung.

Politische RhetorikAbscheu ist keine Lösung

Abscheu ist etwas Körperliches: Diese Frau ist angewidert von ihrem Getränk. (imago/Westend61)

Abscheu ist eine körperliche Reaktion auf etwas Widerwärtiges, ähnlich dem Ekel, und liegt damit im vorpolitischen Raum. Wer politische Positionen und Gegner verabscheut, verlässt den Raum der deliberativen Demokratie, meint der Journalist Alexander Kissler.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Israel  Trauer über den Tod des früheren Präsidenten Peres | mehr

Kulturnachrichten

Rechtsstreit um Gurlitt-Erbe zieht sich hin  | mehr

Wissensnachrichten

Plastikteilchen in der Umwelt  Jeder Waschgang ist ein Problem | mehr